Vizsla-Rüde und -Hündin: Was sind die Unterschiede?

Der Magyar Vizsla weist rassetypische Charaktereigenschaften auf. Doch gibt es wesentliche Unterschiede zwischen Rüden und Hündinnen? Durch meine Erfahrungen bei der Erziehung beider Geschlechter konnte ich einige Gegensätze beobachten, die ich Euch im folgenden Blogbeitrag einmal zusammengestellt habe.

Ein paar Bemerkungen vorab…

Die folgende Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und beruht auf meinen subjektiven Erfahrungen und dem regelmäßigen Austausch mit anderen Vizsla-Besitzern. Zudem ist natürlich jeder Hund ein individuelles Wesen und es gibt sicher Rassevertreter, die von diesen Unterschieden abweichen. Ihr habt mit Euren Vischels gegenteilige Erfahrungen gemacht? Dann schreibt sie mir doch gerne unten in die Kommentare, so dass wir diese Auflistung gemeinsam ergänzen können!

Größe und Gewicht

Natürlich unterscheiden sich beim Magyar Vizsla Rüden und Hündinnen auch optisch: Während die männlichen Vertreter der Rasse laut FCI Standard eine Widerristhöhe von 58 – 64 cm erreichen, sind die weiblichen Tiere mit 54 – 60 cm meist deutlich kleiner. Das macht sich auch beim Gewicht bemerkbar, denn die Hündinnen wiegen normalerweise zwischen 18 – 25 kg, bei Rüden sind 20 – 29 kg üblich.

Vizsla Rüde Hündin Unterschiede
Die Vizsla Hündinnen sind meist kleiner und zierlicher als die Vizsla Rüden

Läufigkeit

Die Läufigkeit ist ein weiterer, zunächst offensichtlich erscheinender Unterschied. Etwa alle sechs bis neun Monate werden die Hündinnen läufig und reagieren sehr individuell auf die Veränderungen in ihrem Körper. Ich selbst habe bemerkt, dass Aika, die Vizsla-Hündin, die ich acht Jahr betreut habe, in dieser Zeit einerseits ihre Ruhe wollte, andererseits auch sehr kuschel- und nähebedürftig war. Zudem habe ich wahrgenommen, dass Befehle „während der heißen Tage“ weniger folgsam ausgeführt wurden.

Dominanzverhalten

Wer glaubt, dass das Hormonchaos ein typisches Problem bei Hündinnen sei, irrt gewaltig: Zwar werden Rüden nicht läufig, allerdings ist auch das plötzlich einsetzende Dominanzverhalten in der Pubertät nicht zu unterschätzen – und es dauert länger als jede Läufigkeit. 😉

Dazu gehört einerseits das gewissenhafte Markieren während der Spaziergänge, aber auch Imponiergehabe oder Aggression gegenüber anderen Rüden können ein Symptom der Pubertät beim Vizsla-Rüden sein. Ich habe mit Bayard vor allem kräftig diskutieren und immer wieder die Rangfolge demonstrieren müssen, die von jungen Rüden natürlicherweise mehr in Frage gestellt wird als von Hündinnen.

Vizsla Rüden typisches Aussehen
Drei “typische” Vizsla-Rüden

Training und der “will to please”

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Hündinnen beim Training ein wenig „leichtführiger“ agieren und weniger „diskutieren“, wenn es beispielsweise um Impulskontrolle und Steadiness geht. Dafür habe ich das Gefühl, dass Rüden teilweise sensibler auf Kommandos reagieren und schon sehr kleine körpersprachliche Befehle wahrnehmen.

Der jagdhundtypische „will to please“ ist hingegen beiden Geschlechtern angeboren, so dass sich beide sehr gelehrig und aufmerksam zeigen und schnell neue Kommandos lernen. Dass die Hunde beim Training bisweilen aufgedreht, ungeduldig und hektisch agieren, konnte ich ebenfalls bei beiden Geschlechtern beobachten. Da heißt es dann als Hundehalter: ruhig und geduldig bleiben und Gelassenheit ausstrahlen.

