Schleppleine beim Vizsla: Praktischer Helfer oder überflüssiges Accessoire?

Die Schleppleine – für eine ganze Zeit war sie mein schlimmster Albtraum. Mittlerweile möchte ich sie bei der Arbeit mit meinem Vizsla-Rüden nicht mehr missen. Und sie ist zum Standard-Repertoire bei fast jedem Spaziergang geworden. Wieso? Das verrate ich Euch in diesem Blogbeitrag. Und erzähle Euch auch, wieso ich sie gerne schon sehr viel früher für mich entdeckt hätte.

Schleppleine beim Vizsla? Nein danke!

Fangen wir ganz vorne an: Als ich Bayard bekam, gab es die ersten Wochen nur das Geschirr und eine normale Leine. Im Wald habe ich den Welpen dann gerne abgeleint, ihn ein paar Meter vorlaufen lassen, ihn zu mir gerufen und ihn gelobt, wenn er angelaufen kam. Das alles in dem Glauben, dass ich so einerseits die Bindung zu mir stärke, andererseits automatisch den Rückruf trainiere.

Gleichzeitig war ich die ersten Monate als Vizsla-Mama davon überzeugt, dass ich meinen jungen Jagdhund nur durch intensiven Auslauf richtig auslaste. Und Auslauf habe ich dabei leider häufig mit Freilauf gleichgesetzt. Das Wörtchen „leider“ verrät an dieser Stelle schon, dass ich meine damalige Entscheidung heutzutage durchaus anders sehe und – sollte es jemals einen zweiten Hund geben – auch definitiv anders machen würde.

Vizsla mit Schleppleine beim Spaziergang
Durch die Schleppleine lässt sich der Radius des Hundes gut kontrollieren.

Und die Schleppleine? Die war zu dem Zeitpunkt so gar kein Thema. Ständig habe ich mich verheddert, hatte durch Nässe und Schmutz dreckige Hände und Klamotten oder war angespannt damit beschäftigt, das lange Seil auf- und wieder abzurollen. Und warum dann keine kurze Leine? Da der Vischel-Welpe bis zu seinem ersten Lebensjahr einfach noch nicht richtig leinenführig war, habe ich es mir mit dem Freilauf zugegebenermaßen oft auch „leicht“ gemacht und die Leinenführigkeit nur auf ganz bestimmten Passagen oder eben in der Hundeschule trainiert.

Der unkontrollierte Freilauf: Anfang vieler Probleme

Das rächte sich schnell und ich zahlte das „Lehrgeld“ für diese Entscheidung. Dadurch, dass Bayard im Wald fast immer freilaufen durfte, setzte er die Spaziergänge verständlicherweise mit „Freiheit“ und „Action“ gleich. Zwar blieb er immer auf den Wegen, da ich ihn vom ersten Tag an korrigierte, wenn er diese verließ, aber seine Aufmerksamkeit war trotzdem nicht immer bei mir. So kam es dann auch, dass längst nicht jeder Rückruf saß. Gerade, wenn uns andere Menschen oder Hunde entgegenkamen, denen Bayard unbedingt „Hallo“ sagen wollte, gab es den ein oder anderen Fall, bei dem er mich und mein Rufen einfach ignorierte.

Training mit Schleppleine beim Vizsla
Volle Aufmerksamkeit! Schleppleine sei Dank.

Verständlicherweise waren die anderen Hundebesitzer wenig angetan. Und ich selbst blockiere heutzutage freilaufende Hunde rigoros, wenn sie Kontakt mit Bayard aufnehmen wollen, wenn er angeleint ist. 

Meine Konsequenz auf dieses Verhalten meines Vizslas war allerdings nicht, seine Freiheit sofort und dauerhaft in Form einer Leine einzuschränken, damit er sich mein Vertrauen zurückverdient. Sondern eher Wege zu meiden, auf denen uns Hunde hätten begegnen können oder aber angespannt durch den Wald zu laufen, damit ich jeden Hund oder Spaziergänger nur ja vor meinem Vizsla wahrnehme.

Die Folge? Ich stand unter Dauerstrom, übertrug diese Nervosität auf meinen Vizsla, der dann wiederum noch aufgedrehter und unaufmerksamer wurde. Ein Teufelskreis!

Das Umdenken

Durch die Zusammenarbeit mit unseren Trainern und Gesprächen mit vielen anderen Vizsla-Besitzern, erkannte ich dann schnell, dass der Freilauf kein Dauerrecht des Hundes sein sollte, sondern ein Privileg. Und zwar eines, das sich der Hund durch positives Verhalten verdienen muss. Das heißt: Der Vizsla sollte erst von der Schleppleine oder sogar von der kurzen Leine in den Freilauf geschickt werden, wenn Bindung, Aufmerksamkeit und Rückruf zu 100 % sitzen. Und das dauert!

Dementsprechend würde ich meinen Vizsla-Welpen heutzutage ganz konsequent nur an der Schleppleine führen – und das vielleicht sogar für das gesamte erste Jahr. Den Radius einer solchen Leine kann man dann sukzessive ausweiten (Ein Glück gibt es Schleppleinen ja in so ziemlich jeder denkbaren Länge!), bis man sie wirklich nur noch in bestimmten Situationen braucht.

Vizsla an der Schleppleine bei der Nasenarbeit
Bayard arbeitet wieder mehr mit der Nase, wenn er an der Schleppleine ist.

Für mich war ein besonders großer Aha-Effekt auch die Frage der Auslastung. Wie gesagt, lief ich ja in dem festen Glauben durch die Welt, dass ich meinen Vizsla nur durch Freilauf auslaste. Heute weiß ich: Absoluter Unsinn! Gerade das „Fuß laufen“ an der Leine und die ständige Orientierung am Hundeführer erfordern beim Hund größte Konzentration – speziell in der Anfangs- bzw. Trainingsphase. Und auch das lastet natürlich aus. Zudem habe ich gemerkt, dass Bayard nicht weniger müde ist, wenn wir unsere langen Spaziergänge an der Schleppleine machen. Im Gegenteil: Er ist viel konzentrierter und arbeitet mehr mit seiner Nase. Eine Aktivität, die ja ebenfalls für Auslastung sorgt.

Wie wir die Schleppleine heute nutzen

Mittlerweile ist die Schleppleine zu meiner Lieblingsleine geworden. Sie ist für mich ein praktisches „All-in-One“-Gerät, das Bayard ausreichend Radius zum Laufen und Schnüffeln schenkt, gleichzeitig aber auch kurzerhand so umfunktioniert werden kann, dass mein Vischel bei mir und bei Fuß läuft.

Auch das Problem der nassen, schmutzigen Hände haben wir gelöst, indem ich mich für eine Schleppe aus Biothane entschieden habe. Dieses Material besteht einem Strukturgewebe mit Kunststoffummantelung. Schmutz und Nässe perlen daran einfach ab und bei extremer Verschmutzung reicht es, die Leine kurz mit einem feuchten Lappen zu reinigen.

