Schleppleine beim Vizsla: Praktischer Helfer oder überflüssiges Accessoire?

von Aug 1, 2021

Die Schleppleine – für eine ganze Zeit war sie mein schlimmster Albtraum. Mittlerweile möchte ich sie bei der Arbeit mit meinem Vizsla-Rüden nicht mehr missen. Und sie ist zum Standard-Repertoire bei fast jedem Spaziergang geworden. Wieso? Das verrate ich Euch in diesem Blogbeitrag. Und erzähle Euch auch, wieso ich sie gerne schon sehr viel früher für mich entdeckt hätte.

Schleppleine beim Vizsla? Nein danke!

Fangen wir ganz vorne an: Als ich Bayard bekam, gab es die ersten Wochen nur das Geschirr und eine normale Leine. Im Wald habe ich den Welpen dann gerne abgeleint, ihn ein paar Meter vorlaufen lassen, ihn zu mir gerufen und ihn gelobt, wenn er angelaufen kam. Das alles in dem Glauben, dass ich so einerseits die Bindung zu mir stärke, andererseits automatisch den Rückruf trainiere.

Gleichzeitig war ich die ersten Monate als Vizsla-Mama davon überzeugt, dass ich meinen jungen Jagdhund nur durch intensiven Auslauf richtig auslaste. Und Auslauf habe ich dabei leider häufig mit Freilauf gleichgesetzt. Das Wörtchen „leider“ verrät an dieser Stelle schon, dass ich meine damalige Entscheidung heutzutage durchaus anders sehe und – sollte es jemals einen zweiten Hund geben – auch definitiv anders machen würde.

Vizsla mit Schleppleine beim Spaziergang
Durch die Schleppleine lässt sich der Radius des Hundes gut kontrollieren.

Und die Schleppleine? Die war zu dem Zeitpunkt so gar kein Thema. Ständig habe ich mich verheddert, hatte durch Nässe und Schmutz dreckige Hände und Klamotten oder war angespannt damit beschäftigt, das lange Seil auf- und wieder abzurollen. Und warum dann keine kurze Leine? Da der Vischel-Welpe bis zu seinem ersten Lebensjahr einfach noch nicht richtig leinenführig war, habe ich es mir mit dem Freilauf zugegebenermaßen oft auch „leicht“ gemacht und die Leinenführigkeit nur auf ganz bestimmten Passagen oder eben in der Hundeschule trainiert.

Der unkontrollierte Freilauf: Anfang vieler Probleme

Das rächte sich schnell und ich zahlte das „Lehrgeld“ für diese Entscheidung. Dadurch, dass Bayard im Wald fast immer freilaufen durfte, setzte er die Spaziergänge verständlicherweise mit „Freiheit“ und „Action“ gleich. Zwar blieb er immer auf den Wegen, da ich ihn vom ersten Tag an korrigierte, wenn er diese verließ, aber seine Aufmerksamkeit war trotzdem nicht immer bei mir. So kam es dann auch, dass längst nicht jeder Rückruf saß. Gerade, wenn uns andere Menschen oder Hunde entgegenkamen, denen Bayard unbedingt „Hallo“ sagen wollte, gab es den ein oder anderen Fall, bei dem er mich und mein Rufen einfach ignorierte.

Training mit Schleppleine beim Vizsla
Volle Aufmerksamkeit! Schleppleine sei Dank.

Verständlicherweise waren die anderen Hundebesitzer wenig angetan. Und ich selbst blockiere heutzutage freilaufende Hunde rigoros, wenn sie Kontakt mit Bayard aufnehmen wollen, wenn er angeleint ist. 

Meine Konsequenz auf dieses Verhalten meines Vizslas war allerdings nicht, seine Freiheit sofort und dauerhaft in Form einer Leine einzuschränken, damit er sich mein Vertrauen zurückverdient. Sondern eher Wege zu meiden, auf denen uns Hunde hätten begegnen können oder aber angespannt durch den Wald zu laufen, damit ich jeden Hund oder Spaziergänger nur ja vor meinem Vizsla wahrnehme.

