Bachelorarbeit über den Magyar Vizsla: Und wir sind dabei!

In diesem Beitrag habt Ihr nicht nur die Möglichkeit, Euch eine Bachelorarbeit über den Magyar Vizsla kostenfrei herunterzuladen, sondern auch Miriam – die Autorin – und ihren Magyar Vizsla Rüden Buddy ein wenig besser kennenzulernen.

So wurden wir Teil einer Bachelorarbeit über den Vizsla

Seit ich meinen Blog gestartet habe, haben mich bereits unzählige Nachrichten erreicht und ich hatte die Möglichkeit, viele tolle Menschen und ihre Vizsla-Geschichten kennenzulernen. Überrascht war ich dennoch, als mich die E-Mail von Miriam erreichte, die damals an ihrer Bachelorarbeit arbeitete und auf der Suche nach Mensch-Hund-Teams war, die sie darin vorstellen konnte. Das Thema: Natürlich der Vizsla. Denn Miriam ist selbst stolze Vizsla-Besitzerin und hat ihrem „Buddy“ ihre Abschlussarbeit im Fach Mediadesign gewidmet – was für eine tolle Liebeserklärung!

Umso gerührter waren wir natürlich, als uns Miriam bat, ein Teil dieser sehr persönlichen Arbeit zu werden. Ich reichte ihr verschiedene Fotos und Texte ein und musste mich dann ein paar Wochen gedulden. Und dann – vor ein paar Tagen – bekam ich das Ergebnis endlich zu sehen.

Ich war überwältigt! Miriams Arbeit enthält nicht nur ihre ganz persönliche Geschichte mit Buddy, sondern stellt auch viele andere Vizsla-Besitzer und ihre Hunde vor – unter anderem Bayard und mich. 😊

Bachelorarbeit über den Vizsla zum Download

Ihr seid neugierig, wie eine Bachelorarbeit über den Magyar Vizsla aussieht? Eine PDF-Version zum Download findet Ihr weiter unten.

Interview mit Miriam Ellwanger über ihre Bachelorarbeit

Zunächst folgt aber noch ein kleines Interview mit Miriam über ihren Studiengang, ihre Motivation diese Arbeit zu schreiben und welche Pläne sie nun nach ihrem Studium verfolgt. So viel sei verraten: Buddy und Miriam werden dafür ihr Spanisch verbessern müssen!

Christina: Hallo Miriam. Stell Dich und Buddy doch einmal kurz vor.

Miriam Ellwanger und ihr Vizsla Buddy

Miriam: Hallo Christina. Ja, sehr gerne. Wir sind Miriam, 27, und Buddy, 12, aus München. Ich habe Buddy mit acht Wochen von einer Züchterin aus Nymphenburg bekommen. Vor etwa zwei Jahren bin ich zu Hause ausgezogen und habe Buddy natürlich mitgenommen. Zu Anfang habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie es für Buddy sein würde, von einem Haus mit großem Garten in eine 3-Zimmer-Wohnung zu wechseln. Buddy ist zwar in der Familie als Familienhund aufgewachsen, aber es war immer klar, dass ich nicht ohne ihn ausziehen würde. Aber es hat von Anfang an super funktioniert.

Christina: Würdest Du Buddy als „typischen“ Vizsla bezeichnen?

Alter Vizsla Rüde Buddy

Miriam: Auf jeden Fall. Er hat viele rassetypische Eigenschaften. Trotz seiner 12 Jahre ist er immer noch sehr aktiv und quirlig, aber auch extrem verschmust und anhänglich. Er folgt mir auf Schritt und Tritt und ist wie mein Schatten. Buddy ist nicht kastriert, kommt aber super mit anderen Hunden klar. Ich habe das große Glück, dass ich Buddy mit zur Arbeit nehmen kann und er nicht daheimbleiben muss. Obwohl er damit grundsätzlich keine Probleme. Auf der Arbeit weiß er genau, welche Kollegen Leckerlis in ihrer Schublade hat ist aber sonst sehr brav und verschläft die meiste Zeit.

Christina: Was hast Du studiert? Und wie bist du auf die Idee gekommen, eine Abschlussarbeit über den Magyar Vizsla zu schreiben?

Miriam: Neben meinem Job habe ich Mediadesign studiert, was nicht immer einfach war. Wer geht schon gerne an einem schönen Sommerwochenende Freitagabend und den kompletten Samstag in die Uni? Umso glücklicher bin ich jetzt, dass ich es geschafft habe und meinen Bachelor in der Tasche habe.

Mir war von Anfang an klar, dass mich das Thema meiner Bachelorarbeit zu 100% persönlich interessieren und es sich in meinen Alltag integrieren lassen muss. Nachdem ich täglich eigentlich 24/7 Zeit mit Buddy verbringe, hat sich das Thema „Magyar Vizsla“ für mich perfekt angeboten. Ich konnte dadurch noch mehr über die Rasse lernen, Einblicke in das Leben anderer Vizsla Besitzer bekommen und ein sehr persönliches Andenken an meinen Hund schaffen.

Christina: Das klingt toll! Was sind denn Deine bzw. Eure Pläne für die nächste Zeit?

Miriam: Ich werde für ein paar Monate nach Spanien gehen, um einfach mal raus zu kommen und eine andere Sprache und Kultur kennenzulernen. Buddy begleitet mich dabei natürlich. Und ich bin gespannt, wie es ihm und mir gefallen wird.

Miriam Ellwanger und ihr Vizsla Buddy

Christina: Wie bist Du bei der Gestaltung Deiner Arbeit vorgegangen?

Miriam: Am Anfang sollte meine Arbeit eigentlich ein reiner Bildband werden, bei dem ich die Seiten mit selbst aufgenommenen Bildern fülle. Schnell wurde mir dann aber klar, dass Interviews, Geschichten und Grafiken meinem Buch noch mehr Leben einhauchen würden.  Dafür musste ich natürlich viel Material zusammentragen und eben Menschen, Hunde und deren Geschichten finden.

Christina: Was waren die Auswahlkriterien für die Menschen und ihre Hunde, die Du dort vorstellst?

Miriam: Ehrlicherweise hatte ich zu Beginn sogar Schwierigkeiten, spannende Vizsla-Besitzer zu finden, die ein Teil meiner Arbeit werden wollen. Wie man sieht, habe ich dann aber doch noch perfektes Material bekommen: Keine Geschichte und kein Interview ähneln sich, so dass der Betrachter auf jeder Seite eine neue Welt betritt. Das habe ich auch versucht, durch das Layout der einzelnen Seiten zu unterstreichen, die alle ganz unterschiedlich sind.

Christina: Wie war die Resonanz auf Deine Arbeit bisher?