Die Schleppleine setze ich gerne dann ein, wenn ich „Ruhe“ in den Spaziergang bringen möchte, beispielsweise nach einem aufregenden Tag für Bayard. Oder wenn ich merke, dass entweder Bayard oder ich unkonzentriert sind, hilft uns die Leine, dass keine „Fehler“ passieren. Immerhin bin ich als Hundehalterin dafür verantwortlich, dass mein Vischel nicht zu anderen Hunden oder Spaziergängern läuft. Wenn ich das im Freilauf nicht garantieren kann, – auch weil ich als Führer gerade mit den Gedanken woanders bin und nicht schnell genug reagiere – ist die Schleppleine super geeignet, um dies auszugleichen.

Ihr seht: Mittlerweile bin ich ein absoluter Fan meiner Schleppe. Geht es Euch auch so? Oder welche Leinen nutzt Ihr bevorzugt? Ich freue mich auf Eure Kommentare!

Kann der Vizsla alleine bleiben?

Mittlerweile bekomme ich von Euch regelmäßig Nachrichten über meinen Blog oder meinen Instagram-Account. Und zwei der am häufigsten gestellten Fragen sind, ob der Vizsla gut alleine bleiben kann und wie wir das Alleinebleiben trainiert haben. Beides möchte ich im folgenden Blogbeitrag beantworten.

Der Vizsla kann wegen seiner Anhänglichkeit nicht alleine bleiben?

Besonders bei angehenden oder neuen Vischel-Besitzern scheint Verunsicherung darüber zu herrschen, ob und wie lange die Hunde alleine bleiben können. Dabei ist es wohl nicht nur eine generelle Frage, inwiefern ein Welpe Zeit alleine verbringen kann, sondern die Verwirrung hat offenbar mit dem Verständnis der Rasse Magyar Vizsla als solches zu tun. Doch wieso eigentlich?

In vielen Charakterbeschreibungen werden unsere Vischels als besonders menschenbezogen, anhänglich und nähebedürftig vorgestellt. Im englischen Sprachraum hat sich hierfür sogar der Begriff „velcro dog“ etabliert. Das legt die Vermutung nahe, dass Vizslas aufgrund ihres Wesens Probleme damit hätten, von ihrem Menschen getrennt zu sein. Ich kann bestätigen, dass all die oben genannten Eigenschaften auf den Vizsla zutreffen und ich das Gefühl habe, dass Bayard immer dann am glücklichsten ist, wenn er überall dabei sein darf. Nichtsdestoweniger bedeuten Anhänglichkeit und Nähebedürfnis nicht, dass der Vizsla – im Gegensatz zu anderen Rassen – größere Probleme damit hätte, alleine zu bleiben. Doch, und hier kommt die berühmte Einschränkung, ist den Hunden diese Fähigkeit nicht „angeboren“, sondern muss kontinuierlich und von Beginn an trainiert werden.

Das Alleinebleiben muss beim Vizsla trainiert werden

Ob ein Hund alleine bleiben kann oder nicht, ist keine Frage der Rasse. Sondern hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. So hat ein müder, ausgelasteter Hund nach einem langen Spaziergang sicher weniger Probleme, für ein paar Stunden alleine in seinem Körbchen zu schlafen als einer, der gerade ein dringendes Bedürfnis hat. Und natürlich spielen auch die Umgebung und Geräuschkulisse eine Rolle. Es gibt viele Hunde, die in unbekannten Situationen schlechter zur Ruhe kommen und beispielsweise alleine im Hotelzimmer herzzerreißend weinen, während sie im eigenen Zuhause nie Probleme mit dem Alleinsein haben.

Daher gilt: Das Alleinesein muss trainiert werden – und das am besten sowohl in vertrauter als auch unbekannter Umgebung! Doch wie gelingt es, das Alleinesein beim Vizsla zu üben?

So trainiert Ihr beim Vizsla das Alleinebleiben

Nachdem sich Bayard ein paar Tage eingewöhnt hatte, haben wir ja bereits mit dem Boxentraining angefangen. Den Erfahrungsbericht dazu findet Ihr hier. Dabei sollte der kleine Vizsla vor allem lernen, dass er in der Box zur Ruhe kommen und schlafen kann, weil dort keinerlei Action oder sonstige Ablenkung auf ihn wartet.

Dadurch haben wir die Box automatisch als seinen Ruheplatz etabliert, was auch beim Training für das Alleinebleiben extrem hilfreich war. Denn sobald er die Box akzeptiert hatte und nicht mehr jammerte, sobald er dort hineingeschickt wurde, dauerte es meistens keine halbe Minute, bis er sich hinlegte und schlief. Somit war es dann ein Leichtes, das Haus zu verlassen und wiederzukommen, da Bayard ohnehin im Reich der Träume verweilte. 

Am Anfang bin ich natürlich nur minutenweise aus dem Haus gegangen, um beispielsweise den Müll nach draußen zu bringen. Nachdem ich merkte, dass er meine Abwesenheit meistens nicht einmal bemerkte, habe ich die Intervalle langsam ausgeweitet und war dann zuerst 15, dann 30 und nach einigen Tagen sogar eine komplette Stunde zum Einkaufen unterwegs.

Ich weiß noch, wie aufgeregt ich durch den Supermarkt gehetzt bin, nur um dann zu Hause einen noch immer tief schlafenden Welpen vorzufinden.

Selbstverständlich wurde Bayard nur dann in die Box geschickt, wenn er getrunken, gefressen und sich kurz vorher gelöst bzw. draußen getobt hatte. So war der kleine Hund ausgelastet und zufrieden und musste gar nicht erst jammern, sondern konnte „beruhigt“ schlafen.

Ein weiterer Vorteil der Box ist auch, dass der Welpe natürlicherweise nicht „seine Höhle“ beschmutzen will und meistens klangvoll Bescheid gibt, wenn er mal muss. So hat das Schlafen in der Box ebenfalls dabei geholfen, nachts wachzuwerden, wenn er sich meldete und nach draußen musste. Und ich konnte dadurch relativ gut die Zeit abschätzen, die Bayards Darm und Blase aushalten, um das Alleinesein auch daran anzupassen.

Alleinebleiben ohne Boxentraining

Natürlich kann man mit dem Vizsla auch ohne Box das Alleinebleiben üben. Das Boxentraining erleichtert es aus den oben genannten Gründen aber enorm.

Ohne Box würdet Ihr den Welpen bestenfalls auf seine Decke schicken und das Haus dann zunächst für wenige Minuten verlassen. Sobald Ihr wiederkommt und Euer Vischel ruhig auf seiner Decke liegt, kann man dies belohnen.

