Dominanzverhalten beim Vizsla: Diese 6 Übungen helfen sofort!

von Dez 31, 2020

Dominanzverhalten. Ein kleines Wort, das riesige Probleme mit sich bringen kann. Denn Anzeichen von Dominanz zeigen offenkundig, dass der Hund Dich als Rudelführer nicht akzeptiert. Auch ich habe mit meinem Vizsla-Rüden vor kurzem einen kleinen Machtkampf führen und mir die Rudelführung zurückerobern müssen. Was mir dabei geholfen hat und wie positiv sich die Maßnahmen auf unser Zusammenleben ausgewirkt haben, ist Thema meines heutigen Blogbeitrags.

Wieso zeigt der Vizsla gerne Dominanzverhalten?

Der Vizsla ist ein unglaublich intelligenter Jagdhund. Ich habe bereits von vielen Besitzerin gehört, dass ihre Hunde sich regelrecht „lesen können“. Kein Wunder! Vizslas wurden dafür gezüchtet, eng mit ihrem „Jäger“ zusammenzuarbeiten. Das bedeutet, den Hundeführer zwangsläufig intensiv beobachten zu müssen, um sensibel auch auf kleine Befehle zu reagieren. Was einerseits Zeichen der hohen Intelligenz dieser Rasse ist, kann sich schnell auch ins Negative verkehren. Denn der Vizsla bemerkt jeden Anflug von Inkonsequenz – und aus seiner Sicht Schwäche – und nutzt diese gerne aus, um „seinen Willen“ durchzusetzen. Also im Rang aufzusteigen und Dich als Rudelführer gegebenenfalls sogar abzulösen.

Welche Faktoren begünstigen Dominanzverhalten?

Ob und wie stark Dein Vizsla dominantes Verhalten zeigt, hängt einerseits von seinem individuellen Wesen ab. Aber auch das Geschlecht (Rüden neigen häufiger zu Dominanzverhalten und Rangkämpfen) sowie das Alter spielen eine Rolle. In der Pubertät testen Junghunde besonders gerne ihre Grenzen aus und es ist wichtig, hier mit liebevoller Strenge und andauernder Konsequenz dafür zu sorgen, dass dem Vizsla immer wieder klar gemacht wird, wer der Rudelführer ist.

Ich selbst musste bei meinem damals 13 Monate alten Rüden dominantes Verhalten feststellen und habe – in Rücksprache mit einem Trainer – sofort die Reißleine gezogen, um diesem Einhalt zu gebieten. Konsequente Erziehung ist also ebenfalls ein entscheidender Faktor, um Dominanzverhalten einzudämmen.

Wie äußert sich Dominanzverhalten beim Vizsla?

Dominanzverhalten kann sehr individuelle Ausprägungen haben. Bestimmte Verhaltensmuster können aber darauf hindeuten, dass die Rangfolge zwischen Dir und Deinem Vizsla nicht geklärt ist bzw. er Dich nicht als Rudelführer anerkennt.

Wichtig: Sobald Du dominantes Verhalten bemerkst, solltest Du unbedingt Hilfe bei einem erfahrenen Trainer suchen, um körperliche oder andere psychische Ursachen auszuschließen.

Dominanzverhalten äußert sich vielfältig: Ungehorsam, Aufdringlichkeit oder Pöbeln (dazu zählen Anspringen, Bellen, Knurren), Aggressivität oder ein extremer Schutztrieb bei Futter oder Spielzeug können jedoch Anzeichen sein.

Bei uns war es das Knurren, als ich mich eines morgens Bayards Futternapf näherte. Zunächst hielt ich dies für einen Zufall. Als er jedoch auch knurrte, als er am nächsten Tag mit seinem Kauknochen im Körbchen lag und ich daran vorbeilief, war für mich klar: Hier muss sich dringend was ändern!

Diese 6 Maßnahmen helfen sofort, Dominanzverhalten beim Vizsla einzudämmen

Zusammen mit unserem Trainer haben wir einige „Sofortmaßnahmen“ erarbeitet, um Bayards Dominanz schnell in den Griff zu bekommen. Das Ziel: Mein Vizsla sollte merken, dass nicht er den Ton angibt, sondern ich. Und damit er mich als Rudelführer anerkennt, ist es wichtig, Souveränität, Gelassenheit, Ruhe und natürlich auch Macht auszustrahlen – und diese Eigenschaften durch bestimmtes Verhalten meinerseits immer wieder zu demonstrieren.

1) Keine privilegierten Plätze

Die erste Maßnahme klang zunächst denkbar einfach: Bayard sollte all seine privilegierten Plätze verlieren. Also Bye-Bye Couch und auch das gelegentliche Kuscheln am Wochenende im Bett war mit sofortiger Wirkung verboten.

