Ruheübung für den Vizsla beim Spaziergang

Wie viele andere Jagdhundrassen neigt auch der Vizsla zu Unruhe und Anspannung. Besonders in reizintensiven Umgebungen wie auf einem Spaziergang ist ein entspanntes Ablegen oft eine große Herausforderung. Kleinste Geräusche und Bewegungen reichen aus, damit der Vizsla aus seiner Ruhe gerissen wird. Mithilfe eines speziellen „Calm down“-Trainings habe ich das mit Bayard geübt und sehr positive Effekte erzielt, die sich auch im Alltag sinnvoll einsetzen lassen. Wie genau ich dabei vorgegangen bin, möchte ich in meinem heutigen Beitrag erläutern.

Eine gesunde Mischung aus Action und Ruhe

Während ich durch ein konsequentes Boxentraining etabliert habe, dass Bayard in der Wohnung schläft und ruht, weiß er auch, dass ihn auf unseren Spaziergängen meistens Action erwartet: Dummytraining, Fährtensuche, Mantrailing oder Canicross – unsere Routine sieht regelmäßige körperliche und geistige Auslastung vor. Nichtsdestoweniger gibt es genügend Spaziergänge, auf denen nichts passiert. Bayard darf dann einfach frei laufen und schnüffeln. Gerade nach Tagen mit entsprechenden Trainingseinheiten folgt normalerweise immer mindestens ein Tag, an dem ich die Outdooraktivitäten auf ein Minimum zurückfahre. Ebenso nach Tagen, in denen er in der Hundetagesstätte oder in der Hundeschule war.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Bayard diese „Regenerationstage“ ebenso braucht, wie Action und Auslastung. Er schläft dann viel und ich merke, dass er in dieser Zeit wieder runterfährt und alle Eindrücke in Ruhe verarbeitet.

Wieso Ruhe auf Spaziergängen für den Vizsla wichtig ist

Natürlich weiß ich auch, wie sich ein aufgedrehter und reizüberfluteter Vizsla verhält. Und es war damals meine Schuld, dass es so weit gekommen ist. Denn gerade am Anfang habe ich nicht erkannt, dass zu viel Auslastung das genaue Gegenteil bewirkt und den Vizsla nicht etwa ruhiger und ausgeglichener werden lässt. Vielmehr erlebte ich einen Hund, der ständig angespannt war und sich nicht auf den eigentlichen Spaziergang – geschweige denn auf mich – konzentrieren konnte. Er verwandelte sich in einen aufgedrehten „Hanns Guck-in-die-Luft“, der mit seinen Gedanken und Sinnen überall war. Nur nicht bei mir!

So funktionierte in solchen Situationen der Rückruf meist schlechter, Bayard weitete seinen Radius zu sehr aus oder verließ die Wege – was bei uns sonst ein No-Go ist. Als Reaktion landete er dann oft an der Leine, was für mich der einzige Weg war, ihn wieder in die Konzentration zu holen. Entspannt war das für niemanden. Und am wenigsten für ihn.

Ruheübung nach Anton Fichtlmeier

In meinem Bestreben, die Spaziergänge für beide Seiten entspannter zu gestalten, stieß ich dann auf die Ausbildungsmethoden von Anton Fichtlmeier, dem Experten für Jagdhunde wie Vizsla oder Weimaraner. In seinem Buch „Der Hund an der Leine“ erklärt er, wie er über eine Ruhe-Übung als Grundlage für die Leinenführigkeit etabliert.

Dazu wird die Leine als ein passives Signal auf den Boden gelegt und mit einem Fuß fixiert. Hat der Mensch diese Position eingenommen, wird der Hund ignoriert. Es gibt keine Ansprache, keine Kommunikation (auch nonverbaler Natur) und keine Aufmerksamkeit. Anfänglich wird der Hund vermutlich versuchen, sich aus der für ihn begrenzenden Situation zu lösen – gerade wenn die Umgebung doch so viel spannender ist. Nach Fichtlmeier heißt es nun: Durchalten und jedes Ziehen, Winseln oder Bellen ignorieren. Er empfiehlt, die Übung zunächst im Garten zu trainieren und sich dabei hinzusetzen und sich mit etwas Anderem zu beschäftigen.

Nach dem Prinzip „Ruhe löst Ruhe aus“ wird auch der Vizsla schnell begreifen, dass es für ihn am meisten Sinn macht, sich in dieser Situation einfach zu entspannen. Und er wird das Signal „Leine auf dem Boden“ automatisch damit verknüpfen. Im Idealfall nimmt der Hund irgendwann automatisch eine entspannte, ruhende Haltung ein, sobald die Leine auf den Boden gelegt wird.

Ich finde, die Übung eignet sich also nicht nur, um „Ruhe zu lernen“, sie kann später auch bei Restaurantbesuchen oder beispielsweise beim Dummytraining angewendet werden. Voraussetzung ist natürlich eine regelmäßige Wiederholung bis das passive Signal wirklich sitzt.

Calm down beim Spaziergang

Ich habe die Ruhe-Übung nach Anton Fichtlmeier sofort draußen beim Spaziergang ausprobiert. Allerdings an einer wirklich reizarmen Stelle und zu einer Tageszeit, an der ich ohne Zeitdruck war. Ich merke nämlich immer wieder, dass sich meine eigene innere Unruhe und der ständige Blick auf die Uhr direkt auf Bayards Verhalten auswirken. Was das angeht, sind unsere Vischels einfach zu intelligent und sensibel. 😉

Ich habe mich also auf eine Bank gesetzt, den Fuß auf die Leine gestellt und Bayard ins „Platz“ gelegt. Ganz typisch für ihn diskutierte er am Anfang viel: Löste sich immer wieder aus dem Platz, „meckerte“ und kaute aus reiner Frustration auf Stöcken und Blättern herum, die in seiner Nähe lagen.

Vizsla streubt sich gegen Ruheübung beim Spaziergang
Zu Beginn wollte Bayard nicht liegen bleiben und “diskutierte” viel.

Ich habe ihn ruhig und bestimmt immer wieder korrigiert und ins Platz gelegt, denn er darf sich aus einem solchen Kommando nicht von selbst lösen. Seine sonstigen Reaktionen habe ich ignoriert und mich – der Empfehlung von Fichtlmeier entsprechend – mit meinem Handy beschäftigt. Nach etwa 20 Minuten war dann ein Zustand erreicht, in dem Bayard zumindest dauerhaft lag. Sein Kopf, seine Ohren und seine Nase waren aber noch immer mit der Umgebung beschäftigt.