Von dieser Methode halte ich persönlich nicht so viel, da sie dem Weggehen und Wiederkommen zu viel Aufmerksamkeit schenkt. Da Vizslas ohnehin sehr reizsensibel sind, kann ein solches Belohnungsverhalten auch dazu führen, dass der Hund unruhig darauf lauert, bei Eurer Rückkehr belohnt zu werden. Und weil die Ungeduld beim Vizsla häufig durch Jaulen oder andere Geräusche unterstützt wird (Ja, Vischels sind was das angeht sehr lautstarke Drama-Queens), „züchtet“ man sich so im Zweifel einen Hund heran, der genau eines nicht kann: Ruhig, entspannt und vor allem leise alleine zu bleiben.

Fazit: Alleinebleiben beim Vizsla

Mit entsprechendem Training kann der Vizsla nicht weniger gut oder schlecht alleine bleiben wie andere Hunderassen. Ein gut aufgebautes Boxentraining unterstützt Euch dabei, das Alleinesein mit Eurem Welpen zu üben. Zusätzliche Belohnungen sind aus meiner Sicht nicht erforderlich oder können mitunter kontraproduktiv sein, da Vizslas ihre Ungeduld häufig klangvoll zum Ausdruck bringen und wir uns ja keinen Hund wünschen, der während unserer Abwesenheit jault, weil er auf ein Leckerli wartet.

Wie habt Ihr das Alleinebleiben trainiert? Und wie lange können Eure Vizslas alleine sein? Ich würde mich über Eure Kommentare und Erfahrungsberichte freuen!

Ruheübung für den Vizsla beim Spaziergang

Wie viele andere Jagdhundrassen neigt auch der Vizsla zu Unruhe und Anspannung. Besonders in reizintensiven Umgebungen wie auf einem Spaziergang ist ein entspanntes Ablegen oft eine große Herausforderung. Kleinste Geräusche und Bewegungen reichen aus, damit der Vizsla aus seiner Ruhe gerissen wird. Mithilfe eines speziellen „Calm down“-Trainings habe ich das mit Bayard geübt und sehr positive Effekte erzielt, die sich auch im Alltag sinnvoll einsetzen lassen. Wie genau ich dabei vorgegangen bin, möchte ich in meinem heutigen Beitrag erläutern.

Eine gesunde Mischung aus Action und Ruhe

Während ich durch ein konsequentes Boxentraining etabliert habe, dass Bayard in der Wohnung schläft und ruht, weiß er auch, dass ihn auf unseren Spaziergängen meistens Action erwartet: Dummytraining, Fährtensuche, Mantrailing oder Canicross – unsere Routine sieht regelmäßige körperliche und geistige Auslastung vor. Nichtsdestoweniger gibt es genügend Spaziergänge, auf denen nichts passiert. Bayard darf dann einfach frei laufen und schnüffeln. Gerade nach Tagen mit entsprechenden Trainingseinheiten folgt normalerweise immer mindestens ein Tag, an dem ich die Outdooraktivitäten auf ein Minimum zurückfahre. Ebenso nach Tagen, in denen er in der Hundetagesstätte oder in der Hundeschule war.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Bayard diese „Regenerationstage“ ebenso braucht, wie Action und Auslastung. Er schläft dann viel und ich merke, dass er in dieser Zeit wieder runterfährt und alle Eindrücke in Ruhe verarbeitet.

Wieso Ruhe auf Spaziergängen für den Vizsla wichtig ist

Natürlich weiß ich auch, wie sich ein aufgedrehter und reizüberfluteter Vizsla verhält. Und es war damals meine Schuld, dass es so weit gekommen ist. Denn gerade am Anfang habe ich nicht erkannt, dass zu viel Auslastung das genaue Gegenteil bewirkt und den Vizsla nicht etwa ruhiger und ausgeglichener werden lässt. Vielmehr erlebte ich einen Hund, der ständig angespannt war und sich nicht auf den eigentlichen Spaziergang – geschweige denn auf mich – konzentrieren konnte. Er verwandelte sich in einen aufgedrehten „Hanns Guck-in-die-Luft“, der mit seinen Gedanken und Sinnen überall war. Nur nicht bei mir!

So funktionierte in solchen Situationen der Rückruf meist schlechter, Bayard weitete seinen Radius zu sehr aus oder verließ die Wege – was bei uns sonst ein No-Go ist. Als Reaktion landete er dann oft an der Leine, was für mich der einzige Weg war, ihn wieder in die Konzentration zu holen. Entspannt war das für niemanden. Und am wenigsten für ihn.

Ruheübung nach Anton Fichtlmeier

In meinem Bestreben, die Spaziergänge für beide Seiten entspannter zu gestalten, stieß ich dann auf die Ausbildungsmethoden von Anton Fichtlmeier, dem Experten für Jagdhunde wie Vizsla oder Weimaraner. In seinem Buch „Der Hund an der Leine“ erklärt er, wie er über eine Ruhe-Übung als Grundlage für die Leinenführigkeit etabliert.

Dazu wird die Leine als ein passives Signal auf den Boden gelegt und mit einem Fuß fixiert. Hat der Mensch diese Position eingenommen, wird der Hund ignoriert. Es gibt keine Ansprache, keine Kommunikation (auch nonverbaler Natur) und keine Aufmerksamkeit. Anfänglich wird der Hund vermutlich versuchen, sich aus der für ihn begrenzenden Situation zu lösen – gerade wenn die Umgebung doch so viel spannender ist. Nach Fichtlmeier heißt es nun: Durchalten und jedes Ziehen, Winseln oder Bellen ignorieren. Er empfiehlt, die Übung zunächst im Garten zu trainieren und sich dabei hinzusetzen und sich mit etwas Anderem zu beschäftigen.

Nach dem Prinzip „Ruhe löst Ruhe aus“ wird auch der Vizsla schnell begreifen, dass es für ihn am meisten Sinn macht, sich in dieser Situation einfach zu entspannen. Und er wird das Signal „Leine auf dem Boden“ automatisch damit verknüpfen. Im Idealfall nimmt der Hund irgendwann automatisch eine entspannte, ruhende Haltung ein, sobald die Leine auf den Boden gelegt wird.

Ich finde, die Übung eignet sich also nicht nur, um „Ruhe zu lernen“, sie kann später auch bei Restaurantbesuchen oder beispielsweise beim Dummytraining angewendet werden. Voraussetzung ist natürlich eine regelmäßige Wiederholung bis das passive Signal wirklich sitzt.

Calm down beim Spaziergang

Ich habe die Ruhe-Übung nach Anton Fichtlmeier sofort draußen beim Spaziergang ausprobiert. Allerdings an einer wirklich reizarmen Stelle und zu einer Tageszeit, an der ich ohne Zeitdruck war. Ich merke nämlich immer wieder, dass sich meine eigene innere Unruhe und der ständige Blick auf die Uhr direkt auf Bayards Verhalten auswirken. Was das angeht, sind unsere Vischels einfach zu intelligent und sensibel. 😉

Ich habe mich also auf eine Bank gesetzt, den Fuß auf die Leine gestellt und Bayard ins „Platz“ gelegt. Ganz typisch für ihn diskutierte er am Anfang viel: Löste sich immer wieder aus dem Platz, „meckerte“ und kaute aus reiner Frustration auf Stöcken und Blättern herum, die in seiner Nähe lagen.