Der Vischel sollte wieder lernen, dass ihm diese besonderen Plätze nicht einfach „gehören“, sondern er sie sich durch gutes bzw. richtiges Verhalten erarbeiten muss. Zudem kam das Verbot für Couch und Sofa einer sofortigen Herabstufung seines Rangs im Rudel gleich.

Tipp: Da ich tagsüber nicht kontrollieren konnte, ob er sich nicht doch wieder aufs Sofa schleicht, habe ich diesen Schlaf- und Liegeplatz für ein paar Tage mit Esszimmerstühlen verbaut.

Dominanzverhalten beim Vizsla korrigieren

Als ich abends dann auf dem Sofa saß, gab es zunächst sehr viele Diskussionen: Bayard akzeptierte natürlich nicht sofort, dass er dort nicht mehr liegen durfte und reagierte mit Bellen (auch Dominanz!), Winseln und allgemeiner Unruhe. Gelassen, aber bestimmt schickte ich ihn immer wieder auf seinen Platz. Nach ungefähr 2-3 Tagen hatte er verstanden, dass er nicht mehr „betteln“ braucht und fügte sich in sein Schicksal.  

Natürlich kannst Du Deinen Hund irgendwann wieder zurück auf die Couch oder ins Bett holen. Allerdings solltest Du den Befehl dazu geben, ihn also einladen, bei Dir zu liegen. Die Einladung für geht vom Rudelführer aus und nicht von Deinem Hund!

2) Der Hund muss weichen

Methode zwei schließt sich hier direkt an: Wenn Dein Vizsla auf seinem Platz liegt, setze Dich so neben ihn hin, dass er weichen muss. Nur Du als Rudelführer hast das Recht, jeden Platz für Dich zu beanspruchen, wann immer Dir danach ist.

Versuche auch beim Spaziergang oder im Haus nicht auszuweichen, wenn Du auf Deinen Hund zugehst und er im Weg steht. Ausweichen ist aus Sicht eines Hundes ein Zeichen von Schwäche. Gehe also selbstsicher auf Deinen Hund zu, damit er Dir ausweichen muss. Das kann man auch im Alltag immer mal wieder als Übung einstreuen. Wichtig: Deine Ausstrahlung sollte dabei ruhig, gelassen und – so blöd es klingt – hoheitsvoll sein. Ganz so wie man sich einen Rudelführer eben vorstellt.

3) Der Rudelführer isst zuerst

Im Wolfsrudel gebührt dem Alpha-Rüden der erste Biss in die Beute. Erst danach dürfen die anderen fressen. Daher sollte ich, bevor ich Bayard seinen gefüllten Futternapf reiche, immer zuerst in einen Apfel, einen Keks oder ein Stück Brot beißen und dieses essen. Hintergrund: Mit dieser Geste demonstriere ich meine Macht und seine untergeordnete Stellung innerhalb unseres Rudels.

Was bei uns sowieso bereits gelebte Praxis war, aber nicht unwichtig ist: Der Vizsla sollte nur nach Aufforderung fressen. Lass Deinen Hund also auf seinem Platz warten oder zumindest am Futternapf Sitz machen. Er darf erst fressen, wenn du den Napf mit einem bestimmten Befehl freigibst.

Zudem sollte Futter nur zu bestimmten Zeiten und nicht den ganzen Tag über verfügbar sein. Was nach Freigabe des Napfes nach ca. 10 Minuten nicht gefressen wurde, wird kommentarlos entfernt.

4) Der Hund betritt und verlässt als letztes das Haus

Auch diese Maßnahme war bei uns bereits seit dem Welpenalter in der Umsetzung, aber ich habe sie der Vollständigkeit halber in meine Liste aufgenommen:

Der Vizsla sollte immer der Letzte sein, der das Haus bei einem Spaziergang verlässt und bei der Rückkehr wieder betritt. Lasse ihn sich vor der Tür hinsetzen und betrete als erstes das Haus. Ziehe dort in Ruhe Jacke und Schuhe aus und lasse den Hund erst eintreten, wenn Du den Befehl dazu gibst.

Als Rudelführer hast Du das Privileg, alle Orte als erstes zu betreten. Und da der Aufbruch zu einem Spaziergang, wie auch bei den Wölfen, einem Aufbruch zur Jagd gleichkommt, solltest Du hier gleich zu Beginn klarmachen, wer dabei buchstäblich vorangeht.

5) Der Rudelführer entscheidet, wann gespielt und gekuschelt wird

Wie auch beim Fressen oder Betreten des Hauses geht die Aufforderung zum Kuscheln und Spielen einzig und allein von Dir aus. Auch wenn es schwerfällt: Aber Dein Vizsla sollte nicht entscheiden dürfen, wann er gestreichelt wird oder wann ein Spiel beginnt.