Miriam: Wichtig war mir vor allem, dass ich selber zufrieden mit meiner Arbeit bin. Und das ist mir gelungen! Nachdem ich meine gebundene Arbeit wahrscheinlich erst in ein paar Wochen erhalte, habe ich bis jetzt nur Feedback auf die digitale Version bekommen. Das war allerdings super und hat mich echt stolz und glücklich gemacht.

Christina: Hast Du noch weitere Pläne mit Deiner Bachelorarbeit über den Magyar Vizsla?

Miriam: Bis jetzt hab ich mir noch keine Gedanken gemacht, ob ich damit noch etwas anderes mache, als es nur als dekoratives Coffee Table Book in meine Wohnung zu legen. Meine Schwester hat vorgeschlagen, es in gebundener Form zum Kauf anzubieten. Aber da bin ich mir noch nicht sicher. Ich freue mich jedenfalls, dass es hier in Deinem Blog schon einmal als PDF downloadbar ist.

Christina: Ja, darüber freue ich mich auch sehr!

Nun möchte ich Euch auch nicht länger auf die Folter spannen und Euch die Möglichkeit bieten, Euch selbst ein Bild von der Bachelorarbeit von Miriam über den Magyar Vizsla zu machen. Ich bin gespannt, wie sie Euch gefällt und denke, dass sich auch Miriam und Buddy über Eure Kommentare freuen werden!

Interview: Der Vizsla als Blutspender

Für verletzte oder kranke Hunde kann gespendetes Blut über Leben und Tod entscheiden. Toll, dass es immer mehr Hundehalter gibt, die mit ihren Hunden Blut spenden. Aber eignet sich auch der Vizsla als Blutspender? Janina hat mit mir über ihre Erfahrungen mit dem Blutspenden bei ihrer Vizsla-Hündin Syrinx gesprochen. Denn leider kann nicht jeder Hund zum Lebensretter werden.

Christina: Hallo Janina. Vielen Dank, dass Du Dir Zeit für das Interview zu diesem unglaublich wichtigen Thema nimmst. Bevor wir starten: Stell Euch doch einmal vor.

Janina: Hey Christina. Ich freue mich sehr, denn auch auf für mich ist das Thema „Blutspende beim Hund“ eine Herzensangelegenheit.

Also, mein Name ist Janina, ich bin 30 Jahre alt und lebe mit meiner Viszlahündin Syrinx in der Nähe von Stuttgart, gemeinsam mit meinem Freund und seiner Schäfer-Mix-Hündin Luna. Syrinx ist 3,5 Jahre alt und ich würde sie als einen verschmusten Clown beschreiben. Sie ist sehr anhänglich, will überall mit dabei sein und ist jederzeit für Aktion bereit. Dazu kann sich aber auch sehr dickköpfig und eigensinnig sein – ein echter Vizsla eben.

Janina und Vizsla Syrinx

Christina: Ja, diese Eigenschaften kenne ich auch! Nun aber zum Blutspenden: Wie seid Ihr auf die Möglichkeit aufmerksam geworden, dass der Hund Blut spenden kann?

Janina: Ein befreundeter Hund ist vor zwei Jahren schwer erkrankt (und mittlerweile leider verstorben) und nach den ersten Untersuchungen wurde eine Autoimmunkrankheit vermutet, die durch Blutspenden hätte behandelt werden können. Wir wurden gefragt und ließen uns von der Klinik in ihre Blutspende-Kartei aufnehmen. Die Diagnose bestätigte sich leider nicht und eine Blutspende konnte ihm nicht helfen, aber in der Kartei sind wir geblieben, um anderen Hunden helfen zu können.

Christina: Warum ist es aus Eurer Sicht sinnvoll, Blut zu spenden?

Janina: Wie beim Menschen gibt es viele Fälle, in denen Blutkonserven benötigt werden: Zeckenkrankheiten, große OPs, Unfälle…die Liste ist lang und es kann jeden unserer Hunde treffen. Die Tierkliniken und Tierärzte sind in solchen Fällen auf Spenderblut angewiesen. Mit einer Blutspende kann mein Hund einem anderen Hund also das Überleben und eine gute Genesung sichern. Wenn Syrinx mal etwas passiert, hoffe ich, dass auch ihr ein anderer Hund helfen kann. Wir als Hundehalter können so füreinander da und unsere Hunde echte Lebensretter sein!

Christina: Das hast Du toll gesagt! Gibt es denn nur eine Art, wie ein Hund Blut spenden kann?

Janina: Je nach Klinik oder Praxis gibt es meist zwei Möglichkeiten, wie der Hund Blut spenden kann. Die wohl häufigere Variante ist das spontane Spenden. Dabei ruft der behandelnde Tierarzt im Bedarfsfall an und das Blut wird unmittelbar vor oder sogar während der OP abgenommen und direkt verwendet. Die zweite Variante ist das geplante Spenden. Dabei macht man – vergleichbar wie bei Menschen – einen Termin aus, an dem der Hund spendet. Sein Blut wird dann konserviert und bei Bedarf verwendet. Diese Variante ist eher selten, weil viel Aufwand für die Konservierung betrieben werden muss und viele Kliniken und Tierärzte diese Möglichkeit nicht haben.

Christina: Wie läuft eine Blutspende normalerweise ab?

Janina: Ich kann hier nur vom spontanen Spenden erzählen, weil unsere Klinik dieses Vorgehen anwendet.

  1. Die Klinik hat meine Handynummer und ruft im Bedarfsfall an. Bisher war es immer einen Tag vorher. Dann wird abgefragt, ob man Zeit hat und etwas dagegenspricht, dass Syrinx spenden könnte. Ein „Nein“ wird zu jeder Zeit akzeptiert! Wenn man Zeit hat, wird ein Termin vereinbart, der mit der OP abgestimmt wird. Dabei passt die Klinik für gewöhnlich den OP-Termin den zeitlichen Möglichkeiten des Spenders an.
  2. Zum Termin geht es dann (wenn möglich) nüchtern zur Klinik. Dort wird der Hund abgegeben und eine Blutprobe genommen. Ohne Corona-Pandemie hat der Halter die Möglichkeit, hier noch dabei zu sein. Mit der Blutprobe wird geprüft, ob die Werte in Ordnung sind und der Hund gefahrlos spenden kann.
  3. Passt alles, wird der Spender-Hund leicht sediert (das ist keine Narkose, eher ein „dämmrig machen“) und die Halsvene freirasiert, damit dort das Blut abgenommen werden kann. Über die Halsvene geht es schneller und schonender für den Spenderhund als über die Armvenen.
  4. Nach dem Spenden darf der Hund in Ruhe wieder wach werden und bekommt eine Kochsalz-Infusion, damit der Kreislauf schneller in Schwung kommt und der Blutverlust ausgeglichen wird. 
  5. Während des Wachwerdens wird der Halter informiert, ob alles gut gelaufen ist und wann der Hund wieder abgeholt werden kann.
  6. Bei der Abholung wird dann nochmal geschaut, dass der Hund die Klinik in einem guten Zustand verlässt.
Vizsla nach der Blutspende
Nach der Blutspende bleibt ein kleiner Verband

Christina: Kann jeder Hund Blut spenden? Oder gibt es bestimmte Voraussetzungen?