Vizsla streubt sich gegen Ruheübung beim Spaziergang
Zu Beginn wollte Bayard nicht liegen bleiben und “diskutierte” viel.

Ich habe ihn ruhig und bestimmt immer wieder korrigiert und ins Platz gelegt, denn er darf sich aus einem solchen Kommando nicht von selbst lösen. Seine sonstigen Reaktionen habe ich ignoriert und mich – der Empfehlung von Fichtlmeier entsprechend – mit meinem Handy beschäftigt. Nach etwa 20 Minuten war dann ein Zustand erreicht, in dem Bayard zumindest dauerhaft lag. Sein Kopf, seine Ohren und seine Nase waren aber noch immer mit der Umgebung beschäftigt.

Vizsla wird bei Ruheübung korrigiert und zurück ins Platz geschickt
Sofortige Korrektur, wenn Bayard sich aus dem Platz löste

Trotzdem lobte ich ihn und löste das Kommando. Die nächsten Tage gab es dann auf jedem Spaziergang einen „Calm down“. Und ich bemerkte, dass Bayard immer schneller in die Ruhe fand. Nach einiger Zeit gelang es ihm sogar, aus dem „angespannten Platz“ in ein „entspanntes Platz“ zu wechseln. Auch seinen Kopf legte er hin und wieder ab.

Vizsla wird nach erfolgreicher Ruheübung gelobt mit Leckerlie
Die Ruheübung wird durch positive Bestärkung (z.B. ein Leckerlie) beendet

Dieses Verhalten lobte ich und löste die Übung auf. Nach etwa einer Woche geschah dann das bin dahin Unvorstellbare: Obwohl wir an einer Stelle warteten, an der wir uns für gewöhnlich mit Bayards Hundefreunden treffen und an der er deshalb immer sehr unruhig ist, legte er sich nur wenige Sekunden, nachdem ich den Fuß auf die Leine gestellt hatte, hin.

Die positiven Effekte der Ruheübung auf den Vizsla

Insgesamt wirkte sich die regelmäßige Ruheübung sehr positiv auf Bayard aus. Er ist nach dem Calm Down konzentrierter und mir gegenüber aufmerksamer. Der Gehorsam funktioniert besser und insgesamt wirkt er ausgeglichener. Mittlerweile streue ich die Übung immer dann ein, wenn ich merke, dass Bayard überdreht ist oder auf Action lauert. Aber auch „zwischendurch“ frische ich das Runterkommen immer mal wieder auf.

Unser nächstes Ziel

Während sich die Ruheübung auf Spaziergängen mittlerweile gut etabliert hat, arbeiten wir weiter an Bayards großer Baustelle, dem Calm Down, wenn wir bei anderen Personen zu Besuch sind. Besonders bei meinen Eltern oder in völlig neuen Umgebungen hat Bayard nach wie vor sehr große Schwierigkeiten, sich abzulegen und im Platz zu bleiben. Er wird dann unruhig oder tut alles, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Hier heißt es für mich: Starkbleiben! Und auch in solchen Situationen mit ruhiger Konsequenz die Ruhe durchzusetzen. Denn ich weiß, dass wir beide gleichermaßen profitieren, wenn er in solchen Situationen entspannt bleibt.

Wie reagiert Ihr bei Abspannung Eures Hundes? Und habt Ihr Ruhe auf Spaziergängen und zu Hause bewusst trainiert? Ich bin gespannt, auf Eure Erfahrungen in den Kommentaren! 😊

Wie viel Auslastung braucht der Vizsla?

In vielen meiner Blogbeiträge habe ich geschrieben, dass der Vizsla viel körperliche und vor allem geistige Auslastung braucht. Aber was bedeutet das genau? Wie viel Zeit oder Kilometer sind nötig, um den Vizsla rassegerecht auszulasten, wenn er nicht jagdlich geführt wird?

Viel Auslastung ja, aber…

Als Jagdhund hat der Vizsla einen hohen Bewegungsdrang und eine natürliche Ausdauer. Das merkt man schnell, wenn man anderen Hunden begegnet, die nach ausgiebigem Spielen tatsächlich mal müde werden, während sich der eigene Vischel auch nach einer Stunde noch immer völlig unbeeindruckt „vom leichten Aufwärmtraining“ zeigt. Und auch in vielen Fachtexten über den Magyar Vizsla ist immer wieder zu lesen, dass es gerade auf ausreichend Auslauf ankomme, wenn man den Hund nicht jagdlich führt.

Dem kann ich uneingeschränkt zustimmen! Der Vizsla braucht, gerade, wenn er durch jagdliche Aufgaben nicht gefordert wird, ein sehr hohes Maß an Bewegung, das man nicht unterschätzen sollte. Aber – und ja, es gibt ein aber! – hierbei kommt es tatsächlich auf die Art der Auslastung an. Und darauf, diese wohl zu dosieren. Denn zu viel Action und Beschäftigung können beim Vizsla schnell auch zu einer Art Überforderung umschlagen, die sich dann in einer noch höheren Reizempfindlichkeit und der rassetypischen „Hibbeligkeit“ äußern.

Warum zu viel Auslastung beim Vizsla ins Gegenteil umschlagen kann

Doch wie viel Bewegung ist denn nun ausreichend? Und wie viel Zeit kostet mich der tägliche Auslauf eines Vizslas? Diese Fragen bekomme ich häufig von Menschen gestellt, die sich gerade überlegen, einen Vischel anzuschaffen. Noch bevor ich antworten kann, wird mir dann schon ein umfangreiches Sportprogramm präsentiert, das Hund und Mensch gemeinsam absolvieren wollen: Joggen und Radfahren, Mantrailing, Agility, dann noch große Wanderungen am Wochenende und Spielen mit den Nachbarshunden im Garten. Klingt erstmal fantastisch! Und ich kann versichern: Rein konditionell würde der Vizsla bei all diesen Aktivitäten eine wunderbare Figur machen.

Doch die tägliche Praxis sieht anders aus! Auch ich hatte am Anfang große Pläne, was ich denn alles mit meinem Hund erleben und ausprobieren möchte. Schnell genug wurde ich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Denn was ein Vizsla in erster Linie braucht, ist ein konsequenter Wechsel zwischen Aktivität und Ruhephasen. Denn mit zu viel Bewegung züchtet man sich selbst einen Bewegungsjunkie heran, der massive Probleme haben wird, einfach mal entspannt im Körbchen zu liegen und zu schlafen.