Die Folge? Ich stand unter Dauerstrom, übertrug diese Nervosität auf meinen Vizsla, der dann wiederum noch aufgedrehter und unaufmerksamer wurde. Ein Teufelskreis!

Das Umdenken

Durch die Zusammenarbeit mit unseren Trainern und Gesprächen mit vielen anderen Vizsla-Besitzern, erkannte ich dann schnell, dass der Freilauf kein Dauerrecht des Hundes sein sollte, sondern ein Privileg. Und zwar eines, das sich der Hund durch positives Verhalten verdienen muss. Das heißt: Der Vizsla sollte erst von der Schleppleine oder sogar von der kurzen Leine in den Freilauf geschickt werden, wenn Bindung, Aufmerksamkeit und Rückruf zu 100 % sitzen. Und das dauert!

Dementsprechend würde ich meinen Vizsla-Welpen heutzutage ganz konsequent nur an der Schleppleine führen – und das vielleicht sogar für das gesamte erste Jahr. Den Radius einer solchen Leine kann man dann sukzessive ausweiten (Ein Glück gibt es Schleppleinen ja in so ziemlich jeder denkbaren Länge!), bis man sie wirklich nur noch in bestimmten Situationen braucht.

Vizsla an der Schleppleine bei der Nasenarbeit
Bayard arbeitet wieder mehr mit der Nase, wenn er an der Schleppleine ist.

Für mich war ein besonders großer Aha-Effekt auch die Frage der Auslastung. Wie gesagt, lief ich ja in dem festen Glauben durch die Welt, dass ich meinen Vizsla nur durch Freilauf auslaste. Heute weiß ich: Absoluter Unsinn! Gerade das „Fuß laufen“ an der Leine und die ständige Orientierung am Hundeführer erfordern beim Hund größte Konzentration – speziell in der Anfangs- bzw. Trainingsphase. Und auch das lastet natürlich aus. Zudem habe ich gemerkt, dass Bayard nicht weniger müde ist, wenn wir unsere langen Spaziergänge an der Schleppleine machen. Im Gegenteil: Er ist viel konzentrierter und arbeitet mehr mit seiner Nase. Eine Aktivität, die ja ebenfalls für Auslastung sorgt.

Wie wir die Schleppleine heute nutzen

Mittlerweile ist die Schleppleine zu meiner Lieblingsleine geworden. Sie ist für mich ein praktisches „All-in-One“-Gerät, das Bayard ausreichend Radius zum Laufen und Schnüffeln schenkt, gleichzeitig aber auch kurzerhand so umfunktioniert werden kann, dass mein Vischel bei mir und bei Fuß läuft.

Auch das Problem der nassen, schmutzigen Hände haben wir gelöst, indem ich mich für eine Schleppe aus Biothane entschieden habe. Dieses Material besteht einem Strukturgewebe mit Kunststoffummantelung. Schmutz und Nässe perlen daran einfach ab und bei extremer Verschmutzung reicht es, die Leine kurz mit einem feuchten Lappen zu reinigen.

Die Schleppleine setze ich gerne dann ein, wenn ich „Ruhe“ in den Spaziergang bringen möchte, beispielsweise nach einem aufregenden Tag für Bayard. Oder wenn ich merke, dass entweder Bayard oder ich unkonzentriert sind, hilft uns die Leine, dass keine „Fehler“ passieren. Immerhin bin ich als Hundehalterin dafür verantwortlich, dass mein Vischel nicht zu anderen Hunden oder Spaziergängern läuft. Wenn ich das im Freilauf nicht garantieren kann, – auch weil ich als Führer gerade mit den Gedanken woanders bin und nicht schnell genug reagiere – ist die Schleppleine super geeignet, um dies auszugleichen.

Ihr seht: Mittlerweile bin ich ein absoluter Fan meiner Schleppe. Geht es Euch auch so? Oder welche Leinen nutzt Ihr bevorzugt? Ich freue mich auf Eure Kommentare!

Bis dahin: Stay Vizsladdicted!

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