Dickköpfigkeit

Einen starken eigenen Willen zeigen beide Geschlechter, der sich aufgrund meiner Erfahrung aber auf unterschiedliche Weise zeigt: Während Hündinnen meist „zickig“ und bisweilen beleidigt reagieren, wenn ihnen etwas nicht passt und sich zurechtgewiesen werden, sind Rüden sehr dickköpfig. Ich habe bei Bayard mitunter erlebt, dass er sich einfach hinsetzt und nicht weitergeht, wenn er keine Lust hat. Oder – gerade als die Hochphase der Pubertät erreicht war – beim Training lieber rumgealbert als gearbeitet hat.

Nachgiebig sollte man weder bei Hündin noch beim Rüden sein. Die intelligenten Jagdhunde bemerken Schwäche in Form von Inkonsequenz ihres Halters sofort und nutzen diese gerne aus. Auch wenn es anstrengend ist: Setzt einen Befehl immer durch! Euer Vizsla muss lernen, dass jede Diskussion mit Euch zwecklos ist, da Ihr Euch am Ende durchsetzt.

Geistige Reife

Ein aus meiner Sicht sehr deutlicher Unterschied zwischen Vizsla-Rüde und -Hündin ist die geistige Reife: Während sich die weiblichen Tiere üblicherweise gemäß ihres Alters verhalten, bleiben die Rüden im Kopf sehr viel länger ein Welpe. Zwar können beide Geschlechter des Magyar Vizslas echte Clowns und Spaßmacher sein, die Rüden zeigen aber noch deutlicher eine gewisse Art von Schalkhaftigkeit und sind für eine längere Zeit ungestüm.

Ich habe das Gefühl, die männlichen Tiere können ihre Größe und ihr Gewicht oft sehr schlecht einschätzen. Ich würde Bayard daher sogar eine gewisse Ungeschicktheit attestieren und bezeichne ihn liebevoll sogar als „kleines Mondkalb“, wenn wieder irgendwas umfällt, weil er beispielsweise gegen den Couchtisch rennt. 

Unabhängigkeit

Weiblichen Vizslas wird gerne eine größere Unabhängigkeit nachgesagt, die ich ebenfalls bestätigen kann. Während Aika sich beispielsweise sehr gerne draußen alleine gesonnt hat, braucht Bayard immer irgendeine Art von Kontakt und versichert sich regelmäßig, dass ich wirklich noch da bin. Auch wenn ich den Raum verlasse, folgt er mir „wie ein Schatten“. Ein solches Verhalten habe ich bei Hündinnen seltener beobachten können.

Echte „velcro dogs“ sind jedoch beide Geschlechter, so dass Ihr mit Kontaktliegen und Kuscheleinheiten überschüttet werdet, egal ob Ihr Euch für eine Vizsla-Hündin oder einen -Rüden entscheidet.

“Love you” vs. “in love with you”

Im englischen Sprachraum hat sich zur Unterscheidung von Vizsla-Rüden und -Hündinnen das folgende Sprichwort etabliert: „The females love you, the males are in love with you.“ (Frei übersetzt: Die Hündinnen lieben dich, die Rüden sind in Dich verliebt.)

Während die weiblichen Tiere eine ruhige und innige Zuneigung zeigen, sind die männlichen Tiere viel eher Charmeure, die mehr Bestätigung brauchen und sich Eurer Liebe häufiger versichern werden.

Ich muss sagen, dass ich dieses Sprichwort nicht zu 100% unterschreiben kann, denn die beiden Hunde, die ich intensiv kennenlernen durfte, haben Tendenzen beider Verhaltensweisen gezeigt.

Welche Erfahrungen habt Ihr hierbei gemacht?

Wie sensibel ist der Vizsla?

Der Vizsla wird häufig als besonders „sensibel“ beschrieben. In einem Atemzug werden ihm dann auch Eigenschaften wie „Leichtführigkeit“ und „leichte Erziehbarkeit“ zugesprochen, die auf besagte Sensibilität zurückzuführen seien. Aus meiner Sicht sind „Sensibilität“ und „Leichtführigkeit“ beim Vizsla zwei völlig entgegengesetzte Merkmale, die man keinesfalls miteinander gleichsetzen sollte. Und ich erkläre Euch im heutigen Beitrag auch wieso.