Vizsla wird bei Ruheübung korrigiert und zurück ins Platz geschickt
Sofortige Korrektur, wenn Bayard sich aus dem Platz löste

Trotzdem lobte ich ihn und löste das Kommando. Die nächsten Tage gab es dann auf jedem Spaziergang einen „Calm down“. Und ich bemerkte, dass Bayard immer schneller in die Ruhe fand. Nach einiger Zeit gelang es ihm sogar, aus dem „angespannten Platz“ in ein „entspanntes Platz“ zu wechseln. Auch seinen Kopf legte er hin und wieder ab.

Vizsla wird nach erfolgreicher Ruheübung gelobt mit Leckerlie
Die Ruheübung wird durch positive Bestärkung (z.B. ein Leckerlie) beendet

Dieses Verhalten lobte ich und löste die Übung auf. Nach etwa einer Woche geschah dann das bin dahin Unvorstellbare: Obwohl wir an einer Stelle warteten, an der wir uns für gewöhnlich mit Bayards Hundefreunden treffen und an der er deshalb immer sehr unruhig ist, legte er sich nur wenige Sekunden, nachdem ich den Fuß auf die Leine gestellt hatte, hin.

Die positiven Effekte der Ruheübung auf den Vizsla

Insgesamt wirkte sich die regelmäßige Ruheübung sehr positiv auf Bayard aus. Er ist nach dem Calm Down konzentrierter und mir gegenüber aufmerksamer. Der Gehorsam funktioniert besser und insgesamt wirkt er ausgeglichener. Mittlerweile streue ich die Übung immer dann ein, wenn ich merke, dass Bayard überdreht ist oder auf Action lauert. Aber auch „zwischendurch“ frische ich das Runterkommen immer mal wieder auf.

Unser nächstes Ziel

Während sich die Ruheübung auf Spaziergängen mittlerweile gut etabliert hat, arbeiten wir weiter an Bayards großer Baustelle, dem Calm Down, wenn wir bei anderen Personen zu Besuch sind. Besonders bei meinen Eltern oder in völlig neuen Umgebungen hat Bayard nach wie vor sehr große Schwierigkeiten, sich abzulegen und im Platz zu bleiben. Er wird dann unruhig oder tut alles, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Hier heißt es für mich: Starkbleiben! Und auch in solchen Situationen mit ruhiger Konsequenz die Ruhe durchzusetzen. Denn ich weiß, dass wir beide gleichermaßen profitieren, wenn er in solchen Situationen entspannt bleibt.

Wie reagiert Ihr bei Abspannung Eures Hundes? Und habt Ihr Ruhe auf Spaziergängen und zu Hause bewusst trainiert? Ich bin gespannt, auf Eure Erfahrungen in den Kommentaren! 😊

Wie sinnvoll ist der Hormonchip beim Vizsla-Rüden?

Das Thema Kastration ist unter Hundebesitzern ein emotionales. Und selbst die temporäre Kastration via Hormonchip polarisiert. Ich habe mich dafür entschieden, meinen Vizsla-Rüden chemisch kastrieren zu lassen und die Entscheidung nicht bereut. Welche Fragen ich mir zuvor gestellt habe und welche Gründe letztlich für den Hormonchip gesprochen haben, lest Ihr im folgenden Beitrag.

Das Thema Hormonchip beim Vizsla polarisiert

Wie Ihr wisst, bin ich mit einem eigenen Account auch auf Instagram unterwegs und berichte aus dem Alltag von Bayard und mir. Als ich vor einigen Monaten das Thema Hormonchip bzw. Kastration ins Spiel brachte, erntete ich viele Reaktionen – und einige davon waren nicht gerade positiv: 

Wenn ich Glück hatte, waren es neugierige Fragen nach meinen Beweggründen. Es gab aber auch Nachrichten, in denen ich mich mit der Unterstellung konfrontiert sah, dass ich meinen gesunden Rüden nur deshalb kastrieren ließe, weil ich mit seiner Erziehung nicht zurechtkäme.

Ähnliche und teilweise noch heftigere Reaktionen habe ich bei anderen Instagram-Profilen beobachtet. Es scheint bei einigen Hundebesitzern die Meinung vorzuherrschen, dass eine Kastration – ob bei Rüde oder Hündin – ausschließlich auf ein Versagen des Halters zurückzuführen und nur in medizinischen Notfällen zu akzeptieren sei.

Aber warum? Für mich gab und gibt es durchaus gute Gründe, die bei meinem Vizsla für einen Hormonchip gesprochen haben. Und im Folgenden möchte ich Euch einige davon vorstellen.

Doch schauen wir uns doch zunächst nochmal an, wie ein Hormonchip verabreicht wird und wie er wirkt.

Wie funktioniert der Hormonchip?

Der Hormonchip (auch Kastrationschip genannt) wird, wie ein Mikrochip zur Kennzeichnung des Hundes, mithilfe einer Kanüle im Nacken eingesetzt. Dabei kommt zwar eine etwas dickere Kanüle zum Einsatz, der Eingriff ist aber nur mit geringen Schmerzen verbunden und innerhalb von ein paar Sekunden überstanden. Eine Sedierung oder gar Vollnarkose sind nicht erforderlich! Bayard ließ sich damals übrigens mit ein paar Leckerlies sehr gerne entschädigen 😉

Der Hormonchip enthält den Wirkstoff Deslorelin in zwei möglichen Dosierungen, so dass er entweder für sechs oder zwölf Monate kontinuierlich Wirkstoff an den Körper abgibt. Dieser bewirkt beim Rüden eine vorübergehende Unfruchtbarkeit, so dass man auch von einer „chemischen Kastration“ spricht. Denn anders als bei einem operativen Eingriff – der sog. chirurgischen Kastration – ist die Wirkung des Hormonchips auf eben sechs bzw. zwölf Monate begrenzt. Der Chip muss also regelmäßig erneuert werden, wenn man die Unfruchtbarkeit aufrechterhalten möchte.

Kosten für den Hormonchip beim Vizsla

Die Kosten für den Hormonchip und dessen Injektion variieren je nach Tierarztpraxis. Für den 6-Monats-Chip entstehen für gewöhnlich Kosten zwischen 120 und 150 Euro. Der 12-Monats-Chip kostet zwischen 175 und 200 Euro.