Janina: Ja, es gibt immer Voraussetzungen für das Blutspenden, die können sich aber von Klinik zu Klinik unterscheiden. In unserer Klinik gibt es folgende Voraussetzungen:

  • Alter zwischen 1,5 und 8 Jahren
  • Körpergewicht von mindestens 20 kg
  • Keine chronischen Erkrankungen
  • Regelmäßiger Impfschutz

Besonders die Vorgabe des Gewichts schwankt je nach Klinik. Je schwerer der Spender, desto mehr Blut kann ihm entnommen werden. Syrinx hat mit ihren 25 kg bisher zum Beispiel immer kleinen Hunden Blut gespendet.

Neben den gesundheitlichen Aspekten sollte jeder Halter auch überlegen, ob es dem eigenen Hund zumutbar ist. Wenn der Hund Probleme mit fremden Menschen oder grundsätzlich mit dem Blutabnehmen hat, kann es sehr viel Stress für ihn bedeuten und die Blutspende sogar unmöglich machen.

Christina: Wie oft kann ein gesunder Hund Blut spenden?

Janina: Grundsätzlich kann ein gesunder Hund 3- bis 4-mal im Jahr Blut spenden. Bei der Blutuntersuchung wird aber immer geprüft, ob genügend rote Blutzellen für eine Spende vorhanden sind.

Christina: Wie viel Blut wird entnommen?

Janina: Die Blutmenge, die entnommen werden kann, hängt vom Gewicht des Spenders ab. Beim Aufklärungsgespräch wurde mir erzählt, dass bis zu einem halben Liter abgenommen werden kann. Beim Vizsla wird es aber aufgrund des Gewichts etwas weniger sein.

Christina: Ich habe gehört, dass es mit dem Vizsla mitunter schwierig sein kann, Blut zu spenden?

Janina: Ganz falsch ist das nicht. Es gibt meines Erachtens zwei wichtige Punkte, die gegen den Vizsla als Spender sprechen können:

Viszlas liegen meist um die Gewichtsgrenze herum, die für das Blutspenden erreicht werden soll. Syrinx ist mit ihren 25 kg (und 63 cm) für eine Hündin sehr groß und viele Vizsla-Rüden erreichen die 20 kg-Grenze ohne Probleme. Aber kleinere und schlankere Rassevertreter können zu leicht für das Blutspenden sein.

Außerdem gehört der Vizsla normalerweise nicht zu den ruhigsten Hunden. Dadurch kann das „Handling“ während der Blutabnahme schwierig sein. Schließlich muss der Vizsla sich vom Klinikpersonal führen, auf den Tisch heben und behandeln lassen (ohne, dass der eigene Mensch dabei ist). Ist der Hund zu aufgedreht, wäre unnötig viel Sedierung nötig, damit gefahrlos Blut entnommen werden kann. Syrinx ist auch nicht gerade ein ruhiger Vertreter ihrer Rasse, aber sie hat Ruhe gelernt und kann sich gut zurücknehmen. Sie hat bisher übrigens noch nie die höchstmögliche Dosis für die Sedierung gebraucht und war immer sehr umgänglich, auch wenn sie nicht 100% stillgestanden hat. Eine Statue muss der Hund zum Blutspenden nicht sein können.  

Christina: Gibt es denn auch Argumente, die für den Vizsla als Blutspender sprechen?

Janina: Vizslas sind ja nicht nur lebhaft und aufgedreht, sondern sehr freundliche und offene Hunde. Dadurch lassen sie sich gut von fremden Personen händeln und erobern dabei schnell die Herzen des Klinikpersonals. Neben dem tollen Charakter ist der Vizsla eine robuste und gesunde Rasse und erfüllt (solange das Gewicht stimmt) sehr oft die Voraussetzungen für das Blutspenden. Zusätzlich hat auch das kurze Fell Vorteile, weil wenig rasiert werden muss und die Venen einfach zu finden sind. 

Christina: Du hast eben schon gesagt, dass Blutspenden Leben retten kann. Gibt es weitere Gründe, aus denen es sich aus Deiner Sicht lohnt, mit seinem Hund Blut zu spenden?

Janina: Ja, klar. Es gibt viele gute Gründe, Blut zu spenden. Da wäre einerseits der gründliche gesundheitliche Check-Up, bevor der Hund in die Spenderkartei aufgenommen wird, die kostenfrei ist. Vor jeder Spende wird nämlich ein „kleines Blutbild“ gemacht. Wie beim Menschen hat die Blutspende also auch beim Hund positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Außerdem – aber das ist für uns völlig nachrangig – gibt es eine finanzielle Aufwandsentschädigung für das Spenden. Bei uns sind es 25 € und das Geld kommt Syrinx immer in Form von Leckerlies oder neuen Spielsachen zugute.

Christina: Gibt es etwas, das man nach dem Blutspenden beachten sollte?

Janina: Wie auch beim Menschen sollte hohe körperliche Belastung am Tag der Blutspende vermieden werden. Durch die leichte Sedierung kann es auch nach dem Abholen noch zu Problemen mit der Koordination, z.B. dem Treppenlaufen, kommen. Wir wohnen im dritten Stock und haben Syrinx bisher nach der Blutspende immer hochgetragen. Nach einer Runde Schlaf konnte sie abends aber wieder alleine laufen. Autofahren war für sie bisher übrigens kein Problem danach.

Der Vizsla nach der Sedierung für die Blutspende
Nach dem Blutspenden sollte man dem Vizsla viel Ruhe gönnen.

Christina: Ihr Lieben, ich danke Euch, dass Ihr zu diesem Thema Aufklärungsarbeit geleistet habt und ich hoffe, dass sich ganz viele Leser weitergehend mit dem Thema beschäftigen und mit ihrem Vizsla eine Blutspende in Erwägung ziehen.

Janina: Ja, das hoffe ich auch. Denn wie toll ist es bitte, wenn der eigene Hund zu einem echten Lebensretter wird?

Ihr möchtet noch mehr über das Blutspenden mit dem Vizsla erfahren und habt Fragen an Janina und ihre Syrinx? Ihr könnt die beiden über ihr Instagramprofil @jani_und_syrinx erreichen. Dort findet Ihr auch ein entsprechendes Story-Highlight mit einem Q&A.