Der Vizsla ist sensibel, aber…

Ich kann die Aussage, dass der Vizsla unglaublich sensibel ist, nur unterschreiben. Dass er deshalb leicht zu erziehen oder gar ein Anfängerhund sei, dagegen nicht! Dieses Missverständnis beruht meiner Meinung nach darauf, was wir gemeinhin mit einem „sensiblen Hund“ verbinden. Viele assoziieren mit dieser Eigenschaft eine gewisse Schwäche oder den vermeintlichen Wunsch des Hundes, sich von selbst unterzuordnen und auf die kleinste Strenge ängstlich und schreckhaft zu reagieren.

Dieses Bild wird nicht zuletzt auch durch Fachtexte geprägt, in denen zu lesen ist, dass der Vizsla „keine harte Hand“ vertrage. Schnell vermuten dann gerade Rasse-Neulinge, dass sich so ein Vizsla „ganz von allein“ erzieht, da er ja eben keine „harten“ Korrekturen mag oder gar braucht. Doch damit beginnen oft die Probleme.

Denn der Vizsla braucht in der Tat eine sehr konsequente Erziehung, die viel Geduld und Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der Rasse erfordert. Härte ist hierbei zwar tatsächlich nicht der richtige Weg. Aber dem Vizsla alles durchgehen zu lassen, weil er so sensibel ist? Auch das ist der völlig falsche Ansatz.

Wie sich die Sensibilität des Vizslas auf die Erziehung auswirkt

Der Vizsla ist in erster Linie ein Jagdhund. Er wurde dafür gezüchtet, leiseste Geräusche, weit entfernt liegende Gerüche oder auch Bewegungen im Unterholz wahrzunehmen und seinen Jäger zur entsprechenden Beute zu führen. Das heißt, der Vizsla reagiert natürlicherweise sehr sensibel auf äußere Reize. Das kann man leicht beobachten, wenn man einen Vizsla bei der jagdlichen Arbeit begleitet. Aber auch die nicht-jagdlich geführten Hunde zeigen eine hohe Reizsensibilität: Es genügen kleine Bewegungen und Geräusche, damit der Vizsla voll aufdreht. Seine Sinne sind eben aufs äußerste geschärft, so dass es der Rasse üblicherweise schwerfällt, zur Ruhe zu kommen – ganz besonders in unbekannten Umgebungen.

Wie wirkt sich diese Sensibilität nun aber auf die Erziehung des Vizslas aus? Macht sie ihn leichtführig und besonders gehorsam? Die Antwort lautet: Nein! Kein Hund – auch nicht der Vizsla – verfügt über einen natürlichen Gehorsam. Einen Hund, besonders an für ihn reizvollen Umgebungen, leicht führen zu können, und ihm einen guten Grundgehorsam beizubringen, erfordert Zeit, Konsequenz und eine Menge Geduld.

Der dem Vizsla angeborene „will to please“, den auch andere Jagdhundrassen zeigen, vereinfacht sein Gehorsamstraining jedoch. Seine Sensibilität, die ich gerne auch mit Feinfühligkeit übersetze, ist dabei Fluch und Segen zugleich: Vizslas merken sehr schnell, in welcher Stimmung sich ihr Besitzer befindet – und spiegeln diese dann.

Positive Verstärkung und Konsequenz sind der Schlüssel zum Erfolg   

Ich selbst habe mich an manchen Nachmittagen in der Hundeschule gefragt, wieso Bayard so überaus hibbelig und unkonzentriert ist. Bis mir auffiel, dass ich selbst gestresst in das Training gestartet war, weil ich mich beispielsweise auf der Arbeit über etwas geärgert hatte. Meine schlechte Stimmung habe ich auf meinen sensiblen Vizsla übertragen, der dann nahezu mit einer kompletten Verweigerung reagierte. Das machte mich zunächst unsicher und ich zweifelte häufig am Erfolg meiner Erziehung. Bis ich merkte, dass Bayard nichts anderes tat, als genau diese Unsicherheit zu spiegeln. Dabei braucht der Vizsla einen sicheren und durchsetzungsstarken Führer, an dem er sich orientieren kann!