Je nachdem wie früh der Chip verabreicht wird, belaufen sich die Kosten für eine „lebenslange“ chemische Kastration auf etwa 2.500 bis 3.000 Euro. Ein chirurgischer Eingriff ist hier deutlich günstiger, aber wegen der Narkose und der Infektionsgefahr auch mit höheren Risiken verbunden. Wobei sich auch diese – wie mir unsere Tierärztin versicherte – auf ein absolutes Minimum beschränken.

Wieso ich mich für den Hormonchip entschieden habe

Aus meiner Sicht muss jeder Hundehalter selbst entscheiden, wie sinnvoll eine chemische oder chirurgische Kastration beim eigenen Hund sind. Ein ausführliches Beratungsgespräch mit einem Tierarzt halte ich aber in jedem Fall für sinnvoll. Ich habe mich zusätzlich mit unserem Trainer über das Thema unterhalten, da er mir eine Einschätzung geben sollte, welche von Bayards Verhaltensweisen sich tatsächlich auf seine Hormone zurückführen lassen und bei welchen ich – durch konsequentes Training – selbst einwirken kann.

Letztlich waren es für mich die folgenden Gründe, die mich vom Einsetzen eines Hormonchips überzeugt haben:

Hündinnen belästigen

Aus beruflichen Gründen bin ich an manchen Tagen darauf angewiesen, Bayard in einer Hundetagesstätte unterzubringen. Und er liebt es, dort zu sein! Als er geschlechtsreif wurde, zeigte er plötzlich ziemlich großes Interesse an den dortigen Hündinnen: Ständiges Hinterherlaufen, lecken und aufspringen – egal ob die Hundedame nun läufig war oder nicht. Da er sich dabei ziemlich rüpelhaft benahm und auch vor kleinen Rassen nicht zurückschreckte, musste man ihn bei den Freilaufrunden separieren, damit er andere Hunde nicht verletzt. Diese Vorstellung gefiel mir ebenso wenig wie die eines liebestollen Rüden, der durch sein Benehmen sein bis dato tadelloses Sozialverhalten zu vergessen schien. Ich wollte, dass er zusammen mit den anderen Hunden in der Tagespflege toben und spielen kann, ohne dass ich mir um seine Gesundheit oder die der anderen Sorgen machen muss.

Markieren

Zusammen mit der Geschlechtsreife trat dann eine weitere männliche Eigenart zu Tage: das dauerhafte Markieren. Ich konnte mit Bayard keine hundert Meter laufen, ohne dass er sein Bein hob und sein Revier markierte. Auch beim Spielen mit anderen Hunden war er oft mehr damit beschäftigt, seine Markierung über die des anderen zu setzen, dass er am gemeinsamen Spielen kaum mehr Interesse hatte.

Tropfen

Wer glaubt, dass man nur bei Hündinnen regelmäßig hormonbedingten Putz- und Reinigungsaufwand hat, irrt gewaltig. Wie ich selbst lernen durfte (und ich hatte bereits zuvor einen Rüden!), gibt es Kandidaten wie Bayard, die extrem „tropfen“. In der gesamten Wohnung fand ich täglich weiß-gelbliche Tropfen und war ständig damit beschäftigt, diese zu beseitigen oder Hundekissen und -decke zu waschen. Besonders schlimm war es, wenn sich Bayard schüttelte oder mal wieder eines seiner „Freudentänzchen“ aufführte: Tapeten, Schränke und Fensterscheiben sahen aus wie ein Gemälde von Jackson Pollock. Wie genervt ich war, muss ich wohl nicht weiter ausführen!

Unruhe

Der Vizsla ist eine Rasse, die zu Unruhe und ständiger Anspannung neigt. Nun stellt Euch einen ohnehin hibbeligen Rüden vor, der eine läufige Hündin wittert. Bayard war in solchen Situationen völlig außer Rand und Band und vergaß alles: seine gute Erziehung oder auch, dass ich noch am anderen Ende der Leine hing. Dass er dabei mich oder sich selbst verletzten könnte, war für mich ein gewichtiger Grund, der für den Hormonchip sprach. Zudem merkte ich, dass Bayard auf Spaziergängen noch ruheloser und unkonzentrierter wurde und er auf diese dauerhafte Anspannung insgesamt nicht gut reagierte.

Dominanzverhalten

Bayard ist ein sehr dominanter und willensstarker Rüde, mit dessen Dominanzverhalten ich mitunter ordentlich zu kämpfen habe. In einem anderen Blogbeitrag habe ich bereits über die Erziehungsmaßnahmen berichtet, die wir zusammen mit einem Trainer erarbeitet haben, um dieses Benehmen bestmöglich einzudämmen. Zusammen mit Geschlechtsreife und Pubertät wurden einige Verhaltensmuster aber deutlich extremer und ich bin froh, dass der Hormonchip mich zusätzlich unterstützt, sein Dominanzverhalten besser kontrollieren zu können.

Zwei Vizsla-Rüden kämpfen ihren Rang aus

Hormonchip als Erziehungsersatz?

Chip- und Kastrations-Gegner mögen mir nun zurufen wollen, dass es Teil meiner Erziehungspflicht sei, meinen Rüden auch ohne hormonelle Einwirkung regulieren zu können. Dass die schwindende Aufmerksamkeit mir gegenüber etwas sei, dass man durch kontinuierliches Training in den Griff bekommen könnte. Und auch, dass ich mich doch bewusst für einen Rüden entschieden hätte und all diese Verhaltensmuster eben ganz typisch seien. Und ich sage: Ihr habt Recht! Aber warum muss ich es ihm und mir unnötig schwer machen?

Für mich bedeutet der Hormonchip keinesfalls, dass ich mich bei der Erziehung zurücklehnen kann. Im Gegenteil! Wir haben nach wie vor die vielen rassetypischen Baustellen, an denen wir gemeinsam trainieren. Und dennoch erleichtert uns der Chip diese Arbeit. Wohlbemerkt: Uns! Denn für mich überwiegen die positiven Effekte, die ich an Bayard beobachten kann. Er ist gelassener, konzentrierter und mir gegenüber aufmerksamer – auch beim Training. Und er kann sich wieder voll und ganz auf das Spielen mit anderen Hunden konzentrieren und die Zeit in seiner Tagesstätte genießen.

Meine Erfahrungen zum Hormonchip beim Vizsla-Rüden

Für mich steht daher außer Frage, dass sich der Hormonchip bei meinem Vizsla-Rüden voll und ganz gelohnt hat. Die positiven Effekte auf sein Wesen überwiegen, so dass ich mich entschieden habe, ihn in den kommenden Monaten dauerhaft kastrieren zu lassen.

