Wie sinnvoll ist der Hormonchip beim Vizsla-Rüden?

von Mrz 15, 2021

Das Thema Kastration ist unter Hundebesitzern ein emotionales. Und selbst die temporäre Kastration via Hormonchip polarisiert. Ich habe mich dafür entschieden, meinen Vizsla-Rüden chemisch kastrieren zu lassen und die Entscheidung nicht bereut. Welche Fragen ich mir zuvor gestellt habe und welche Gründe letztlich für den Hormonchip gesprochen haben, lest Ihr im folgenden Beitrag.

Das Thema Hormonchip beim Vizsla polarisiert

Wie Ihr wisst, bin ich mit einem eigenen Account auch auf Instagram unterwegs und berichte aus dem Alltag von Bayard und mir. Als ich vor einigen Monaten das Thema Hormonchip bzw. Kastration ins Spiel brachte, erntete ich viele Reaktionen – und einige davon waren nicht gerade positiv: 

Wenn ich Glück hatte, waren es neugierige Fragen nach meinen Beweggründen. Es gab aber auch Nachrichten, in denen ich mich mit der Unterstellung konfrontiert sah, dass ich meinen gesunden Rüden nur deshalb kastrieren ließe, weil ich mit seiner Erziehung nicht zurechtkäme.

Ähnliche und teilweise noch heftigere Reaktionen habe ich bei anderen Instagram-Profilen beobachtet. Es scheint bei einigen Hundebesitzern die Meinung vorzuherrschen, dass eine Kastration – ob bei Rüde oder Hündin – ausschließlich auf ein Versagen des Halters zurückzuführen und nur in medizinischen Notfällen zu akzeptieren sei.

Aber warum? Für mich gab und gibt es durchaus gute Gründe, die bei meinem Vizsla für einen Hormonchip gesprochen haben. Und im Folgenden möchte ich Euch einige davon vorstellen.

Doch schauen wir uns doch zunächst nochmal an, wie ein Hormonchip verabreicht wird und wie er wirkt.

Wie funktioniert der Hormonchip?

Der Hormonchip (auch Kastrationschip genannt) wird, wie ein Mikrochip zur Kennzeichnung des Hundes, mithilfe einer Kanüle im Nacken eingesetzt. Dabei kommt zwar eine etwas dickere Kanüle zum Einsatz, der Eingriff ist aber nur mit geringen Schmerzen verbunden und innerhalb von ein paar Sekunden überstanden. Eine Sedierung oder gar Vollnarkose sind nicht erforderlich! Bayard ließ sich damals übrigens mit ein paar Leckerlies sehr gerne entschädigen 😉

Der Hormonchip enthält den Wirkstoff Deslorelin in zwei möglichen Dosierungen, so dass er entweder für sechs oder zwölf Monate kontinuierlich Wirkstoff an den Körper abgibt. Dieser bewirkt beim Rüden eine vorübergehende Unfruchtbarkeit, so dass man auch von einer „chemischen Kastration“ spricht. Denn anders als bei einem operativen Eingriff – der sog. chirurgischen Kastration – ist die Wirkung des Hormonchips auf eben sechs bzw. zwölf Monate begrenzt. Der Chip muss also regelmäßig erneuert werden, wenn man die Unfruchtbarkeit aufrechterhalten möchte.

Kosten für den Hormonchip beim Vizsla

Die Kosten für den Hormonchip und dessen Injektion variieren je nach Tierarztpraxis. Für den 6-Monats-Chip entstehen für gewöhnlich Kosten zwischen 120 und 150 Euro. Der 12-Monats-Chip kostet zwischen 175 und 200 Euro.

Je nachdem wie früh der Chip verabreicht wird, belaufen sich die Kosten für eine „lebenslange“ chemische Kastration auf etwa 2.500 bis 3.000 Euro. Ein chirurgischer Eingriff ist hier deutlich günstiger, aber wegen der Narkose und der Infektionsgefahr auch mit höheren Risiken verbunden. Wobei sich auch diese – wie mir unsere Tierärztin versicherte – auf ein absolutes Minimum beschränken.

Wieso ich mich für den Hormonchip entschieden habe

Aus meiner Sicht muss jeder Hundehalter selbst entscheiden, wie sinnvoll eine chemische oder chirurgische Kastration beim eigenen Hund sind. Ein ausführliches Beratungsgespräch mit einem Tierarzt halte ich aber in jedem Fall für sinnvoll. Ich habe mich zusätzlich mit unserem Trainer über das Thema unterhalten, da er mir eine Einschätzung geben sollte, welche von Bayards Verhaltensweisen sich tatsächlich auf seine Hormone zurückführen lassen und bei welchen ich – durch konsequentes Training – selbst einwirken kann.

Letztlich waren es für mich die folgenden Gründe, die mich vom Einsetzen eines Hormonchips überzeugt haben:

Hündinnen belästigen

Aus beruflichen Gründen bin ich an manchen Tagen darauf angewiesen, Bayard in einer Hundetagesstätte unterzubringen. Und er liebt es, dort zu sein! Als er geschlechtsreif wurde, zeigte er plötzlich ziemlich großes Interesse an den dortigen Hündinnen: Ständiges Hinterherlaufen, lecken und aufspringen – egal ob die Hundedame nun läufig war oder nicht. Da er sich dabei ziemlich rüpelhaft benahm und auch vor kleinen Rassen nicht zurückschreckte, musste man ihn bei den Freilaufrunden separieren, damit er andere Hunde nicht verletzt. Diese Vorstellung gefiel mir ebenso wenig wie die eines liebestollen Rüden, der durch sein Benehmen sein bis dato tadelloses Sozialverhalten zu vergessen schien. Ich wollte, dass er zusammen mit den anderen Hunden in der Tagespflege toben und spielen kann, ohne dass ich mir um seine Gesundheit oder die der anderen Sorgen machen muss.