Und genau das muss ein Vizsla können! Im Idealfall ist es sogar so, dass Euer Hund irgendwann genau weiß, dass er draußen mit Euch Action und Abenteuer bekommt, er im Haus aber einfach nur ausruhen und schlafen kann – und das gerne auch für mehrere Stunden. Ich kann Euch versichern: Vizslas können mitunter echte Schlafmützen sein, die auch mal einen kompletten Nachmittag zufrieden im Körbchen dösen.

Der Vizsla braucht Ruhephasen und muss Ruhe lernen

Was bedeutet „richtige Auslastung“ beim Vizsla?

Genau wie bei vielen anderen Themen gibt es auch auf die Frage der Auslastung keine richtige Antwort. Jeder Hund ist individuell und hat unterschiedliche Bedürfnisse. Da ich aber über die Sozialen Netzwerke einen regelmäßigen Austausch mit vielen anderen Besitzern pflege, die es ähnlich handhaben wie ich, sind die folgenden Schilderungen sicherlich ein guter Richtwert, der allerdings keinerlei Anspruch auf universelle Richtigkeit erhebt:

Unter der Woche startet unser Tag mit einem ausgedehnten Spaziergang von etwa 45 bis 60 Minuten. Da ich ein notorischer „Schnellgeher“ bin, legen wir in dieser Zeit meistens eine Distanz von etwa 4-5 km zurück. Dabei sind wir immer im Wald unterwegs und Bayard darf die meiste Zeit ohne Leine laufen. Das haben wir uns hart erarbeitet: Mit Schleppleine und Rückruftraining haben wir einen angemessenen Radius trainiert, bei dem Bayard nie die Wege verlässt, sondern immer mit ein paar Metern Entfernung vor mir weg läuft.

Bei den Morgenrunden gibt es für gewöhnlich kein zusätzliches Programm. Hin und wieder darf Bayard mal Leckerlis suchen, die ich für ihn verstecke oder ich werfe ein paar Tannenzapfen, denen er ohne Apportbefehl hinterherlaufen kann.

Zuhause angekommen, bekommt er sein Fressen und schläft dann bis mittags. Als Home-Office-Hund hat er sich an genau diesen Ablauf gewöhnt. Mittags geht es dann für eine kurze Runde von 15 Minuten in den Wald zum Lösen. Hier toben wir oft ein wenig gemeinsam oder er kann ein paar Stöcke apportieren. Aber auch das ist nicht die Regel. Denn ich befolge hier den Ansatz unseres Trainers, der immer propagiert hat, für seinen Hund nicht vorhersehbar zu werden.

Abends, das heißt am späten Nachmittag, gibt es dann den längsten Spaziergang des Tages. Hier sind wir immer mindestens eine Stunde draußen und ich versuche diese Runden abwechslungsreich zu gestalten, was nicht bedeutet, dass es hier jeden Tag einen anderen Programmpunkt gibt. Viel mehr überlege ich mir an etwa 2-3 Tagen pro Woche ein „Highlight“: Dummytraining, Mantrailing oder Fährtenarbeit.

Training gezielt einsetzen

Nicht nur, dass Bayard unglaubliche Freude daran hat, seine Nase konzentriert einsetzen zu müssen, diese Art der Beschäftigung fördert auch seinen Gehorsam. Denn oft genug muss er im Sitz oder Platz ausharren und – im Sinne der Frustrationstoleranz – warten, bis ich den Dummy für einen Apport freigebe. Übrigens: Solche Übungen dauern nicht den ganzen Spaziergang. Ich achte darauf, dass wir unsere Runde ruhig und ohne Aufregung abschließen. Gerne mit ein wenig Training der Leinenführigkeit, um den aufgedrehten Vizsla nach der Nasenarbeit wieder „runterzufahren“.

Trainingseinheiten streue ich übrigens auch immer mal wieder ein: Rückruf, Sitz-Bleib sowie Platz-Bleib (mit und ohne Sichtkontakt) oder Leinenführigkeit werden bei uns regelmäßig geübt. Denn auch solche Übungen beanspruchen den Kopf und sorgen für eine entsprechende Auslastung.

Am Wochenende sind unsere Runden dann meist länger, wir joggen gemeinsam oder verabreden uns mit anderen Hunden zu Spaziergängen. Richtiges Balgen und Rennen unter Artgenossen kann nämlich durch kein Training der Welt ersetzt werden!

Wie ich das richtige Maß gefunden habe

Mein bisheriger Beitrag mag sich so lesen, als folge jeder unserer Spaziergänge einem bestimmten Plan. Dem ist aber nicht so! Die beschriebene Routine hat sich für mich, als Vollzeit-arbeitende, alleinerziehende Vizsla-Mama, als händelbar und praxistauglich erwiesen. Und ich merke an meinem Hund, dass er ausgeglichen und zufrieden ist, was für mich oberste Priorität hat.

Nichtsdestoweniger gibt es auch Tage, an denen ich beruflich stark eingespannt, krank oder angeschlagen bin oder an denen das Wetter so extrem schlecht ist, dass der Vischel selbst keine Lust auf große Runden hat. Dann reichen auch mal nur drei kurze Spaziergänge, ohne dass mein Hund vor Frust irgendeinen Blödsinn anstellt. Viel eher bin ich sogar dafür, dass auch Ruhetage mal sein müssen und ein gesunder Vizsla das auch ohne Verhaltensauffälligkeit „wegstecken“ sollte.

Übrigens: Wenn die Hundeschulen nach Corona wieder geöffnet haben, möchte ich mit Bayard gerne einen Obedience-Kurs absolvieren. Die Welpen- und Junghundkurse haben wir alle hinter uns gebracht, ich möchte aber weiterhin gemeinsam mit ihm arbeiten und meine Führung regelmäßig durch einen Profi überprüfen lassen. Außerdem hat es mir schon immer großen Spaß gemacht, mit meinem Hund zusammen Dinge zu erarbeiten. Doch auch hier gilt: Wenn wir wieder intensiver im Training sind, wird das actionreiche Programm an anderen Stellen runtergefahren. Denn auch bei der Auslastung des Vizslas gilt: Auf das richtige Maß kommt es an!

Mich würde aber interessieren, wie Ihr Euren Vizsla auslastet? Und wie lange und häufig Ihr unterwegs seid? Ich fände es unglaublich spannend, Eure Erfahrungsberichte zu hören.

Dominanzverhalten beim Vizsla: Diese 6 Übungen helfen sofort!

Dominanzverhalten. Ein kleines Wort, das riesige Probleme mit sich bringen kann. Denn Anzeichen von Dominanz zeigen offenkundig, dass der Hund Dich als Rudelführer nicht akzeptiert. Auch ich habe mit meinem Vizsla-Rüden vor kurzem einen kleinen Machtkampf führen und mir die Rudelführung zurückerobern müssen. Was mir dabei geholfen hat und wie positiv sich die Maßnahmen auf unser Zusammenleben ausgewirkt haben, ist Thema meines heutigen Blogbeitrags.