Interview: Den Vizsla barfen. Das solltest Du beachten!

Barfen ist aktuell ein großer Trend. Auch unter Vizsla-Besitzern. Da ich so neugierig war, was sich hinter dem Konzept verbirgt, welche Vorteile die Rohfütterung bietet und wie viel Zeit und Geld man tatsächlich investieren muss, habe ich mich mit Barf-Beraterin Dini von „Weil barfen einfach ist“ unterhalten. Das Interview lest Ihr im Folgenden:

Christina: Hallo Dini, vielen Dank, dass Du Dir Zeit für das Interview nimmst. Du bist „Barf-Beraterin“. Erzähl uns doch mal, wie man sowas wird und warum Du Dich dafür entschieden hast.

Dini: Hey Christina, ich freue mich auch! Barf-Berater kann man heutzutage ganz einfach werden. Der Begriff ist leider nicht geschützt, so dass sich jeder theoretisch Barfberater nennen kann.
Inzwischen gibt es unzählige Ausbildungsangebote, vom Wochenendkurs bis hin zur mehrmonatigen „Ausbildung“.

Ich persönlich hatte nie den Plan, Barf-Beraterin zu werden. Doch vor vier Jahren war das Zusammenleben mit meiner Hündin eine Katastrophe – nicht, weil sie nicht erzogen war, sondern weil sie sich extrem verändert hatte. Leider hat mich lange niemand ernst genommen und erst nach einer Odyssee aus Tierärzten und Trainern kam ich zu einer Trainerin, die mir den Tipp gab, einmal die Schilddrüse meiner Abby untersuchen zu lassen. Gesagt, getan.

Am gleichen Tag fand ich bei Facebook eine Gruppe, die sich mit der Schilddrüse bei Hunden beschäftigte. Und was ich an jenem Abend las, hat mir die Augen geöffnet: Ich erkannte meine Hündin in jeder Zeile wieder. Noch bevor ich die Ergebnisse des Tierarztes hatte, um zu einer Spezialistin zu gehen, sah ich das Angebot für eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin für Hunde.

Da wir schon barften, seit Abby ein Jahr alt war und ich nicht wieder auf zig Fachleute vertrauen wollte, machte ich die Ausbildung kurzerhand und schloss eine weitere mehrmonatige Ausbildung bei Swanie Simon an.

Barfberaterin Dini und ihre Hündin Abby
Barfberaterin Dini und ihre Hündin Abby

Durch meinen Blog bekam ich durch meine Aufklärungsarbeit bezüglich der Schilddrüse beim Hund so viele Zuschriften, dass ich beschloss, mein Wissen für andere zur Verfügung zu stellen und als Barfberaterin zu arbeiten.

Inzwischen liegt mein Fokus darauf, zu zeigen, dass es keine Wissenschaft ist und man nicht studiert haben muss, um zu barfen. Und dass diese Art der Fütterung bei vielen Krankheiten, wie auch der Schilddrüsenunterfunktion, helfen kann.

Christina: Barfen ist heutzutage buchstäblich in aller Munde. Dabei erlebe ich oft, dass Hundebesitzer schon von Barfen sprechen, wenn sie Nudeln, Reis oder Gemüse unter das Futter mischen. Was ist mit dem Konzept des Barfens aber wirklich gemeint?

Dini: Barfen an sich bedeutet Biologisch artgerechte rohe Fütterung. Sprich: Man füttert seinem Hund rohe tierische Komponenten sowie Obst und Gemüse. Ich persönlich erstelle meine Pläne nach dem Beutetierprinzip. Das bedeutet, wir bauen ein Beutetier nach. Dazu landen Muskelfleisch, Innereien, Knochen und Pansen im Napf – zusammen mit einigen wirklich wichtigen Nahrungsergänzungsmitteln.

Es gibt noch ein zweites System, das mit den NRC-Werten arbeitet. Dazu werden die bekannten Bedarfswerte genutzt und ein Barf-Plan erstellt.

Es gibt viele, die aus diesen Begrifflichkeiten eine Religion machen. Ich sehe das ganze entspannter. Meine Hunde bekommen auch Nudeln und Reis, wenn mal etwas übrigbleibt. Sie vertragen es gut und bevor ich es wegschmeiße, landen die Lebensmittel im Futternapf. Was man allerdings nicht als Barfen bezeichnen sollte, ist Gehacktes und Möhre zusammenzumischen. Das ist auf lange Sicht gesehen weder ausreichend, noch gesund für den Hund!

Welches System des Barfens, NRC-Wert oder Beutetierprinzip, einem nun zusagt, muss jeder für sich entscheiden. Wer barfen möchte, sollte hinter dem Fütterungsprinzip stehen und sich für eine Methode entscheiden, die zu einem passt.

Christina: Welche Vorteile hat es, seinen Hund zu barfen?

Dini: Der wohl größte Vorteil liegt darin, dass man genau weiß, was im Napf landet. Das ist auch für mich DER Grund, weswegen ich meine Hunde barfe. Ich versuche mich und meine Familie so gesund es geht zu ernähren und gleiches gilt für unsere Hunde.

Dadurch, dass ich bestimme, wo ich das Fleisch kaufe, bestimme ich die Qualität und die Herkunft. Das ist bei Fertigfutter nicht gegeben. Was mir möglich ist, baue ich an Gemüse selber an oder freue mich über Mitbringsel meiner Schwiegermama aus dem Garten. Auch kann ich bestimmen, welche Nahrungsergänzungsmittel meine Hunde wirklich brauchen und bin nicht daran gebunden, was mir Futtermittelhersteller vorgeben.

Seitdem ich mich intensiver mit der Deklaration von Hundefutter auseinandergesetzt habe, ist gängiges Hundefutter für mich nicht mehr fütterbar.

Hund mit Barf Rationen für eine gesunde Ernährung
Abby mit vorportionierten Barf-Portionen. Einfach auftauen. Fertig!

Christina: Vizslas sind für zwei „Schwachstellen“ bekannt: Einerseits Hautempfindlichkeiten, andererseits Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien. Wie kann Barfen helfen, solche Probleme in den Griff zu bekommen?

Dini: Bezüglich der Unverträglichkeiten und Allergien hat man mit dem Barfen einfach alles in der Hand. Im Fertigfutter sind immer auch Konservierungsstoffe enthalten. Dosen haben Legierungen, auf die Hunde reagieren können. Deswegen bringt es auch nichts, eine Ausschlussdiät mit Reinfleischdosen zu machen. Beim Barfen kann man genau schauen, was der eigene Hund verträgt, worauf er reagiert und dann den Plan genau danach ausrichten.