Das Einsetzen eines Chips mit 6-monatiger Wirkdauer war für mich die ideale Möglichkeit, zu testen, welche seiner Verhaltensweisen tatsächlich auf die Hormone zurückzuführen sind. Und welche sich durch Training verbessern lassen. Für mich persönlich sind beide Eingriffe – also chemische und chirurgische Kastration – legitim. Ich halte nichts von Pauschalisierungen, denn jedes Hund-Mensch-Team ist einzigartig. Ebenso wie die Entscheidung, sich für oder gegen einen der beiden Eingriffe auszusprechen.

Fest steht allerdings auch für mich, dass weder chemische noch chirurgische Kastration einen Erziehungsersatz darstellen, sondern sie allenfalls dabei helfen können, das Zusammenleben mit dem Vizsla-Rüden für beide Seiten harmonischer zu gestalten.

Interview: Der Vizsla als Blutspender

Für verletzte oder kranke Hunde kann gespendetes Blut über Leben und Tod entscheiden. Toll, dass es immer mehr Hundehalter gibt, die mit ihren Hunden Blut spenden. Aber eignet sich auch der Vizsla als Blutspender? Janina hat mit mir über ihre Erfahrungen mit dem Blutspenden bei ihrer Vizsla-Hündin Syrinx gesprochen. Denn leider kann nicht jeder Hund zum Lebensretter werden.

Christina: Hallo Janina. Vielen Dank, dass Du Dir Zeit für das Interview zu diesem unglaublich wichtigen Thema nimmst. Bevor wir starten: Stell Euch doch einmal vor.

Janina: Hey Christina. Ich freue mich sehr, denn auch auf für mich ist das Thema „Blutspende beim Hund“ eine Herzensangelegenheit.

Also, mein Name ist Janina, ich bin 30 Jahre alt und lebe mit meiner Viszlahündin Syrinx in der Nähe von Stuttgart, gemeinsam mit meinem Freund und seiner Schäfer-Mix-Hündin Luna. Syrinx ist 3,5 Jahre alt und ich würde sie als einen verschmusten Clown beschreiben. Sie ist sehr anhänglich, will überall mit dabei sein und ist jederzeit für Aktion bereit. Dazu kann sich aber auch sehr dickköpfig und eigensinnig sein – ein echter Vizsla eben.

Janina und Vizsla Syrinx

Christina: Ja, diese Eigenschaften kenne ich auch! Nun aber zum Blutspenden: Wie seid Ihr auf die Möglichkeit aufmerksam geworden, dass der Hund Blut spenden kann?

Janina: Ein befreundeter Hund ist vor zwei Jahren schwer erkrankt (und mittlerweile leider verstorben) und nach den ersten Untersuchungen wurde eine Autoimmunkrankheit vermutet, die durch Blutspenden hätte behandelt werden können. Wir wurden gefragt und ließen uns von der Klinik in ihre Blutspende-Kartei aufnehmen. Die Diagnose bestätigte sich leider nicht und eine Blutspende konnte ihm nicht helfen, aber in der Kartei sind wir geblieben, um anderen Hunden helfen zu können.

Christina: Warum ist es aus Eurer Sicht sinnvoll, Blut zu spenden?

Janina: Wie beim Menschen gibt es viele Fälle, in denen Blutkonserven benötigt werden: Zeckenkrankheiten, große OPs, Unfälle…die Liste ist lang und es kann jeden unserer Hunde treffen. Die Tierkliniken und Tierärzte sind in solchen Fällen auf Spenderblut angewiesen. Mit einer Blutspende kann mein Hund einem anderen Hund also das Überleben und eine gute Genesung sichern. Wenn Syrinx mal etwas passiert, hoffe ich, dass auch ihr ein anderer Hund helfen kann. Wir als Hundehalter können so füreinander da und unsere Hunde echte Lebensretter sein!

Christina: Das hast Du toll gesagt! Gibt es denn nur eine Art, wie ein Hund Blut spenden kann?

Janina: Je nach Klinik oder Praxis gibt es meist zwei Möglichkeiten, wie der Hund Blut spenden kann. Die wohl häufigere Variante ist das spontane Spenden. Dabei ruft der behandelnde Tierarzt im Bedarfsfall an und das Blut wird unmittelbar vor oder sogar während der OP abgenommen und direkt verwendet. Die zweite Variante ist das geplante Spenden. Dabei macht man – vergleichbar wie bei Menschen – einen Termin aus, an dem der Hund spendet. Sein Blut wird dann konserviert und bei Bedarf verwendet. Diese Variante ist eher selten, weil viel Aufwand für die Konservierung betrieben werden muss und viele Kliniken und Tierärzte diese Möglichkeit nicht haben.

Christina: Wie läuft eine Blutspende normalerweise ab?

Janina: Ich kann hier nur vom spontanen Spenden erzählen, weil unsere Klinik dieses Vorgehen anwendet.

  1. Die Klinik hat meine Handynummer und ruft im Bedarfsfall an. Bisher war es immer einen Tag vorher. Dann wird abgefragt, ob man Zeit hat und etwas dagegenspricht, dass Syrinx spenden könnte. Ein „Nein“ wird zu jeder Zeit akzeptiert! Wenn man Zeit hat, wird ein Termin vereinbart, der mit der OP abgestimmt wird. Dabei passt die Klinik für gewöhnlich den OP-Termin den zeitlichen Möglichkeiten des Spenders an.
  2. Zum Termin geht es dann (wenn möglich) nüchtern zur Klinik. Dort wird der Hund abgegeben und eine Blutprobe genommen. Ohne Corona-Pandemie hat der Halter die Möglichkeit, hier noch dabei zu sein. Mit der Blutprobe wird geprüft, ob die Werte in Ordnung sind und der Hund gefahrlos spenden kann.
  3. Passt alles, wird der Spender-Hund leicht sediert (das ist keine Narkose, eher ein „dämmrig machen“) und die Halsvene freirasiert, damit dort das Blut abgenommen werden kann. Über die Halsvene geht es schneller und schonender für den Spenderhund als über die Armvenen.
  4. Nach dem Spenden darf der Hund in Ruhe wieder wach werden und bekommt eine Kochsalz-Infusion, damit der Kreislauf schneller in Schwung kommt und der Blutverlust ausgeglichen wird. 
  5. Während des Wachwerdens wird der Halter informiert, ob alles gut gelaufen ist und wann der Hund wieder abgeholt werden kann.
  6. Bei der Abholung wird dann nochmal geschaut, dass der Hund die Klinik in einem guten Zustand verlässt.
Vizsla nach der Blutspende
Nach der Blutspende bleibt ein kleiner Verband

Christina: Kann jeder Hund Blut spenden? Oder gibt es bestimmte Voraussetzungen?