Wieso zeigt der Vizsla gerne Dominanzverhalten?

Der Vizsla ist ein unglaublich intelligenter Jagdhund. Ich habe bereits von vielen Besitzerin gehört, dass ihre Hunde sich regelrecht „lesen können“. Kein Wunder! Vizslas wurden dafür gezüchtet, eng mit ihrem „Jäger“ zusammenzuarbeiten. Das bedeutet, den Hundeführer zwangsläufig intensiv beobachten zu müssen, um sensibel auch auf kleine Befehle zu reagieren. Was einerseits Zeichen der hohen Intelligenz dieser Rasse ist, kann sich schnell auch ins Negative verkehren. Denn der Vizsla bemerkt jeden Anflug von Inkonsequenz – und aus seiner Sicht Schwäche – und nutzt diese gerne aus, um „seinen Willen“ durchzusetzen. Also im Rang aufzusteigen und Dich als Rudelführer gegebenenfalls sogar abzulösen.

Welche Faktoren begünstigen Dominanzverhalten?

Ob und wie stark Dein Vizsla dominantes Verhalten zeigt, hängt einerseits von seinem individuellen Wesen ab. Aber auch das Geschlecht (Rüden neigen häufiger zu Dominanzverhalten und Rangkämpfen) sowie das Alter spielen eine Rolle. In der Pubertät testen Junghunde besonders gerne ihre Grenzen aus und es ist wichtig, hier mit liebevoller Strenge und andauernder Konsequenz dafür zu sorgen, dass dem Vizsla immer wieder klar gemacht wird, wer der Rudelführer ist.

Ich selbst musste bei meinem damals 13 Monate alten Rüden dominantes Verhalten feststellen und habe – in Rücksprache mit einem Trainer – sofort die Reißleine gezogen, um diesem Einhalt zu gebieten. Konsequente Erziehung ist also ebenfalls ein entscheidender Faktor, um Dominanzverhalten einzudämmen.

Wie äußert sich Dominanzverhalten beim Vizsla?

Dominanzverhalten kann sehr individuelle Ausprägungen haben. Bestimmte Verhaltensmuster können aber darauf hindeuten, dass die Rangfolge zwischen Dir und Deinem Vizsla nicht geklärt ist bzw. er Dich nicht als Rudelführer anerkennt.

Wichtig: Sobald Du dominantes Verhalten bemerkst, solltest Du unbedingt Hilfe bei einem erfahrenen Trainer suchen, um körperliche oder andere psychische Ursachen auszuschließen.

Dominanzverhalten äußert sich vielfältig: Ungehorsam, Aufdringlichkeit oder Pöbeln (dazu zählen Anspringen, Bellen, Knurren), Aggressivität oder ein extremer Schutztrieb bei Futter oder Spielzeug können jedoch Anzeichen sein.

Bei uns war es das Knurren, als ich mich eines morgens Bayards Futternapf näherte. Zunächst hielt ich dies für einen Zufall. Als er jedoch auch knurrte, als er am nächsten Tag mit seinem Kauknochen im Körbchen lag und ich daran vorbeilief, war für mich klar: Hier muss sich dringend was ändern!

Diese 6 Maßnahmen helfen sofort, Dominanzverhalten beim Vizsla einzudämmen

Zusammen mit unserem Trainer haben wir einige „Sofortmaßnahmen“ erarbeitet, um Bayards Dominanz schnell in den Griff zu bekommen. Das Ziel: Mein Vizsla sollte merken, dass nicht er den Ton angibt, sondern ich. Und damit er mich als Rudelführer anerkennt, ist es wichtig, Souveränität, Gelassenheit, Ruhe und natürlich auch Macht auszustrahlen – und diese Eigenschaften durch bestimmtes Verhalten meinerseits immer wieder zu demonstrieren.

1) Keine privilegierten Plätze

Die erste Maßnahme klang zunächst denkbar einfach: Bayard sollte all seine privilegierten Plätze verlieren. Also Bye-Bye Couch und auch das gelegentliche Kuscheln am Wochenende im Bett war mit sofortiger Wirkung verboten.

Der Vischel sollte wieder lernen, dass ihm diese besonderen Plätze nicht einfach „gehören“, sondern er sie sich durch gutes bzw. richtiges Verhalten erarbeiten muss. Zudem kam das Verbot für Couch und Sofa einer sofortigen Herabstufung seines Rangs im Rudel gleich.

Tipp: Da ich tagsüber nicht kontrollieren konnte, ob er sich nicht doch wieder aufs Sofa schleicht, habe ich diesen Schlaf- und Liegeplatz für ein paar Tage mit Esszimmerstühlen verbaut.

Dominanzverhalten beim Vizsla korrigieren

Als ich abends dann auf dem Sofa saß, gab es zunächst sehr viele Diskussionen: Bayard akzeptierte natürlich nicht sofort, dass er dort nicht mehr liegen durfte und reagierte mit Bellen (auch Dominanz!), Winseln und allgemeiner Unruhe. Gelassen, aber bestimmt schickte ich ihn immer wieder auf seinen Platz. Nach ungefähr 2-3 Tagen hatte er verstanden, dass er nicht mehr „betteln“ braucht und fügte sich in sein Schicksal.  

Natürlich kannst Du Deinen Hund irgendwann wieder zurück auf die Couch oder ins Bett holen. Allerdings solltest Du den Befehl dazu geben, ihn also einladen, bei Dir zu liegen. Die Einladung für geht vom Rudelführer aus und nicht von Deinem Hund!

2) Der Hund muss weichen

Methode zwei schließt sich hier direkt an: Wenn Dein Vizsla auf seinem Platz liegt, setze Dich so neben ihn hin, dass er weichen muss. Nur Du als Rudelführer hast das Recht, jeden Platz für Dich zu beanspruchen, wann immer Dir danach ist.

Versuche auch beim Spaziergang oder im Haus nicht auszuweichen, wenn Du auf Deinen Hund zugehst und er im Weg steht. Ausweichen ist aus Sicht eines Hundes ein Zeichen von Schwäche. Gehe also selbstsicher auf Deinen Hund zu, damit er Dir ausweichen muss. Das kann man auch im Alltag immer mal wieder als Übung einstreuen. Wichtig: Deine Ausstrahlung sollte dabei ruhig, gelassen und – so blöd es klingt – hoheitsvoll sein. Ganz so wie man sich einen Rudelführer eben vorstellt.

3) Der Rudelführer isst zuerst

Im Wolfsrudel gebührt dem Alpha-Rüden der erste Biss in die Beute. Erst danach dürfen die anderen fressen. Daher sollte ich, bevor ich Bayard seinen gefüllten Futternapf reiche, immer zuerst in einen Apfel, einen Keks oder ein Stück Brot beißen und dieses essen. Hintergrund: Mit dieser Geste demonstriere ich meine Macht und seine untergeordnete Stellung innerhalb unseres Rudels.