Bei Hautempfindlichkeiten sollte man immer genau schauen, was genau das Problem ist und wo die Ursache liegt. Ich bin kein Freund davon, nur Symptome zu bekämpfen, sondern die tatsächliche Ursache zu suchen und zu beheben. Aber auch hier kann es natürlich helfen, durch das Barfen auf diverse Zusatzstoffe zu verzichten.

Christina: Ich glaube, viele Hundebesitzer scheuen zwei Dinge: Den Aufwand und die Kosten. Vielleicht kannst Du hier ein bisschen aufklären. Wie viel kostet ausgewogenes Barfen pro Monat in etwa? Und wie viel Zeit nimmt es in Anspruch?

Dini: Ich habe meine Barf-Beratung nicht umsonst „Weil Barfen einfach ist“ getauft. Das kann es nämlich wirklich sein, wenn man sich von dem Druck diverser Facebook-Gruppen frei macht. Je nachdem wie groß der Hund ist, kann man zum Beispiel schon darauf verzichten, das Futter vorzuportionieren. Theoretisch reicht es, den Bedarf für den Monat auszurechnen und das Futter dementsprechend zu bestellen. Dann friert man einfach Stück für Stück alles auf bzw. schaut, was man kombinieren kann. Knochen sollten zum Beispiel immer mit Muskelfleisch gefüttert werden. Ich habe bei meinen zwei Hunden täglich zwei Dosen mit tierischen Komponenten und eine mit Obst und Gemüse im Kühlschrank. Dann stelle ich den Napf auf die Waage, packe die Menge an Futter hinein, gebe noch ein oder zwei Nahrungsergänzungsmittel hinzu und das war’s auch schon. Es ist also nicht viel komplizierter als eine Dose aufzumachen.

Rohfütterung und Barfen für den Vizsla

Bei den Kosten kommt es natürlich immer auf den Hund an! Für einen Chihuahua kommt man schon mit 10 Euro im Monat hin. Meine weiße Schäferhündin mit ihren 30 Kilogramm kostet mich zwischen 50 und 70 Euro für die tierischen Komponenten, je nachdem wo ich bestelle. Auch hier gibt es natürlich Onlineshops, die sind günstig und verkaufen nur Müll, es gibt aber auch teure Shops, die mich in der Qualität nicht überzeugt haben. Hier heißt es: Entweder auf Erfahrungen anderer schauen oder sich durchtesten.

Da ich nur so viele Nahrungsergänzungsmittel nutze, wie wirklich notwendig sind, sind die Kosten hier überschaubar. Ein Seealgenmehl, welches ca. 6 Euro kostet, reicht bei meinen zwei Hunden knapp ein Jahr und das Öl, für knapp 9 Euro, ca. 2 Monate.

Beim Obst und Gemüse muss man einfach ein wenig schauen. Wer Geld sparen möchte, kann Samstagabend im Supermarkt einkaufen, da bekommt man Obst und Gemüse fast hinterhergeschmissen. Aber auch selber im Garten anbauen ist vielleicht für den ein oder anderen eine Option. Allgemein rate ich bei Obst und Gemüse darauf, regional und vor allem saisonal zu kaufen, wann immer es geht.

Christina: Ich habe gehört, dass ein falscher Ernährungsplan dazu führen kann, dass der Hund nicht mit allen Nährstoffen versorgt wird. Kann das beim barfen leicht passieren?

Dini: Wenn man nur Fleisch und Gemüse ohne Sinn und Verstand füttert, kann das passieren. Das Gute (oder auch Schlechte): Unsere Hunde können einen Mangel oft sehr lange kompensieren. Was natürlich kein Grund sein sollte, sich nicht mit dem Thema zu befassen. Es gibt ein ganz tolles Buch, das ich jedem empfehlen kann, der sich mit dem Thema beschäftigen möchte: Das Barf Buch von Nadine Wolf. Wenn man mich fragt, das leichtverständlichste Buch, was es auf dem Markt gibt.

Wer unsicher ist oder keine Lust hat, sich in das Thema einzulesen, sollte sich Hilfe von einem Barf-Berater holen. Hierbei solltet Ihr darauf achten, welche Qualifikationen derjenige hat.

Insgesamt kann ich beruhigen: Bei einem gut aufgestellten Barf-Plan passiert so schnell nichts. Auch nicht, wenn man mal einen Monat den Fisch vergisst oder das Öl eher aufgebraucht ist, als man dachte.

Den Vizsla gesund ernähren mit Barfen

Christina: Kann man mit dem Barfen sofort beginnen? Oder braucht es einen sanften Übergang?

Dini: Nein, bitte nicht. Die Verdauung funktioniert beim Fertigfutter anders als beim Barfen. Der ganze Verdauungsprozess ist anders. Daran muss sich der Körper erst einmal gewöhnen. Daher sollte man mit einem Fastentag beginnen und dann erst Muskelfleisch und Obst und Gemüse einführen. Wenn der Hund das einige Tage gut vertragen hat, kann man Innereien hinzugeben und wieder ein paar Tage warten, um zu sehen, ob der Hund das verträgt. Dann kann man den Pansen mit in den Plan integrieren und zu guter Letzt die Knochen.

Je mehr Zeit man sich bei der Umstellung lässt, desto besser ist es für die Verdauung des Hundes.

Christina: Gibt es Hunde, die Barfen nicht vertragen? Und wenn ja, warum?

Dini: Ja, das gibt es durchaus! Meist liegen hier gesundheitliche Gründe vor. Das kann von einer Futtermittelunverträglichkeit bis hin zu schwerwiegenden Krankheiten alles sein. Bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung ist man froh, wenn der Hund überhaupt etwas verträgt. Und dann sollte man von der Ideologie Barfen abweichen und dem Hund das geben, was er verträgt.

Um aber noch einmal auf deine vorherige Frage zurückzukommen: Oft höre ich von Hundebesitzern, dass ihr Hund das Barfen nicht vertragen hätte. Im weiteren Gespräch stellt sich dann heraus, dass die Umstellung aufs Barf von jetzt auf gleich vorgenommen wurde und nicht Stück für Stück. Auch das könnte ein Grund sein, warum der Hund es nicht verträgt.

Über den Daumen gepeilt würde ich aber sagen, dass die Mehrheit der Hunde das Barfen gut verträgt und man oft andere Ursachen für eine vermeintliche Unverträglichkeit findet.

Christina: Die Lagerung von rohem Fleisch und Fisch ist sicher nicht unproblematisch. Hast Du hier ein paar Tipps?

Dini: Tatsächlich machen sich die Menschen darüber ganz viele Gedanken, dabei ist es gar nicht so kompliziert. Die meisten kaufen das Fleisch inzwischen im Internet oder gefroren im Barfshop. Je nachdem, ob man vorportioniert oder nicht, kommt das Fleisch gleich wieder in den Tiefkühlschrank und man taut es nur auf, wenn man es braucht. Da passiert nicht viel.