Gerade zu Beginn seiner Ausbildung habe ich schnell ungeduldig reagiert, wenn ich meine Befehle korrigieren musste. Daher arbeite ich in der jetzigen Phase der Pubertät, in der er gerne seine Grenzen austestet, gar nicht mehr so sehr an seinem Gehorsam, sondern vor allem an meinen eigenen Emotionen. Ich versuche, möglichst ruhig und gelassen zu reagieren, wenn er einen Befehl auflöst. Und bringe ihn dann zum Beispiel zurück ins Sitz oder Platz. Das kann bedeuten, dass ich mitunter auch fünf oder sechs Mal korrigieren muss, bis er wirklich sitzen bzw. liegen bleibt. Und natürlich kostet das Nerven.

Aber nur durch die stetige Korrektur lernt der Vizsla, dass ich als Führer am längeren Hebel sitze. Und nicht er die Befehle auflöst, sondern ich.

Der Vizsla als „sensibler Schauspieler“

Dabei tritt dann gerne eine Eigenschaft zu Tage, die wie keine andere dafür gesorgt haben dürfte, dass man den Vizsla als „Sensibelchen“ abstempelt. Wird der Vizsla konsequent korrigiert, reagiert er oft als „armer, gequälter Hund“: Er lässt sich auf den Boden fallen, jault herzzerreißend oder wendet den ultimativen Hundeblick an. Diese schauspielerischen Fähigkeiten führen oft dazu, dass ich von anderen Hundebesitzern viel Unverständnis ernte. Warum? Der Vizsla tut als kleine Drama-Queen alles, damit bei anderen genau dieser Eindruck des gequälten und geschundenen Hundes entsteht. Hier heißt es dann, in doppelter Hinsicht stark zu bleiben: Einerseits gegenüber dem Schauspieltalent des Vischels, andererseits gegenüber den belehrenden Ermahnungen der Umwelt, die nicht verstehen, dass man dem Vizsla mit genau dieser Konsequenz einen Gefallen tut.

Denn er wird bei erledigter Aufgabe so stark gelobt und dadurch in seinem korrekten Verhalten bestärkt, dass es ihm Spaß macht, mit mir zu arbeiten. Er zeigt sich stolz und voll Freude, wenn er einen neuen Befehl gelernt und richtig ausgeführt hat. Und genau das ist es, was der Vizsla möchte: Er will gefallen. Und gleichzeitig arbeiten und gefordert werden.

Mein Fazit

Ja, der Vizsla ist ein unglaublich feinfühliger Hund, der sensibel auf äußere Reize und die Stimmung seines Besitzers reagiert. Ihn deshalb als „ängstliches Sensibelchen“ abzustempeln und mit mangelnder Konsequenz zu verhätscheln, ist jedoch falsch. Vielmehr braucht der Vizsla eine durchsetzungsstarke Hand, die ihm liebevoll Gehorsam beibringt. Denn diesen bringt der Vizsla nicht etwa von Geburt an mit, sondern muss ihn erst erlernen. Und das kann beim Vischel als echte Drama-Queen durchaus anstrengend sein. Aber ich versichere Euch: Die Arbeit lohnt sich!

6 Dinge, die Ihr noch nicht über Vizslas wusstet

Vizslas sind eine faszinierende Hunderasse, über die es allerhand zu erfahren gibt. In meinem heutigen Beitrag habe ich 6 Fakten zusammengetragen, die Euch sicher auch als erfahrene Vizsla-Besitzer noch überraschen können.

1) Vizslas sind eine sehr alte Hunderasse

Die Anfänge des Magyar Vizslas lassen sich bis ins 9. Jahrhundert n. Chr. zurückverfolgen. Bereits zu dieser Zeit setzten die namensgebenden Magyaren eine frühe Form der Vizslas zur Jagd in der ungarischen Steppe ein. Über die Jahrhunderte und mit zahlreichen Einkreuzungen anderer Rassen hat sich das Aussehen zwar verändert, der Vizsla ist aber – damals wie heute – ein extrem aufmerksamer und ausdauernder Jagdhund, der nah mit seinem Jäger bzw. Menschen zusammenarbeitet.