Janina: Ja, es gibt immer Voraussetzungen für das Blutspenden, die können sich aber von Klinik zu Klinik unterscheiden. In unserer Klinik gibt es folgende Voraussetzungen:

  • Alter zwischen 1,5 und 8 Jahren
  • Körpergewicht von mindestens 20 kg
  • Keine chronischen Erkrankungen
  • Regelmäßiger Impfschutz

Besonders die Vorgabe des Gewichts schwankt je nach Klinik. Je schwerer der Spender, desto mehr Blut kann ihm entnommen werden. Syrinx hat mit ihren 25 kg bisher zum Beispiel immer kleinen Hunden Blut gespendet.

Neben den gesundheitlichen Aspekten sollte jeder Halter auch überlegen, ob es dem eigenen Hund zumutbar ist. Wenn der Hund Probleme mit fremden Menschen oder grundsätzlich mit dem Blutabnehmen hat, kann es sehr viel Stress für ihn bedeuten und die Blutspende sogar unmöglich machen.

Christina: Wie oft kann ein gesunder Hund Blut spenden?

Janina: Grundsätzlich kann ein gesunder Hund 3- bis 4-mal im Jahr Blut spenden. Bei der Blutuntersuchung wird aber immer geprüft, ob genügend rote Blutzellen für eine Spende vorhanden sind.

Christina: Wie viel Blut wird entnommen?

Janina: Die Blutmenge, die entnommen werden kann, hängt vom Gewicht des Spenders ab. Beim Aufklärungsgespräch wurde mir erzählt, dass bis zu einem halben Liter abgenommen werden kann. Beim Vizsla wird es aber aufgrund des Gewichts etwas weniger sein.

Christina: Ich habe gehört, dass es mit dem Vizsla mitunter schwierig sein kann, Blut zu spenden?

Janina: Ganz falsch ist das nicht. Es gibt meines Erachtens zwei wichtige Punkte, die gegen den Vizsla als Spender sprechen können:

Viszlas liegen meist um die Gewichtsgrenze herum, die für das Blutspenden erreicht werden soll. Syrinx ist mit ihren 25 kg (und 63 cm) für eine Hündin sehr groß und viele Vizsla-Rüden erreichen die 20 kg-Grenze ohne Probleme. Aber kleinere und schlankere Rassevertreter können zu leicht für das Blutspenden sein.

Außerdem gehört der Vizsla normalerweise nicht zu den ruhigsten Hunden. Dadurch kann das „Handling“ während der Blutabnahme schwierig sein. Schließlich muss der Vizsla sich vom Klinikpersonal führen, auf den Tisch heben und behandeln lassen (ohne, dass der eigene Mensch dabei ist). Ist der Hund zu aufgedreht, wäre unnötig viel Sedierung nötig, damit gefahrlos Blut entnommen werden kann. Syrinx ist auch nicht gerade ein ruhiger Vertreter ihrer Rasse, aber sie hat Ruhe gelernt und kann sich gut zurücknehmen. Sie hat bisher übrigens noch nie die höchstmögliche Dosis für die Sedierung gebraucht und war immer sehr umgänglich, auch wenn sie nicht 100% stillgestanden hat. Eine Statue muss der Hund zum Blutspenden nicht sein können.  

Christina: Gibt es denn auch Argumente, die für den Vizsla als Blutspender sprechen?

Janina: Vizslas sind ja nicht nur lebhaft und aufgedreht, sondern sehr freundliche und offene Hunde. Dadurch lassen sie sich gut von fremden Personen händeln und erobern dabei schnell die Herzen des Klinikpersonals. Neben dem tollen Charakter ist der Vizsla eine robuste und gesunde Rasse und erfüllt (solange das Gewicht stimmt) sehr oft die Voraussetzungen für das Blutspenden. Zusätzlich hat auch das kurze Fell Vorteile, weil wenig rasiert werden muss und die Venen einfach zu finden sind. 

Christina: Du hast eben schon gesagt, dass Blutspenden Leben retten kann. Gibt es weitere Gründe, aus denen es sich aus Deiner Sicht lohnt, mit seinem Hund Blut zu spenden?

Janina: Ja, klar. Es gibt viele gute Gründe, Blut zu spenden. Da wäre einerseits der gründliche gesundheitliche Check-Up, bevor der Hund in die Spenderkartei aufgenommen wird, die kostenfrei ist. Vor jeder Spende wird nämlich ein „kleines Blutbild“ gemacht. Wie beim Menschen hat die Blutspende also auch beim Hund positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Außerdem – aber das ist für uns völlig nachrangig – gibt es eine finanzielle Aufwandsentschädigung für das Spenden. Bei uns sind es 25 € und das Geld kommt Syrinx immer in Form von Leckerlies oder neuen Spielsachen zugute.

Christina: Gibt es etwas, das man nach dem Blutspenden beachten sollte?

Janina: Wie auch beim Menschen sollte hohe körperliche Belastung am Tag der Blutspende vermieden werden. Durch die leichte Sedierung kann es auch nach dem Abholen noch zu Problemen mit der Koordination, z.B. dem Treppenlaufen, kommen. Wir wohnen im dritten Stock und haben Syrinx bisher nach der Blutspende immer hochgetragen. Nach einer Runde Schlaf konnte sie abends aber wieder alleine laufen. Autofahren war für sie bisher übrigens kein Problem danach.

Der Vizsla nach der Sedierung für die Blutspende
Nach dem Blutspenden sollte man dem Vizsla viel Ruhe gönnen.

Christina: Ihr Lieben, ich danke Euch, dass Ihr zu diesem Thema Aufklärungsarbeit geleistet habt und ich hoffe, dass sich ganz viele Leser weitergehend mit dem Thema beschäftigen und mit ihrem Vizsla eine Blutspende in Erwägung ziehen.

Janina: Ja, das hoffe ich auch. Denn wie toll ist es bitte, wenn der eigene Hund zu einem echten Lebensretter wird?

Ihr möchtet noch mehr über das Blutspenden mit dem Vizsla erfahren und habt Fragen an Janina und ihre Syrinx? Ihr könnt die beiden über ihr Instagramprofil @jani_und_syrinx erreichen. Dort findet Ihr auch ein entsprechendes Story-Highlight mit einem Q&A.