Was bei uns sowieso bereits gelebte Praxis war, aber nicht unwichtig ist: Der Vizsla sollte nur nach Aufforderung fressen. Lass Deinen Hund also auf seinem Platz warten oder zumindest am Futternapf Sitz machen. Er darf erst fressen, wenn du den Napf mit einem bestimmten Befehl freigibst.

Zudem sollte Futter nur zu bestimmten Zeiten und nicht den ganzen Tag über verfügbar sein. Was nach Freigabe des Napfes nach ca. 10 Minuten nicht gefressen wurde, wird kommentarlos entfernt.

4) Der Hund betritt und verlässt als letztes das Haus

Auch diese Maßnahme war bei uns bereits seit dem Welpenalter in der Umsetzung, aber ich habe sie der Vollständigkeit halber in meine Liste aufgenommen:

Der Vizsla sollte immer der Letzte sein, der das Haus bei einem Spaziergang verlässt und bei der Rückkehr wieder betritt. Lasse ihn sich vor der Tür hinsetzen und betrete als erstes das Haus. Ziehe dort in Ruhe Jacke und Schuhe aus und lasse den Hund erst eintreten, wenn Du den Befehl dazu gibst.

Als Rudelführer hast Du das Privileg, alle Orte als erstes zu betreten. Und da der Aufbruch zu einem Spaziergang, wie auch bei den Wölfen, einem Aufbruch zur Jagd gleichkommt, solltest Du hier gleich zu Beginn klarmachen, wer dabei buchstäblich vorangeht.

5) Der Rudelführer entscheidet, wann gespielt und gekuschelt wird

Wie auch beim Fressen oder Betreten des Hauses geht die Aufforderung zum Kuscheln und Spielen einzig und allein von Dir aus. Auch wenn es schwerfällt: Aber Dein Vizsla sollte nicht entscheiden dürfen, wann er gestreichelt wird oder wann ein Spiel beginnt.

Daher sollte ich den dauerhaften Zugang zu seinem Spielzeug einschränken und ihm dieses nur zu von mir ausgewählten Zeiten geben. Auch den Zeitpunkt, an dem das Spiel beendet und das Spielzeug kommentarlos weggeräumt wird, bestimme ich als Rudelführer.

Gleiches gilt für das Kuscheln. Auch mein Vischel kommt gerne zu mir, während ich arbeite, springt dann auf den Schoß, stubst mich an und demonstriert: „Hey, ich will gestreichelt werden.“ Als rangniederes Mitglied steht ihm diese Geste aber nicht zu. Ignoriere solches Verhalten oder schicke Deinen Hund auch mal weg. Das bedeutet nicht, dass Du nicht nach ein paar Minuten zu ihm gehen und mit ihm kuscheln kannst. Der Vizsla sollte aber verstehen, dass die körperliche Zuwendung von Dir, seinem Rudelführer, ein Privileg ist, zu dem er nicht nach eigenem Gutdünken Zugang erhält.

6) Der Hund begrüßt zuerst – der Mensch erst später

Die letzte Maßnahme fiel mir zunächst besonders schwer. Denn natürlich freue ich mich, wenn ich nach Hause komme und Bayard schwanzwedelnd vor mir steht oder sogar seinen berühmten Freudentanz aufführt. Für gewöhnlich habe ich mich dann runtergebeugt oder hingekniet, um ihn ausgiebig zu begrüßen. „Ganz falsch“, korrigierte mich unser Trainer.

Der Rudelführer lässt sich begrüßen, reagiert aber nicht auf das aufgeregte Verhalten der rangniedrigeren Tiere. Ich sollte Bayard also buchstäblich links liegenlassen, wenn ich nach Hause komme und ihm erst Blickkontakt und eine Begrüßung zukommen lassen, wenn er ruhig auf seinem Platz liegt. Nicht nur, dass ich damit meine Dominanz demonstriere. Auch hilft diese Übung, unsere ohnehin leicht erregbaren Vizslas etwas runterzufahren und sie für ein ruhiges Liegenbleiben auf dem Platz zu bestärken – nicht für das völlig unkontrollierte Herumspringen.

Auch sollte die Begrüßung herzlich, aber nicht ausgiebig sein. Ein paar Streichler, ein ruhiges Wort und dann entscheidest Du als Rudelführer, wann das Begrüßungsritual abgeschlossen ist.

Gleiches gilt übrigens auch am Morgen: Auch hier entscheidet nicht der Hund, wann er begrüßt wird. Und ein aufgeregtes Verhalten wird nicht etwa durch Aufmerksamkeit belohnt!

Was haben die Dominanzübungen gebracht?

Nach ein paar Tagen der Umsetzung stellte ich bei Bayard relativ schnell gravierende Verhaltensänderungen fest: Er war ruhiger und definitiv aufmerksamer. Auf unseren Spaziergängen hatte ich das Gefühl, dass er sich viel mehr an mir orientiert und Rücksprache hält und auch der Radius beim Freilauf gemäßigter wurde.

Gleichzeitig führte er Befehle schneller aus und ich musste nicht so häufig korrigieren, da er sich weniger aus dem „Sitz“ oder „Platz“ löste. Und auch das Knurren am Napf, wegen dem wir all diese Maßnahmen ergriffen haben, hörte auf.

Beim Knochen oder besonders schmackhaften Leckerbissen ist es allerdings noch immer so, dass Bayard etwas knurrt, wenn man sich nähert. Hier habe ich nun mit dem Klickertraining begonnen, um gezielt daran zu arbeiten, dass er sich auch trotz Knochen streicheln lässt und die „Beute“ wieder hergibt.

Insgesamt muss ich sagen, dass die Maßnahmen unser Zusammenleben extrem bereichert haben und ich sie definitiv beibehalten oder – sollte es nötig sein – wieder aktivieren werde. Selbstverständlich habe ich einige der Dinge, wie das Liegen auf der Couch, nach einiger Zeit wieder gelockert. Allerdings nicht, weil Bayard es wollte, sondern weil er sich durch gutes Verhalten den Platz neben mir wieder erarbeitet hatte. Und genau so fühlt es sich für uns gut und richtig an!

Der Vizsla kommt nicht zur Ruhe! Wie Boxentraining helfen kann

Wer meinen Blog verfolgt, wird häufiger über die Aussage gestolpert sein, dass der Vizsla viel rassetypische Auslastung benötigt – für Kopf und Körper. Dennoch habe ich selbst erfahren dürfen, dass man es mit den Aktivitäten durchaus übertreiben kann. Und der Vizsla neben Gehorsam vor allem auch das zur Ruhe kommen lernen muss. Wie uns das Boxentraining dabei geholfen hat, schildere ich im folgenden Beitrag.