2) Vizslas werden mit blauen Augen geboren

Wer einem erwachsenen Vizsla schon einmal tief in die Augen geschaut hat, wird sich vielleicht in der wunderschönen Bernsteinfarbe verloren haben. Doch wußtet Ihr, dass Vizslas mit blauen Augen auf die Welt kommen? Erst innerhalb der ersten Lebensmonate wechselt die Farbe zunächst in einen grünlichen und dann hellbräunlichen Ton, der sich harmonisch zum semmelgelben Haarkleid fügt.

3) Vizslas sind extrem schnell

Der Vizsla gehört nicht nur zu den schnellsten Hunderassen der Welt, sondern belegt innerhalb des Rankings sogar einen beeindruckenden dritten oder vierten Platz (abhängig davon, welche Quelle man befragt). Blitzschnelle 40km/h kann ein ausgewachsener Vizsla bei guter Trainingskondition erreichen. Da sieht so mancher Spielgefährte ganz schön alt aus, denn ein Wettrennen kann man gegen einen Turbo-Vischel einfach nicht gewinnen.

4) Vizslas verabscheuen Kälte und Nässe

Der Vizsla ist zwar ein extrem guter Jagdhund. Sein jagdliches Können demonstrieren Vischels aber äußerst ungerne bei Nässe oder Kälte. Beides zusammen? Eine Katastrophe! Durch das kurze Fell des Vizslas, das über keinerlei Unterwolle verfügt, frieren die Hunde nicht nur sehr viel schneller als andere Rassen, sie sind auch sehr nässe-empfindlich. Wer schon einmal versucht hat, seinen Vizsla im nassen Gras ins Platz zu legen, wird das Problem kennen: Der Vizsla vollzieht dann eine Art angespannten Schwebzustand, damit ja nicht das Bäuchlein nass wird. Nicht nur deshalb ist bei kalten und nassen Witterungsverhältnissen ein Mantel für den Vizsla Pflicht!

5) Vizslas sind echte Kletten

Ihr habt einen Hund, der ständig hinter Euch steht? Euch folgt, wenn Ihr den Raum verlasst? Und noch im erwachsenen Alter auf Euren Schoß klettert? Dann seid Ihr vermutlich stolzer Besitzer eines Vizslas. Unsere zimtfarbenen Lieblinge werden in der englischen Sprache daher auch als „velcro dog“ bezeichnet, was so viel wie „Klettverschluss-Hund“ bedeutet. Und wer die Rasse kennt, wird mir zustimmen, dass der Vizsla dieser Bezeichnung absolut gerecht wird. Vischels lieben den Körperkontakt und die Nähe zu ihren Menschen und fordern diese geradezu ein. Stellt Euch also auf extrem viele Streicheleinheiten ein.

6) Vizslas sind extrem reinlich

Man kennt es eigentlich von Katzen, aber auch Vizslas achten übermäßig auf ihre Sauberkeit. Es gehört zur täglichen Routine, den gesamten Körper mehrmals durch intensives Lecken zu säubern. Und ja: Dabei wird jeder – und damit meine ich jeder – noch so kleine Winkel mit ähnlich großer Aufmerksamkeit bedacht. Die intensive Körperpflege bedeutet übrigens nicht, dass Ihr als Besitzer nicht gefragt seid. Ihr solltet das Fell, auch wenn es kurz ist, regelmäßig mit einer speziellen Bürste kämmen, Ohren und Zähne säubern und natürlich die Krallen schneiden. Um alles andere kümmert sich der Vizsla dann schon selbst.

Nun würde mich aber interessieren: Wie viele der Fakten waren Euch bereits bekannt? Und gibt es andere Dinge, die unbedingt in diese Liste gehören? Dann schreibt sie mir!

Wieso wird der Vizsla als „velcro dog“ bezeichnet?