Wie viel Auslastung braucht der Vizsla?

In vielen meiner Blogbeiträge habe ich geschrieben, dass der Vizsla viel körperliche und vor allem geistige Auslastung braucht. Aber was bedeutet das genau? Wie viel Zeit oder Kilometer sind nötig, um den Vizsla rassegerecht auszulasten, wenn er nicht jagdlich geführt wird?

Viel Auslastung ja, aber…

Als Jagdhund hat der Vizsla einen hohen Bewegungsdrang und eine natürliche Ausdauer. Das merkt man schnell, wenn man anderen Hunden begegnet, die nach ausgiebigem Spielen tatsächlich mal müde werden, während sich der eigene Vischel auch nach einer Stunde noch immer völlig unbeeindruckt „vom leichten Aufwärmtraining“ zeigt. Und auch in vielen Fachtexten über den Magyar Vizsla ist immer wieder zu lesen, dass es gerade auf ausreichend Auslauf ankomme, wenn man den Hund nicht jagdlich führt.

Dem kann ich uneingeschränkt zustimmen! Der Vizsla braucht, gerade, wenn er durch jagdliche Aufgaben nicht gefordert wird, ein sehr hohes Maß an Bewegung, das man nicht unterschätzen sollte. Aber – und ja, es gibt ein aber! – hierbei kommt es tatsächlich auf die Art der Auslastung an. Und darauf, diese wohl zu dosieren. Denn zu viel Action und Beschäftigung können beim Vizsla schnell auch zu einer Art Überforderung umschlagen, die sich dann in einer noch höheren Reizempfindlichkeit und der rassetypischen „Hibbeligkeit“ äußern.

Warum zu viel Auslastung beim Vizsla ins Gegenteil umschlagen kann

Doch wie viel Bewegung ist denn nun ausreichend? Und wie viel Zeit kostet mich der tägliche Auslauf eines Vizslas? Diese Fragen bekomme ich häufig von Menschen gestellt, die sich gerade überlegen, einen Vischel anzuschaffen. Noch bevor ich antworten kann, wird mir dann schon ein umfangreiches Sportprogramm präsentiert, das Hund und Mensch gemeinsam absolvieren wollen: Joggen und Radfahren, Mantrailing, Agility, dann noch große Wanderungen am Wochenende und Spielen mit den Nachbarshunden im Garten. Klingt erstmal fantastisch! Und ich kann versichern: Rein konditionell würde der Vizsla bei all diesen Aktivitäten eine wunderbare Figur machen.

Doch die tägliche Praxis sieht anders aus! Auch ich hatte am Anfang große Pläne, was ich denn alles mit meinem Hund erleben und ausprobieren möchte. Schnell genug wurde ich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Denn was ein Vizsla in erster Linie braucht, ist ein konsequenter Wechsel zwischen Aktivität und Ruhephasen. Denn mit zu viel Bewegung züchtet man sich selbst einen Bewegungsjunkie heran, der massive Probleme haben wird, einfach mal entspannt im Körbchen zu liegen und zu schlafen.

Und genau das muss ein Vizsla können! Im Idealfall ist es sogar so, dass Euer Hund irgendwann genau weiß, dass er draußen mit Euch Action und Abenteuer bekommt, er im Haus aber einfach nur ausruhen und schlafen kann – und das gerne auch für mehrere Stunden. Ich kann Euch versichern: Vizslas können mitunter echte Schlafmützen sein, die auch mal einen kompletten Nachmittag zufrieden im Körbchen dösen.

Der Vizsla braucht Ruhephasen und muss Ruhe lernen

Was bedeutet „richtige Auslastung“ beim Vizsla?

Genau wie bei vielen anderen Themen gibt es auch auf die Frage der Auslastung keine richtige Antwort. Jeder Hund ist individuell und hat unterschiedliche Bedürfnisse. Da ich aber über die Sozialen Netzwerke einen regelmäßigen Austausch mit vielen anderen Besitzern pflege, die es ähnlich handhaben wie ich, sind die folgenden Schilderungen sicherlich ein guter Richtwert, der allerdings keinerlei Anspruch auf universelle Richtigkeit erhebt:

Unter der Woche startet unser Tag mit einem ausgedehnten Spaziergang von etwa 45 bis 60 Minuten. Da ich ein notorischer „Schnellgeher“ bin, legen wir in dieser Zeit meistens eine Distanz von etwa 4-5 km zurück. Dabei sind wir immer im Wald unterwegs und Bayard darf die meiste Zeit ohne Leine laufen. Das haben wir uns hart erarbeitet: Mit Schleppleine und Rückruftraining haben wir einen angemessenen Radius trainiert, bei dem Bayard nie die Wege verlässt, sondern immer mit ein paar Metern Entfernung vor mir weg läuft.

Bei den Morgenrunden gibt es für gewöhnlich kein zusätzliches Programm. Hin und wieder darf Bayard mal Leckerlis suchen, die ich für ihn verstecke oder ich werfe ein paar Tannenzapfen, denen er ohne Apportbefehl hinterherlaufen kann.

Zuhause angekommen, bekommt er sein Fressen und schläft dann bis mittags. Als Home-Office-Hund hat er sich an genau diesen Ablauf gewöhnt. Mittags geht es dann für eine kurze Runde von 15 Minuten in den Wald zum Lösen. Hier toben wir oft ein wenig gemeinsam oder er kann ein paar Stöcke apportieren. Aber auch das ist nicht die Regel. Denn ich befolge hier den Ansatz unseres Trainers, der immer propagiert hat, für seinen Hund nicht vorhersehbar zu werden.

Abends, das heißt am späten Nachmittag, gibt es dann den längsten Spaziergang des Tages. Hier sind wir immer mindestens eine Stunde draußen und ich versuche diese Runden abwechslungsreich zu gestalten, was nicht bedeutet, dass es hier jeden Tag einen anderen Programmpunkt gibt. Viel mehr überlege ich mir an etwa 2-3 Tagen pro Woche ein „Highlight“: Dummytraining, Mantrailing oder Fährtenarbeit.