Markieren

Zusammen mit der Geschlechtsreife trat dann eine weitere männliche Eigenart zu Tage: das dauerhafte Markieren. Ich konnte mit Bayard keine hundert Meter laufen, ohne dass er sein Bein hob und sein Revier markierte. Auch beim Spielen mit anderen Hunden war er oft mehr damit beschäftigt, seine Markierung über die des anderen zu setzen, dass er am gemeinsamen Spielen kaum mehr Interesse hatte.

Tropfen

Wer glaubt, dass man nur bei Hündinnen regelmäßig hormonbedingten Putz- und Reinigungsaufwand hat, irrt gewaltig. Wie ich selbst lernen durfte (und ich hatte bereits zuvor einen Rüden!), gibt es Kandidaten wie Bayard, die extrem „tropfen“. In der gesamten Wohnung fand ich täglich weiß-gelbliche Tropfen und war ständig damit beschäftigt, diese zu beseitigen oder Hundekissen und -decke zu waschen. Besonders schlimm war es, wenn sich Bayard schüttelte oder mal wieder eines seiner „Freudentänzchen“ aufführte: Tapeten, Schränke und Fensterscheiben sahen aus wie ein Gemälde von Jackson Pollock. Wie genervt ich war, muss ich wohl nicht weiter ausführen!

Unruhe

Der Vizsla ist eine Rasse, die zu Unruhe und ständiger Anspannung neigt. Nun stellt Euch einen ohnehin hibbeligen Rüden vor, der eine läufige Hündin wittert. Bayard war in solchen Situationen völlig außer Rand und Band und vergaß alles: seine gute Erziehung oder auch, dass ich noch am anderen Ende der Leine hing. Dass er dabei mich oder sich selbst verletzten könnte, war für mich ein gewichtiger Grund, der für den Hormonchip sprach. Zudem merkte ich, dass Bayard auf Spaziergängen noch ruheloser und unkonzentrierter wurde und er auf diese dauerhafte Anspannung insgesamt nicht gut reagierte.

Dominanzverhalten

Bayard ist ein sehr dominanter und willensstarker Rüde, mit dessen Dominanzverhalten ich mitunter ordentlich zu kämpfen habe. In einem anderen Blogbeitrag habe ich bereits über die Erziehungsmaßnahmen berichtet, die wir zusammen mit einem Trainer erarbeitet haben, um dieses Benehmen bestmöglich einzudämmen. Zusammen mit Geschlechtsreife und Pubertät wurden einige Verhaltensmuster aber deutlich extremer und ich bin froh, dass der Hormonchip mich zusätzlich unterstützt, sein Dominanzverhalten besser kontrollieren zu können.

Zwei Vizsla-Rüden kämpfen ihren Rang aus

Hormonchip als Erziehungsersatz?

Chip- und Kastrations-Gegner mögen mir nun zurufen wollen, dass es Teil meiner Erziehungspflicht sei, meinen Rüden auch ohne hormonelle Einwirkung regulieren zu können. Dass die schwindende Aufmerksamkeit mir gegenüber etwas sei, dass man durch kontinuierliches Training in den Griff bekommen könnte. Und auch, dass ich mich doch bewusst für einen Rüden entschieden hätte und all diese Verhaltensmuster eben ganz typisch seien. Und ich sage: Ihr habt Recht! Aber warum muss ich es ihm und mir unnötig schwer machen?

Für mich bedeutet der Hormonchip keinesfalls, dass ich mich bei der Erziehung zurücklehnen kann. Im Gegenteil! Wir haben nach wie vor die vielen rassetypischen Baustellen, an denen wir gemeinsam trainieren. Und dennoch erleichtert uns der Chip diese Arbeit. Wohlbemerkt: Uns! Denn für mich überwiegen die positiven Effekte, die ich an Bayard beobachten kann. Er ist gelassener, konzentrierter und mir gegenüber aufmerksamer – auch beim Training. Und er kann sich wieder voll und ganz auf das Spielen mit anderen Hunden konzentrieren und die Zeit in seiner Tagesstätte genießen.

Meine Erfahrungen zum Hormonchip beim Vizsla-Rüden

Für mich steht daher außer Frage, dass sich der Hormonchip bei meinem Vizsla-Rüden voll und ganz gelohnt hat. Die positiven Effekte auf sein Wesen überwiegen, so dass ich mich entschieden habe, ihn in den kommenden Monaten dauerhaft kastrieren zu lassen.

Das Einsetzen eines Chips mit 6-monatiger Wirkdauer war für mich die ideale Möglichkeit, zu testen, welche seiner Verhaltensweisen tatsächlich auf die Hormone zurückzuführen sind. Und welche sich durch Training verbessern lassen. Für mich persönlich sind beide Eingriffe – also chemische und chirurgische Kastration – legitim. Ich halte nichts von Pauschalisierungen, denn jedes Hund-Mensch-Team ist einzigartig. Ebenso wie die Entscheidung, sich für oder gegen einen der beiden Eingriffe auszusprechen.

Fest steht allerdings auch für mich, dass weder chemische noch chirurgische Kastration einen Erziehungsersatz darstellen, sondern sie allenfalls dabei helfen können, das Zusammenleben mit dem Vizsla-Rüden für beide Seiten harmonischer zu gestalten.

Bis dahin: Stay Vizsladdicted!

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