Wer in englischen Veröffentlichungen etwas über den Vizsla liest, wird mit Sicherheit schon einmal über den Begriff „velcro dog“ gestolpert sein. Heute möchte ich erklären, was dieser Begriff bedeutet und der Frage nachgehen, ob der Magyar Vizsla diesen Titel wirklich zu Recht erhalten hat. 

Was ist ein „velcro dog“?

Velcro bedeutet wörtlich übersetzt „Klettverschluss“. Es existiert sogar eine britische Firma mit dem Namen Velcro, die – ihr ahnt es bestimmt – textile Verschlussprodukte und unter anderem eben auch Klettverschlüsse herstellt. In der englischen Sprache ist der Begriff „velcro“ daher jedem geläufig. Und wird eben auch in Verbindung mit dem Magyar Vizsla genuzt.

Ihr fragt euch wieso? Nun, dann könnt ihr bislang keinem Vizsla begegnet sein. Wer die zimtfarbene Rasse nur ein wenig kennt, kann auf Anhieb sicher mindestens zehn Situationen beschreiben, in denen sich der Hund wie ein echter Klettverschluss verhält.

Dennoch wird es an dieser Stelle nicht langweilig! Denn wisst Ihr auch, woher diese besondere Eigenschaft kommt? Und wieso man einen „velcro dog“ trotzdem nicht als einen „Hund mit Trennungsangst“ bezeichnen kann? Beides möchte ich Euch im Folgenden gerne erklären.

Der Vizsla wurde als „velcro dog“ gezüchtet

In einem meiner früheren Blogbeiträge habe ich mich bereits ausführlich mit der Geschichte des Magyar Vizsla beschäftigt. Bei einer groß angelegten Spurensuche habe ich erfahren, dass die Rasse dafür gezüchtet wurde, bei der Jagd voran zu laufen und mit ihrer extrem guten Spürnase Wild zu erschnüffeln. Durch das charakteristische Vorstehen – also das starre Fixieren mit erhobenem Vorderfuß – zeigt der Vizsla seinem Jäger einen Wildfund an. 

Für die Zucht wurden daher jene Hunde ausgewählt, die gut mit ihrem Jäger zusammenarbeiten. Und „gut zusammenarbeiten“ heißt in dem Fall natürlich, sich nicht nur auf das Erschnüffeln des Wilds zu konzentrieren, sondern vor allem auch auf den Menschen und seine Befehle. Das „Vorweglaufen“ bedeutet daher im Idealfall nur wenige Meter. Ein gut ausgebildeter und jagdlich geführter Vizsla ist extrem aufmerksam, rückversichert sich regelmäßig und passt sein Tempo dem des Jägers an.

Die Nähe und der enge Bezug zum Menschen sind daher nicht bloß Zufall, sondern Eigenschaften die über Jahrhunderte in diese Rasse hineingezüchtet wurden. Doch auch wer seinen Vizsla nicht jagdlich führt, wird diese genetisch bedingte Eigenart des „Klettenhunds“ in vielen anderen Situationen beobachten können.

Wie verhält sich ein „velcro dog“?

Einen echten „velcro dog“ erkennt man an seinem Verhalten, das buchstäblich dem eines Klettverschlusses gleicht. Hunde solcher Rassen kleben an den Fersen ihrer Menschen, folgen ihnen auf Schritt und Tritt und werden zu einer Art „zweiter Schatten“.

Du stehst auf und gehst in einen anderen Raum? Dein Vizsla wird Dir folgen. Und zwar ganz egal in welchen Raum. Selbst im Badezimmer ist er gerne dabei und das Schlafzimmer ist in den meisten Fällen ja sowieso sein Schlafplatz. „velcro dogs“ sind extrem aufmerksam. Vielleicht ist es Dir sogar schon mal passiert, dass Dein Vizsla aufsteht und zu Dir kommt, obwohl Du nur den Gedanken daran hattest, dass es nun zum Spaziergang nach draußen geht? Als extrem gute Beobachter reagieren unsere Vischels, wie andere „velcro dogs“ zu denen viele Jagdhundrassen aber auch einige Hütehunde gehören, auf kleinste Veränderungen in der Körpersprache ihres Menschen.