Was zu wenig Ruhephasen beim Vizsla anrichten

Als ich Bayard mit knapp neun Wochen bekam, war er ganz anders, als ich es erwartet hatte: Von den Erfahrungen mit meinem früheren Hund und den Schilderungen vieler anderer Hundeeltern wusste ich, dass ein Welpe bis zu 20 Stunden am Tag schläft. Dass kleine Spaziergänge ausreichen, damit das Fellknäuel anschließend seelenruhig in seinem Körbchen döst. Aber Pustekuchen! Ich hatte einen Welpen auf LSD, der einfach nie zur Ruhe kam.

Meine erste Schlussfolgerung: Du lastest Deinen Vizsla nicht richtig aus. Hätte er genug Bewegung und würde von Dir ausreichend gefordert, würde er ja schlafen. Wie ich heute weiß, war das ein großer Irrglaube und der Anfang vieler Probleme.

Denn anstatt meinen Vizsla-Welpen zur Ruhe zu zwingen, ging ich zunächst dazu über, die Gassirunden auszudehnen, das Training anspruchsvoller zu gestalten und auch im Haus immer ausgiebig mit ihm zu spielen. Das Resultat: Ein völlig aufgedrehter (und übermüdeter) Vischel, der noch immer nicht zur Ruhe kam und massive Probleme hatte, entspannt im Körbchen zu liegen und nicht ständig voll Anspannung auf die nächste Ablenkung zu warten.

Und das rächte sich: Nicht nur, dass ich einfach nichts mehr erledigt bekam, weil der überdrehte Vischel immer irgendwas anstellte, ich ein Auge auf ihn werfen musste und dadurch selbst unruhiger und gereizter wurde. Auch als „Bürohund“ hatte Bayard aufgrund dieser Problematik extreme Anlaufschwierigkeiten.

Unser Lebensretter: Das Boxentraining

Überfordert, von Schlafmangel gepeinigt und „mit der Gesamtsituation unzufrieden“, wandte ich mich schließlich an eine Hundetrainerin, die das Problem schnell erkannte:

„Ihr Hund muss lernen, zur Ruhe zu kommen“, sagte sie nach ungefähr fünf Minuten. „Und damit meine ich lernen, genauso wie er lernen muss, Sitz und Platz zu machen.“

Danach stellte sie in einer ruhigen Ecke eine Hunde-Transportbox auf, legte Bayards Kuscheldecke hinein und lockte den Vischel mit einem Leckerli hinein. Danach wurde die Tür angelehnt, sofort wieder geöffnet und Bayard bekam mit viel Lob ein weiteres Leckerli. So weitete die Trainerin die Zeiten der vermeintlich geschlossenen Tür sekundenweise aus.

Wir bekamen den Auftrag, genau das täglich zu üben und dabei die Intervalle der „Boxenzeit“ immer weiter zu vergrößern. Zudem riet die Expertin dazu, Bayard nur noch in der Box, allerdings bei geöffneter Tür, zu füttern. Er sollte diesen Ort mit „etwas Positivem“ verbinden.

Für das Spielen im Haus bekamen wir ein deutliches Verbot. Action sollte es nur noch außerhalb der eigenen vier Wände geben.

Gesagt, getan. Wir übten fleißig. Als die Tür dann aber nach ein paar Tagen das erste Mal wirklich verschlossen wurde, startete das Theater: Um seinem Ruf als „Dramaqueen der Hunderassen“ alle Ehre zu machen, winselte und weinte Bayard kräftig drauf los. Minutenlang. Für mich nicht einfach, aber ich blieb standhaft. Erst als er aufhörte und ruhig wurde, öffnete ich die Tür und er wurde mit viel Lob und einem Leckerli belohnt.

Auch die kommenden Tage gingen – sobald die Tür geschlossen wurde – nicht ohne disaströses Gezeter, Gewimmere und Geweine vonstatten. Bis er irgendwann kaum noch „meckerte“. Er schien zu begreifen, dass er wenn überhaupt erst rausgelassen wird, wenn er sich ruhig verhält.

Dann, eines Abends, stand die Tür der Box offen und Bayard ging freiwillig hinein, rollte sich zusammen und schlief ein.

Der Vizsla kann Ruhe lernen

Dieses Verhalten zeigte er nun immer häufiger. Auch tagsüber. Und selbst wenn ich die Tür der Box schloss, wachte er nicht auf.

Ich war seelig! Endlich konnte ich seine Schlafphasen nutzen, um auf dem Sofa zu entspannen. Bayard „wehrte“ sich nicht mal mehr dagegen, wenn ich ihn nach jedem Spaziergang routinemäßig in die Box setzte. Es dauerte keine Minute, bis er „in seiner Höhle“ ruhig wurde und einschlief.

Eiserne Regel: Während er in der Box lag, gab es meinerseits keinerlei Ansprache. Und auch Spielzeuge waren an diesem Ort tabu. Der Vizsla sollte lernen: In Deiner Box kannst Du entspannen, weil Du nichts verpasst. Action und Spiel gibt es draußen, drinnen wird geruht.

Irgendwann musste ich die Tür gar nicht mehr schließen. Bayard hatte die Box als seinen Rückzugsort akzeptiert, an dem er endlich zur Ruhe kommen konnte. Und es trat das ein, was ich niemals für möglich gehalten hätte: Je mehr mein Vizsla schlief, desto ausgeglichener wurde er.

So lange dauerte das Boxentraining

Dass ich zu etwa dieser Zeit coronabedingt dauerhaft ins Home Office umgesiedelt wurde, erwies sich für das Boxentraining natürlich als Glücksfall. Zwar hatten Bayard und seine Hundebox ein paar gemeinsame Auftritte im Büro, aber durchaus zu einer Zeit, als er noch sehr klangvoll demonstrierte, was er von den von Frauchen verordneten Ruhephasen hielt. Immer gerne dann, wenn einer der Kollegen gerade dringend telefonieren musste.

Heute weiß ich, dass Bayard mich erst hätte begleiten sollen, nachdem er das Boxentraining erfolgreich absolviert hatte. Und das hat bei uns etwa drei bis vier Wochen gedauert. Nachdem er die Box vollständig akzeptiert hatte, habe ich dort auch nicht mehr gefüttert.

Das Boxentraining für den Vizsla: Mein Fazit

Jedem Vizsla-Besitzer kann ich nur dazu raten, das Thema Ruhe so früh wie möglich zu trainieren. Gerade bei einer so aktiven und reizsensiblen Rasse lohnt sich das Boxentraining. Ich würde heutzutage viel früher damit anfangen und die Box gleich am ersten Tag als Ort der Ruhe etablieren. Aber auch bei etwas älteren Welpen lässt sich das Training noch gut durchführen.

Euer Hund wird Euch die Zwangspausen danken. Ok, zugegeben, nicht sofort. Aber mit der Zeit werdet Ihr einen ausgeglicheneren und zufriedeneren Vischel bekommen. Und davon profitieren vor allem das gemeinsame Zusammenleben und letztlich jedes weitere Gehorsamstraining.