Wichtig ist, das Futter richtig aufzutauen. Hierbei sollte man darauf achten, dass Sauerstoff an das Fleisch kommt, damit sich keine gefährlichen Keime entwickeln können. Dafür reicht es, die Verpackung einzuschlitzen.

Wen man das Futter vorportioniert, lässt man das Fleisch bis zu dem Grad antauen, in dem man es verarbeiten kann. Man gibt alle Komponenten in eine große Schüssel, mischt durch und verteilt es dann auf kleinere Dosen. Hier ist es am Ende nur wichtig, alles wieder ordentlich sauber zu machen. Normale Küchenhygiene reicht aber vollkommen aus.

Christina: Du erstellst individuelle Barf-Pläne. Welche Kriterien spielen für Dich dabei eine Rolle?

Dini: Das Individuum, das die Besitzer zu Hause haben. Einen Welpen ernährt man ein bisschen anders als einen erwachsenen Hund. Einen kastrierten Rüden braucht weniger Futter, als ein intakter und ein Sporthund hat andere Bedürfnisse als ein Couchpotatoe. Daher frage ich in meinen Anamnesebögen ganz viele Dinge rund um den Hund ab: Wie lange ist er draußen? Wie viele Stunden ist er in geschlossenen Räumen? Ist es ein Hund, der für die Zucht eingesetzt werden soll? Gewicht? Alter? Bei Hunden mit Erkrankungen spielt natürlich die ganze Krankheitsgeschichte mit hinein. Je mehr ich über einen Hund weiß, desto besser kann ich meinen Ernährungsplan anpassen.  

Aber nicht nur auf die Hunde kommt es an, wobei die natürlich die wichtigste Rolle spielen. Ich habe inzwischen einige Vegetarier und Veganer unter meinen Kunden, die ihren Hund dennoch artgerecht mit Fleisch ernähren wollen. Das ist super. Aber da schaue ich, dass ich ihnen das Barfen so einfach wie möglich mache. Dann ist gewürfeltes Fleisch besser als solches in großen Würsten oder Platten.

Christina: Stehst Du auch nach der Plan-Erstellung weiterhin mit Rat und Tat zur Seite?

Dini: Natürlich! Je nachdem, welches Paket meine Kunden gebucht haben, stehe ich offiziell zwischen einem und zwölf Monaten zur Verfügung. Bisher habe ich aber auch jede Frage beantwortet, die danach gestellt wurde.

Wenn ich meine Arbeit gut gemacht habe, brauchen mich meine Kunden nach der Betreuungszeit aber gar nicht mehr.

Ihr habt weitere Fragen zum Barfen? Oder würdet Euch gerne einen individuellen Barf-Plan für Euren Vizsla erstellen lassen? Dann meldet Euch gerne bei Dini: info@weilbarfeneinfachist.de

Interview: Der Magyar Vizsla als Rettungshund

Ihr würdet Euren Vizsla gerne rassegerecht auslasten? Und habt darüber nachgedacht, die Nasenarbeit mit Eurem vierbeinigen Gefährten auszubauen? Oder sie sogar im Bereich der Rettungshundearbeit zu professionalisieren? Dann solltet Ihr hier unbedingt weiterlesen. In meinem heutigen Blogbeitrag erfahrt Ihr von einer echten Expertin, was es braucht, um Euren Vischel zum Rettungshund ausbilden zu lassen, wie sich die Nasenarbeit positiv auf das Wesen auswirken kann und wie Ihr – mit einfachen Übungen – auch „zwischendurch“ für tolle Abwechslung sorgt. Neugierig? Dann immer der Nase nach!

Wir alle wissen: Der Vizsla fordert nicht nur ausreichend Bewegung, auch sein Kopf braucht regelmäßige Beschäftigung und Auslastung. Ich denke, die Vizsla-Besitzer werden mir Recht geben, dass sich „Intelligenzübungen“ sehr positiv bemerkbar machen. Und Nasenarbeit ist hier die Paradedisziplin!

Viele von Euch arbeiten daher beispielsweise mit einem Dummy, um das Suchen und Finden gezielt zu fördern. Auch mein Bayard hatte von Beginn an so viel Freude an der Nasenarbeit, dass ich zunächst im Haus, und später dann auch auf Spaziergängen, Leckerlis versteckt habe, die er sich dann im Unterholz erschnüffeln musste. 

Die Freude, die er dabei zeigte, war für mich Grund genug, mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Und wer könnte dafür besser geeignet sein, als eine echte Nasenarbeit-Expertin?

Für meinen Blogbeitrag habe ich mich mit Annkatrin Laukel unterhalten. Sie und ihr Vizsla-Rüde Bjarne sind ein geprüftes und anerkanntes Hund-Mensch-Team im Bereich der Rettungshundearbeit. Werden Personen vermisst, bekommt Annkatrin einen Anruf von der Polizei und unterstützt zusammen mit Bjarne die Suche.

Und wisst Ihr, was das Beste ist? Rettungshund Bjarne ist der Vater meines Vizslas Bayard. Daher war es für mich eine besondere Freude, von Annkatrin alles über diese wunderbare Arbeit zu erfahren. Ein echtes „Familientreffen“ also 😊


Interview


Christina: Hallo Annkatrin. Danke, dass Du Dir Zeit für das Interview nimmst.

Annkatrin: Hey Christina, ich habe mich sehr über Deine Anfrage gefreut. Die Rettungshundearbeit ist eine tolle Sache und ich fände es klasse, wenn sich mehr Vizsla-Besitzer entscheiden würden, ihre Hunde entsprechend ausbilden zu lassen.

Christina: Ich kann mir vorstellen, dass die Arbeit spannend, aber sicher auch fordernd ist. Doch lass uns vorne anfangen: Was hat Dich dazu bewegt, Deinen Bjarne als Rettungshund ausbilden zu lassen?

Annkatrin: Kurz nachdem wir Bjarne damals bekamen, habe ich im Fernsehen einen Beitrag über einen Hund gesehen, der zum professionellen Rettungshund ausgebildet wurde. Ich war sofort fasziniert von der konzentrierten Arbeit des Hundes und der engen Bindung zwischen Mensch und Hund. Für mich war ab diesem Zeitpunkt klar: Das will ich auch machen!

Magyar Vizsla als Rettungshund

Christina: Wie ging es dann weiter? Wohin wendet man sich, wenn man den Entschluss gefasst hat, seinen Hund zum Rettungshund ausbilden zu lassen?