Sie gelten zudem als besonders verschmust und meiner Meinung nach ist dies auch eine der Ausprägungen des „Klettenhunds“. Ich kann mich auf kaum einen Stuhl setzen, ohne dass Bayard mit seinen 26 kg Kampfgewicht auf meinen Schoß gekrochen kommt. Und sobald ich mich auf der Couch niederlasse, ist das für ihn automatisch die Einladung zu einer ausgiebigen Streicheleinheit – die am liebsten auf mir stattfindet.

Entscheidet Ihr Euch für einen Vizsla, entscheidet Ihr Euch genau für dieses Verhalten. Kurze zimtfarbene Haare auf so ziemlich jedem Kleidungsstück, dem Sofa oder dem Bett stören Euch? Oder Ihr reagiert genervt, wenn Euer Hund ständig hinter Euch steht? Dann solltet Ihr besser eine andere Rasse in Betracht ziehen. Denn der Vizsla braucht diese enge Verbindung und wird sie – solltet Ihr Euch verweigern – sehr klangvoll und penetrant einfordern.  

Haben „velcro dogs“ Trennungsangst?

Der Wunsch, immer bei seinen Menschen sein zu wollen, legt die Vermutung nahe, dass Vizslas nicht alleine sein können und grundsätzlich unter Trennungsängsten leiden. Dies kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung mit der Rasse nicht bestätigen. Ja, der Vizsla begleitet gerne auf Schritt und Tritt, legt sich aber genauso gerne in sein Körbchen, um dort in Ruhe zu schlafen. Und das problemlos auch für 4-5 Stunden. Vorausgesetzt natürlich, Euer Vischel ist entsprechend ausgelastet.

Die Trennungsangst, von der tatsächlich so mancher Vizsla-Besitzer spricht, ist leider oftmals ein hausgemachtes Problem und nicht zwangsläufig eine Charaktereigenschaft des Hundes. 

Kann man Trennungsangst anerziehen?

Viele Vizslas, die schlecht alleine bleiben können, während der Abwesenheit Einrichtungsgegenstände zerkauen oder anderen Schabernak anstellen, sind bei ihren Menschen häufig der absolute Mittelpunkt im Tagesablauf. Konstantes Ansprechen des Hundes, regelmäßiges Kraulen, immer wieder ein Leckerchen zwischendurch – all das ist zwar gut gemeint, führt aber bei einer reizempfindlichen Rasse wie dem Vizsla dazu, dass der Hund sich natürlich nicht von seinem Menschen lösen möchte. Wo er doch den ganzen Tag immer wieder tolle Sachen geboten bekommt.

Ich habe mit Bayard – auch wegen seiner Aufgabe als „Bürohund“ – schon früh die Routine etabliert, dass er nach den Spaziergängen etwas zu fressen bekommt und es danach von mir kaum noch Aufmerksamkeit gibt. Er weiß dann automatisch, dass er sich zurückziehen und völlig entspannen kann. Das heißt nicht, dass ich meinen Hund ignoriere oder nicht auch viel mit ihm kuschele – aber eben zur richtigen Zeit. Vor allem habe ich mir abgewöhnt, ihn aufzuwecken oder zu streicheln, wenn er schläft. Sobald er in seinem Körbchen liegt, darf und soll er dort ungestört ruhen.  

Das Alleinebleiben mit dem Vizsla trainieren

Wenn Ihr einen Vizsla-Welpen bekommt, kann ich Euch nur empfehlen, das Alleinebleiben so früh wie möglich zu trainieren, indem ihr zunächst sekunden-, dann minutenweise das Haus verlasst. Euer Hund wird automatisch lernen, dass Ihr immer wieder zurückkommt und er nicht aufgeregt hinter der Tür warten muss.

Auch das Boxentraining kann ein guter Helfer sein, um die Ruhe im Haus und eben auch das Alleinebleiben in den Griff zu bekommen. Dazu habe ich in einem anderen Blogbeitrag meine Erfahrungen geschildert.