Training gezielt einsetzen

Nicht nur, dass Bayard unglaubliche Freude daran hat, seine Nase konzentriert einsetzen zu müssen, diese Art der Beschäftigung fördert auch seinen Gehorsam. Denn oft genug muss er im Sitz oder Platz ausharren und – im Sinne der Frustrationstoleranz – warten, bis ich den Dummy für einen Apport freigebe. Übrigens: Solche Übungen dauern nicht den ganzen Spaziergang. Ich achte darauf, dass wir unsere Runde ruhig und ohne Aufregung abschließen. Gerne mit ein wenig Training der Leinenführigkeit, um den aufgedrehten Vizsla nach der Nasenarbeit wieder „runterzufahren“.

Trainingseinheiten streue ich übrigens auch immer mal wieder ein: Rückruf, Sitz-Bleib sowie Platz-Bleib (mit und ohne Sichtkontakt) oder Leinenführigkeit werden bei uns regelmäßig geübt. Denn auch solche Übungen beanspruchen den Kopf und sorgen für eine entsprechende Auslastung.

Am Wochenende sind unsere Runden dann meist länger, wir joggen gemeinsam oder verabreden uns mit anderen Hunden zu Spaziergängen. Richtiges Balgen und Rennen unter Artgenossen kann nämlich durch kein Training der Welt ersetzt werden!

Wie ich das richtige Maß gefunden habe

Mein bisheriger Beitrag mag sich so lesen, als folge jeder unserer Spaziergänge einem bestimmten Plan. Dem ist aber nicht so! Die beschriebene Routine hat sich für mich, als Vollzeit-arbeitende, alleinerziehende Vizsla-Mama, als händelbar und praxistauglich erwiesen. Und ich merke an meinem Hund, dass er ausgeglichen und zufrieden ist, was für mich oberste Priorität hat.

Nichtsdestoweniger gibt es auch Tage, an denen ich beruflich stark eingespannt, krank oder angeschlagen bin oder an denen das Wetter so extrem schlecht ist, dass der Vischel selbst keine Lust auf große Runden hat. Dann reichen auch mal nur drei kurze Spaziergänge, ohne dass mein Hund vor Frust irgendeinen Blödsinn anstellt. Viel eher bin ich sogar dafür, dass auch Ruhetage mal sein müssen und ein gesunder Vizsla das auch ohne Verhaltensauffälligkeit „wegstecken“ sollte.

Übrigens: Wenn die Hundeschulen nach Corona wieder geöffnet haben, möchte ich mit Bayard gerne einen Obedience-Kurs absolvieren. Die Welpen- und Junghundkurse haben wir alle hinter uns gebracht, ich möchte aber weiterhin gemeinsam mit ihm arbeiten und meine Führung regelmäßig durch einen Profi überprüfen lassen. Außerdem hat es mir schon immer großen Spaß gemacht, mit meinem Hund zusammen Dinge zu erarbeiten. Doch auch hier gilt: Wenn wir wieder intensiver im Training sind, wird das actionreiche Programm an anderen Stellen runtergefahren. Denn auch bei der Auslastung des Vizslas gilt: Auf das richtige Maß kommt es an!

Mich würde aber interessieren, wie Ihr Euren Vizsla auslastet? Und wie lange und häufig Ihr unterwegs seid? Ich fände es unglaublich spannend, Eure Erfahrungsberichte zu hören.

Der Vizsla als Welpe – Ein persönlicher Erfahrungsbericht

In meinem früheren Blogbeitrag zum Boxentraining beim Vizsla habe ich ja schon beschrieben, dass die Welpenzeit für mich eher Leid als Freud war. Heute weiß ich, dass es nicht nur mir so ging, sondern der Vizsla als Welpe für die meisten Menschen eine Herausforderung ist. Da mich in der letzten Zeit immer wieder Fragen und Geschichten von überforderten Vizslawelpen-Besitzern erreichen, werde ich Euch noch einmal ausführlicher von meinen Erfahrungen berichten.

Bitte beachtet:

Bevor es aber losgeht, möchte ich betonen, dass die folgenden Schilderungen nur meine ganz persönlichen Erlebnisse widerspiegeln. Sie sollen Euch ein möglichst authentisches Bild vermitteln, wie die ersten Wochen mit einem Vizslawelpen ablaufen können. Wohlbemerkt: Können! Denn so muss es natürlich nicht sein. Jeder Hund ist, ebenso wie seine Besitzer, individuell.

Aber mir hätte es in der damaligen Situation geholfen, wenn ich gewusst hätte, dass Bayard kein aufgedrehter Einzelfall ist. Und so soll Euch mein Blogbeitrag in erster Linie Mut machen!

Die ersten Tage

Als wir Bayard damals von seiner Mutter abholten, ahnte ich noch nicht, dass die aufreibendsten und nervenzehrendsten Wochen meines Lebens vor mir liegen. Denn auf der knapp zweistündigen Autofahrt schlief das kleine zimtfarbene Bündel fast die ganze Zeit und meine Annahme war natürlich, dass es so sicher weitergehen würde. Zuhause angekommen, erkundete das tapsige Hundchen dann erstmal seine neue Umgebung.

Hier stellte sich bereits heraus, dass es eine gute Entscheidung war, den Zugang zu gewissen Bereichen (z.B. der Garderobe mit den Schuhen) durch ein Kindergitter versperrt zu haben. Denn die Neugier des kleinen Rackers kannte keine Grenzen. Er rannte durch das Haus, sprang sofort auf das Sofa und probierte an diversen Möbelstücken seine haifischscharfen Zähnchen aus.

Natürlich vermutete ich hier zuerst Aufregung. Schließlich war alles neu und der Kleine musste sich erstmal an alles gewöhnen. Wenn er sich ausgepowert hätte, würde er schon ruhiger werden.

Aber nichts da! Relativ schnell zeigte sich, dass Bayard alles tat, nur nicht zur Ruhe zu kommen. Geschweige denn zu schlafen. Und selbst wenn er dann mal friedlich eingeschlummert war, reichte eine minimale Bewegung oder ein kleines Geräusch und er sprang auf und wirbelte wieder im Haus umher.

Nichts war vor ihm und seinen Zähnen sicher. Alles was herumlag, herumstand oder in für ihn greifbarer Nähe war, wurde angeknabbert oder einmal quer durchs Haus geschleift. Sein konstantes Aktivitätslevel war auch nach Spaziergängen oder ausgiebigen Spielrunden nicht in den Griff zu bekommen.

Haushalt? Einkäufe? Oder einfach mal eine ausgiebige Dusche? Daran war für mich so gar nicht zu denken! Ich hatte mir vorsorglich zwar etwas mehr als zwei Wochen auf der Arbeit frei genommen, um den Vizslawelpen in den ersten Tagen wirklich intensiv betreuen zu können – aber schon nach kurzer Zeit schwante mir, dass diese Zeit nicht annähernd ausreichen würde.