Annkatrin: Ich bin mir sicher, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt, aber ich habe mir über das Internet zwei Rettungshundestaffeln in der Nähe meines Wohnortes gesucht und Kontakt aufgenommen. Ich habe den Staffelleitern viele Fragen gestellt und mir zusammen mit Bjarne auch „live“ einen Eindruck von der Arbeit gemacht. Bei der zweiten Staffel hat die Chemie sofort gestimmt. Für mich war das sehr wichtig, denn wenn man sich für eine so zeitintensive Aktivität entscheidet, sollten sich Mensch und Hund wohlfühlen – nicht nur miteinander, sondern eben auch im gesamten Team. Ich kann jedem nur empfehlen, sich mehrere Staffeln anzuschauen und darauf zu hören, was einem das Bauchgefühl sagt.

Christina: Musstet Ihr Euch denn direkt verpflichten oder kann man erstmal ganz in Ruhe „schnuppern“?

Annkatrin: Unsere Staffel bietet Interessenten an, unverbindlich ein paar Trainings zu besuchen. Aus meiner Sicht ist das der richtige Weg. Denn nur so kann ich entscheiden, ob diese Art der Arbeit etwas für mich und meinen Hund ist. Die Rettungshundearbeit ist eben nicht nur ein Hobby, sondern eine echte Verantwortung, für die man sich aus vollem Herzen entscheiden sollte.

Nach den Probetrainings schließt unsere Staffel standardmäßig einen Probevertrag für ein Jahr ab, so dass man hier auch nochmal schauen kann, ob Mensch und Hund die nötige Zeit und Leidenschaft mitbringen. Erst nach diesem Jahr sind dann auch Bjarne und ich voll eingestiegen.

Christina: Hast Du durch die Ausbildung positive Veränderungen an Bjarne beobachten können?

Annkatrin: Absolut! Bjarne liebt seine Arbeit und ist mit vollem Herzen dabei. Das habe ich von Anfang an gemerkt. Und obwohl er schon immer ein eher ruhiger und ausgeglichener Vizsla war, haben sich diese Eigenschaften in der Ausbildung noch verstärkt. Natürlich helfen die regelmäßigen Trainings auch dabei, den Gehorsam zu stärken. Ebenso hat sich die Beziehung zwischen Bjarne und mir intensiviert. Wir sind bei einem Sucheinsatz aufeinander angewiesen und vertrauen einander zu 100 %. Das geht so weit, dass ich Bjarne auf Spaziergängen auch 100 Meter vorlaufen lassen kann. Er ist auch auf Distanz und ohne Sichtkontakt zu jeder Zeit ansprech- und abrufbar.

Außerdem springt Bjarne niemanden an. Dieses Verhalten hat bei der Suche einen so wichtigen Stellenwert, dass er es nur dann und nur bei mir als Hundeführer anwendet. Aber das kann ich später noch ein bisschen ausführen…

Christina: Ja, gerne. Vorher würde ich aber nochmal zu dem Punkt „ruhig und ausgeglichen“ zurück; bei Vizslas bekanntermaßen ein schwieriges Thema. Auch mein Bayard, der durch Bjarne ja offenbar die besten genetischen Voraussetzungen gehabt hätte, ist eher Typ „unruhiger Geist“. Und ich kenne viele Vizsla-Besitzer, deren Hunde leicht erregbar oder nervös sind. Sind solche Vischels denn überhaupt für den Einsatz als Rettungshund geeignet?

Annkatrin: Grundvoraussetzung ist meiner Meinung nach, dass der Hund Lust hat, mit seinem Menschen zusammenzuarbeiten und lernwillig ist – beides würde ich den meisten Vizslas attestieren, da die Rasse genau dafür gezüchtet wurde. Physisch machen sich auch ihre Langbeinigkeit, Kondition und von Natur aus gute Nase bei der Suche bezahlt.

Nichtsdestoweniger spielt es schon eine Rolle, ob mein Vizsla sozial im Umgang mit fremden Menschen und Hunden ist. Immerhin arbeiten wir in der Staffel als Team und sind zusammen unterwegs. Die anderen Dinge, die es braucht, sind dann aus meiner Sicht reine Trainingssache. Ich habe schon bei einigen Hunden mitbekommen, dass sie durch die konstante, rassetypische Auslastung ruhiger und ausgeglichener geworden sind. Denn so ein Sucheinsatz fordert vom Hund höchste Konzentration und vollen Körpereinsatz.

Magyar Vizsla Bjarne als Rettungshund

Christina: Ok, das sind jetzt die Voraussetzungen, die der Hund mitbringen muss. Wie sieht es denn mit den Anforderungen für den Menschen aus? Kann jeder Hundebesitzer ein guter Rettungshundeführer werden?

Annkatrin: Auch hier würde ich sagen, dass Vieles erlernt und trainiert werden kann. Wichtig ist aber, sich klar zu machen, dass die Arbeit als Hund-Mensch-Team nicht nur viel Zeit in Anspruch nimmt, sondern eine Verpflichtung bedeutet. Wir sind auch im Schichtdienst tätig und müssen auf Abruf bereitstehen. Wenn ein Mensch vermisst wird, kann man eben nicht sagen „Heute keine Lust“ oder „Och nö, es regnet“. Wenn wir zum Einsatz gerufen werden, geht es raus – und das bei Wind und Wetter. Ab diesem Zeitpunkt beginnt dann für Bjarne und mich die Arbeit. Und das Vergnügen.

Christina: Wie genau läuft ein solcher Einsatz ab?

Annkatrin: Sobald die Polizei meldet, dass Hunde für die Suche einer vermissten Person benötigt werden, wird unser Staffelleiter alarmiert. In meinem Fall ist das praktischerweise mein Mann und Bjarnes Herrchen Maxi. Wir bekommen also immer hautnah mit, wenn der Ruf zum Einsatz kommt 😉.

Maxi bespricht als Staffelleiter die nötigen Details mit der Polizei und stimmt den Einsatzort ab. Danach trommelt er die Staffelmitglieder zusammen und wir haben Zeit, die Bestätigung (Belohnung) für unsere Hunde vorzubereiten. Anschließend fahren wir alle gemeinsam zum Einsatzort und werden dort vom Einsatzleiter der Polizei eingewiesen, bekommen weitere Infos und eine Karte, die zeigt, welche Gebiete wir mit unseren Hunden absuchen sollen.

Christina: Wow, das klingt spannend! Wie lange dauert denn ein solcher Such-Einsatz?

Annkatrin: Die Suchzeiten für einen Hund liegen zwischen 30 Minuten bis hin zu 1,5 Stunden. Abhängig davon, wie fit und erfahren er ist. Zu Beginn stürmen unerfahrenere Hunde für gewöhnlich los, weil sie sich so freuen, endlich loszulegen. Mit der Zeit gewöhnen sie sich ein gemäßigteres Tempo an und halten dementsprechend länger durch. Bjarne war, was das angeht, ein echtes Naturtalent und ich konnte ihn von Anfang an sehr lange einsetzen.