Daher sollte ich den dauerhaften Zugang zu seinem Spielzeug einschränken und ihm dieses nur zu von mir ausgewählten Zeiten geben. Auch den Zeitpunkt, an dem das Spiel beendet und das Spielzeug kommentarlos weggeräumt wird, bestimme ich als Rudelführer.

Gleiches gilt für das Kuscheln. Auch mein Vischel kommt gerne zu mir, während ich arbeite, springt dann auf den Schoß, stubst mich an und demonstriert: „Hey, ich will gestreichelt werden.“ Als rangniederes Mitglied steht ihm diese Geste aber nicht zu. Ignoriere solches Verhalten oder schicke Deinen Hund auch mal weg. Das bedeutet nicht, dass Du nicht nach ein paar Minuten zu ihm gehen und mit ihm kuscheln kannst. Der Vizsla sollte aber verstehen, dass die körperliche Zuwendung von Dir, seinem Rudelführer, ein Privileg ist, zu dem er nicht nach eigenem Gutdünken Zugang erhält.

6) Der Hund begrüßt zuerst – der Mensch erst später

Die letzte Maßnahme fiel mir zunächst besonders schwer. Denn natürlich freue ich mich, wenn ich nach Hause komme und Bayard schwanzwedelnd vor mir steht oder sogar seinen berühmten Freudentanz aufführt. Für gewöhnlich habe ich mich dann runtergebeugt oder hingekniet, um ihn ausgiebig zu begrüßen. „Ganz falsch“, korrigierte mich unser Trainer.

Der Rudelführer lässt sich begrüßen, reagiert aber nicht auf das aufgeregte Verhalten der rangniedrigeren Tiere. Ich sollte Bayard also buchstäblich links liegenlassen, wenn ich nach Hause komme und ihm erst Blickkontakt und eine Begrüßung zukommen lassen, wenn er ruhig auf seinem Platz liegt. Nicht nur, dass ich damit meine Dominanz demonstriere. Auch hilft diese Übung, unsere ohnehin leicht erregbaren Vizslas etwas runterzufahren und sie für ein ruhiges Liegenbleiben auf dem Platz zu bestärken – nicht für das völlig unkontrollierte Herumspringen.

Auch sollte die Begrüßung herzlich, aber nicht ausgiebig sein. Ein paar Streichler, ein ruhiges Wort und dann entscheidest Du als Rudelführer, wann das Begrüßungsritual abgeschlossen ist.

Gleiches gilt übrigens auch am Morgen: Auch hier entscheidet nicht der Hund, wann er begrüßt wird. Und ein aufgeregtes Verhalten wird nicht etwa durch Aufmerksamkeit belohnt!

Was haben die Dominanzübungen gebracht?

Nach ein paar Tagen der Umsetzung stellte ich bei Bayard relativ schnell gravierende Verhaltensänderungen fest: Er war ruhiger und definitiv aufmerksamer. Auf unseren Spaziergängen hatte ich das Gefühl, dass er sich viel mehr an mir orientiert und Rücksprache hält und auch der Radius beim Freilauf gemäßigter wurde.

Gleichzeitig führte er Befehle schneller aus und ich musste nicht so häufig korrigieren, da er sich weniger aus dem „Sitz“ oder „Platz“ löste. Und auch das Knurren am Napf, wegen dem wir all diese Maßnahmen ergriffen haben, hörte auf.

Beim Knochen oder besonders schmackhaften Leckerbissen ist es allerdings noch immer so, dass Bayard etwas knurrt, wenn man sich nähert. Hier habe ich nun mit dem Klickertraining begonnen, um gezielt daran zu arbeiten, dass er sich auch trotz Knochen streicheln lässt und die „Beute“ wieder hergibt.

Insgesamt muss ich sagen, dass die Maßnahmen unser Zusammenleben extrem bereichert haben und ich sie definitiv beibehalten oder – sollte es nötig sein – wieder aktivieren werde. Selbstverständlich habe ich einige der Dinge, wie das Liegen auf der Couch, nach einiger Zeit wieder gelockert. Allerdings nicht, weil Bayard es wollte, sondern weil er sich durch gutes Verhalten den Platz neben mir wieder erarbeitet hatte. Und genau so fühlt es sich für uns gut und richtig an!

Bis dahin: Stay Vizsladdicted!

2 Kommentare

  1. Birgit Leutebrand

    Hallo,

    Mit der Dominanz ist das bei unseren
    Rüden momentan genauso so, wie es hier beschrieben wird. Wir haben jetzt so einige Regeln umgesetzt. Muss sagen es klappt 👍
    Und auch toll geschrieben, finde ich echt gut. Kann man super weiterempfehlen

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    • Christina

      Liebe Birgit,
      danke für Deinen lieben Kommentar und und Dein Feedback. Ich freue mich zu lesen, dass die Tipps Euch weitergeholfen haben und wünsche Euch weiterhin viel Erfolg bei der Umsetzung.
      Viele Grüße,
      Christina & Bayard

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