Der Vizsla als Welpe ist unruhig und will nicht schlafen
Schlafen war für mich meistens nur zusammen mit Bayard möglich.

Die ersten Zweifel

Und dann kam sie. Die große „Welpendepression“ (davon berichtet auch Tobi in seinem Blogbeitrag zu den ersten Wochen mit seinem Vischel. Nach mehreren Tagen ohne Schlaf und ständiger Aufregung, was der Vizsla nun wieder angestellt haben könnte, verfestigte sich in mir eine große Unsicherheit.

Hatte ich mich mit dem Wunsch nach einem eigenen Vizsla Welpen übernommen? War ich dem überhaupt gewachsen?

An dieser Stelle gebe ich offen zu, dass durchaus die ein oder andere Träne geflossen ist. Vor Müdigkeit. Vor Sorge. Vor Verzweiflung.

Doch anstatt mich bereits zu diesem Zeitpunkt an einen erfahrenen Trainer zu wenden, der mir hätte weiterhelfen und versichern können, dass ich mit genau diesen Gefühlen nicht alleine bin, schlussfolgerte ich für mich: Du machst alles falsch! Vor allem lastest Du Deinen Hund offenbar nicht richtig aus. Sonst würde er ja mehr schlafen. Und nicht so aufgedreht sein und so viel Blödsinn anstellen.

Heute weiß ich, dass genau diese Schlussfolgerung falsch und der Grundstein für eine Vielzahl weiterer Probleme war.

Die ersten falschen Entscheidungen

Mir kam nicht in den Sinn, dass auch der kleine Vischel völlig übermüdet, überfordert und daher aufgedreht und wie von Sinnen war. Sondern war überzeugt, dass es an zu wenig Auslastung liegen musste.

Ich ging also dazu über, die Gassirunden auszudehnen, das Training anspruchsvoller zu gestalten und auch im Haus immer ausgiebig mit ihm zu spielen. Das Resultat: Ein noch aufgedrehterer Vischel, der gar nicht mehr zur Ruhe kam, massive Probleme hatte, entspannt im Körbchen zu liegen und nicht ständig voll Anspannung auf die nächste Ablenkung zu warten.

Irgendwann ging es dann einfach nicht mehr. Ich musste wieder Vollzeit arbeiten, der kleine LSD-Vischel war in der Betreuung aber niemandem zuzumuten. Und ich selbst war es auch nicht (mehr): Augenringe bis zum Kinn, zerkratzte und zerbissene Hände und ständig nur aufs Nötigste zurecht gemacht. Sei es, weil Bayard mir mal wieder keine Zeit für ein ausgedehntes Styling gelassen hatte oder ich ohnehin nur noch in alten Klamotten herumlief, da auch meine Anziehsachen nicht vor den Bissattacken des Welpen sicher waren. (Meinem Plisseerock trauere ich bis heute nach!)

Der erste Hoffnungsschimmer

Es musste etwas passieren und ich suchte dann doch Rat bei einer Trainerin. Die kam zu drei Einzelterminen zu uns nach Hause und genau das würde ich jedem empfehlen: Lasst einen Experten die individuelle Situation bei Euch überprüfen! Es gibt so viele Faktoren, die dazu führen können, dass ein Vizsla Welpe aufgedreht und unruhig ist.

Während es in unserem Fall eine Überforderung und Reizüberflutung war, die ich dem kleinen Kerl zugemutet hatte, habe ich von anderen Vizsla-Eltern beispielsweise erfahren, dass ihr Welpe das falsche Futter bekommen hatte und wegen andauerndem Hunger einfach aufgedreht war.

Aber auch ein ungünstiger Standort des Körbchens oder einfach nur Eure eigene Unsicherheit und Nervosität können sich negativ auf das Verhalten Eures Welpen auswirken.

Unsere Rettung war dann tatsächlich ein konsequentes Boxentraining, durch das Bayard buchstäblich lernen musste, zur Ruhe zu kommen und zu schlafen. Aber auch das ist kein Allheilmittel. Denn in erster Linie war ich es, die etwas verstehen und lernen musste:

Erste Einsichten

Ein Vizsla Welpe ist nichts anderes als ein Baby! Ein Wesen, das Eure volle Aufmerksamkeit, Liebe und Euer Verständnis benötigt.

Bitte versteht, dass Euer kleiner Vischel nichts, aber auch wirklich gar nichts, aus böser Absicht tut, sondern mit seinem Verhalten einfach nur seinen Bedürfnissen Ausdruck verleiht. Ihr als Besitzer seid gefragt, dieses Verhalten zu lesen und darauf sensibel zu reagieren.

Das heißt natürlich nicht, dass Ihr nicht auch schon in den ersten Tagen und Wochen mit Konsequenz reagieren und ihm keine Regeln aufzeigen solltet. Viel mehr meine ich, Euch auf die Bedürfnisse Eures kleinen Hundes einzulassen und ihm die Welt so zu zeigen, dass er sie versteht.  

Er zerbeißt für Euch wertvolle Gegenstände? Bietet ihm eine Alternative, an der er sein natürliches Kaubedürfnis stillen darf! Eure Hände sollen vorzeigbar bleiben? Zieht Euch beim Toben einfach ein paar dicke Handschuhe an! Ihr wollt nicht, dass er in bestimmte Räume geht? Sperrt den Zugang z.B. durch ein Gitter ab.

Auch weiß der Vischel nicht, dass Ruhe und Schlaf für ihn wichtig sind. Und er wird – wie auch jedes Menschenkind – sicher meckern, wenn dann doch mal Schlafenszeit ist. Aber hier heißt es: Durchsetzen! Zeigt Eurem Vizsla, dass Ihr als Rudelführer die für ihn besten Entscheidungen trefft.

Aus meiner Sicht aber am wichtigsten: Sucht den Fehler nicht bei Eurem Hund! Ihr seid es, die sein Verhalten mit konsequenter Erziehung und einer bedürfnisorientierten Sensibilität in die richtige Richtung lenkt. Wartet nicht, bis sich Verzweiflung und möglicherweise Wut bis ins Unermessliche gesteigert haben, sondern nehmt frühzeitig die Hilfe erfahrener Profis in Anspruch.

Dann kann auch Eure Welpenzeit mit dem Vizsla zu einer echten Freudenzeit werden!