Christina: Wo wir gerade über Zeit sprechen: Wie lange dauert denn überhaupt die Ausbildung zum Rettungshund?

Annkatrin: Zwischen zwei und drei Jahren, je nachdem wie viel Zeit man in die Ausbildung investiert. Der Hund muss das sichere Verweisen der vermissten Personen erlernen, der Hundeführer den Umgang mit Karte und Kompass. Auch eine Funkausbildung und ein Erste-Hilfe-Kurs – wohlbemerkt an Mensch und Hund – gehören zur Ausbildung dazu.

Auch nach der Ausbildung ist die Arbeit natürlich nicht abgeschlossen. Wir trainieren einmal pro Woche, um die Anzeige zu festigen oder die Führigkeit zu verbessern. Alle 14 Tage finden dann längere Suchen im Wald statt, bei denen wir etwa sechs Stunden beschäftigt sind.

Christina: Sind die Trainings auch nötig, um Bjarnes Nase „sensibel“ zu halten?

Annkatrin: Ja. Nur regelmäßiges Trainieren erhält Bjarnes sogenannte Suchkondition. Diese wird alle zwei Jahre in einer Einsatzfähigkeitsprüfung getestet. Und in dem Jahr dazwischen sind wir verpflichtet, an einer speziellen Einsatzübung teilzunehmen. Die Trainings helfen, uns darauf vorzubereiten.

Christina: Du hast vorhin einmal erwähnt, dass Bjarne keine Menschen anspringt, weil diese Geste bei der Rettungshundearbeit eine so wichtige Rolle spielt. Kannst Du das noch einmal genauer erklären?

Annkatrin (lacht): Achja, richtig, da war ja noch was! Am Anfang der Rettungshundearbeit steht die Entscheidung für eine Verweisart, also die Methode, mit der der Hund seinem Führer anzeigt, dass er einen Menschen gefunden hat. Üblicherweise unterscheidet man hier zwischen drei Arten: Dem Verbeller, dem Rück- oder Freiverweiser und dem Bringsler.

Magyar Vizsla Bjarne zeigt durch Anspringen den Fund einer vermissten Person an.

Unter dem Verbeller dürften sich die meisten etwas vorstellen können: Der Hund bellt, wenn er einen Menschen findet. Der Rückverweiser läuft – wie der Name schon sagt – zurück zu seinem Hundeführer und zeigt dort beispielsweise durch Ablegen, das Ziehen an einem Gürtel oder das Anspringen, einen Fund an. Der Bringsler erhält seinen Namen durch das typische Hilfsmittel, das Bringsel: Das ist ein meist stockförmiger Gegenstand, der am Halsband des Hundes befestigt ist. Sobald der Hund diesen aufnimmt, weiß ich als Hundeführer, dass eine Person gefunden wurde.

Bjarne gehört zur letztgenannten Gruppe und arbeitet mit einem solchen Bringsel. Aber während unserer Ausbildung haben wir beispielsweise auch das Rückverweisen geübt, so dass Bjarne das Anspringen als Verweisart kennengelernt hat, die er eben ausschließlich während der Arbeit einsetzen darf und soll.

Magyar Vizsla als Rettungshund mit Bringsel
Bjarne trägt hier sein von Annkatrin selbst hergestelltes Bringsel am Halsband.

Christina: Ich kann mir vorstellen, dass Viele jetzt Lust bekommen haben, mit Ihrem Vizsla die Nasenarbeit zu trainieren. Gibt es eine Übung, um die Suchfähigkeit meines Vizslas gezielt zu trainieren?

Annkatrin: Aber klar! Am Anfang versteckt man am Besten einen Futterbeutel oder ein Spielzeug (Dummy) in der Wohnung und lässt den Hund danach suchen. Wenn der Hund es zurückbringt, wird er mit einem Leckerli belohnt. Mit der Zeit werden die Distanzen langsam ausgeweitet und beispielsweise im Garten oder auf Spaziergängen trainiert. Die Schwierigkeit der Suche lässt sich übrigens nicht nur über die Distanz steigern, sondern auch, indem man das Suchobjekt unter Laub und Geäst oder erhöht auf einem Baumstamm platziert.

Eine weitere Stufe wäre dann, dass sich eine Person zusammen mit dem Futterbeutel versteckt. Hierbei sollte man unbedingt mit einem Geschirr arbeiten und sich vom Hund an der Leine führen lassen. Bei der Aufregung der Suche ziehen unerfahrene Hunde gerne mal und sie sollen sich ja nicht die Luft abschnüren.

Sind Person bzw. Objekt gefunden, kann man dann noch das Verbellen trainieren. Also, dass der Hund durch Bellen anzeigt, dass er etwas gefunden hat. Dazu muss als Einzeltrainingseinheit natürlich zunächst das „Bellen auf Kommando“ eingeübt werden.

Christina: Zum Schluss noch eine Frage: Welchen Rat würdest Du jemandem geben, der mit dem Gedanken spielt, in die Rettungshundearbeit einzusteigen?

Annkatrin: Ich denke, es kommt auf die eigene Einstellung an. Auch Bjarne und ich hatten Tage, an denen es gar nicht lief. Da sollte man cool und gelassen bleiben und den Frust nicht etwa an seinem Hund auslassen. Man darf nie vergessen, dass wir als Hundeführer mit einem Lebewesen mit ganz eigenen Bedürfnissen arbeiten, das eben auch mal einen schlechten Tag haben darf.

Ganz wichtig ist aber auch, sich der Verantwortung bewusst zu sein, die man als Hund-Mensch-Team in der Rettungshundearbeit eingeht. Aber man wird belohnt: Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn der eigene Hund eine vermisste Person findet und man damit vielleicht sogar ein Menschenleben rettet.

Christina: Annkatrin, ich danke Dir herzlich für das Interview. Ich habe viele Inspirationen mitgenommen und freue mich, mit meinem Bayard jetzt fleißig zu üben.

Annkatrin: Es hat mir auch Spaß gemacht, von meinen Erfahrungen zu berichten!


Ihr wollt noch mehr über die Rettunghundearbeit erfahren? Oder habt konkrete Fragen zum Ablauf der Ausbildung und den Prüfungen? Ihr könnt Annkatrin über ihre Website kontaktieren. Da findet Ihr außerdem noch viele weitere Fotos.

Kleines Schmankerl: Rettungshund Bjarne steht übrigens auch als Deckrüde zur Verfügung. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass dabei ganz wunderbare Welpen entstehen. 😊