Zudem helfen eine gesunde körperliche und geistige Auslastung dabei, mögliche Trennungsängste zu reduzieren. Leider neigen Hunde, die mental nicht richtig gefördert werden, dazu, ihre Langweile durch das typische „velcro dog“-Verhalten zu kompensieren.

Ihr seht, ein paar Regeln können dabei helfen, dass sich Euer „velcro dog“ nicht in einen Hund mit Trennungsängsten verwandelt, sondern ein ganz normaler – wenn auch extrem anhänglicher – Hund wird. Aber, was soll ich sagen? Ich liebe meinen zimtfarbenen Schatten und freue mich darüber, dass er mich in meinen Leben und eben auch auf Schritt und Tritt begleitet.

Die Geschichte des Magyar Vizsla

Magyar Vizsla, Ungarischer Vorstehhund, Ungarisch Kurzhaar – unsere zimtfarbenen Gefährten tragen viele Namen und haben eine lange Geschichte, was mich selbst überrascht hat, als ich mich einmal auf Spurensuche begeben habe. Mein heutiger Blogbeitrag fasst für Euch die Ergebnisse meines historischen Ausflugs zusammen. Unter anderem erfahrt Ihr, woher die Rasse Magyar Vizsla stammt, wann sie entstanden ist und wie sich das Aussehen mit der Zeit verändert hat. Warum das Ganze? Mir haben die Antworten auf diese Fragen geholfen, einige der „Eigenheiten“ meines Vischels noch ein bisschen besser zu verstehen. Vieles ist nämlich einfach angeboren…

Die Vorfahren: Jagdhunde der Magyaren

Forscher haben herausgefunden, dass sich die Anfänge des Magyar Vizslas bis ins späte 9. Jahrhundert n. Chr. zurückverfolgen lassen. Die Magyaren, ein ungarisches Reitervolk, siedelte sich zu etwa dieser Zeit in der Pannonischen Tiefebene an. Dieses Gebiet umspannt mit einer Fläche von etwa 120.000 km² weite Teile Ungarns, schließt aber gleichzeitig acht weitere Staaten ein (darunter den Ostrand Österreichs, die südlichen Tiefländer der Slowakei sowie Rumänien, Serbien und Kroatien).

Das Land dieses riesigen Gebiets ist auch als Puszta, also wörtlich „Ödnis“, bekannt. Es zeichnet sich durch weite Flächen mit Steppenlandschaften und Sumpfgebieten aus und wurde für viele Jahrhunderte hauptsächlich für die Viehzucht genutzt. Natürlich eigneten sich die kilometerlangen Freiflächen nicht nur für die Haltung von Nutztieren, sondern auch für die Jagd: Ein anonymer Schreiber des Königs Adelbert III. von Ungarn (1235-1270) hielt in ausführlichen Berichten über die Magyaren fest, dass sie – wenn sie sich nicht gerade der Viehzucht widmeten – leidenschaftlich gerne jagten. Und dazu selbstverständlich auch Hunde einsetzen. Und hier kommt der Magyar Vizsla ins Spiel:

Denn neben Lager-, Wach-, Hüte- und Zughunden, die die Magyaren hielten, waren es vor allem die Vorfahren des heutigen Magyar Vizslas, die bei der Jagd mit dem Falken als Stöber- und Vogelhunde eingesetzt wurden.

Der Körperbau des Magyar Vizsla
Der Magyar Vizsla weist bis heute einen rassetypischen Körperbau auf, der sich auf seine Vorfahren zurückführen lässt.

Kreuzung mit den türkischen Jagdhunden der Osmanen

Für größeres Wild wurden – so nimmt man an – andere Jagdhundrassen genutzt. Und es ist davon auszugehen, dass der Ur-Vizsla mit eben diesen gekreuzt wurde. Vermutlich auch, um das typisch rot-gelbe Haarkleid zu optimieren, welches sich zur Tarnung in den trockenen Steppen Ungarns bestens eignete.

Bemerkenswert ist auch, dass der Vizsla bis heute der einzige Jagdhund mit einem fleischfarbenen Nasenschwamm ist, während alle anderen Jagdhundrassen einen dunkleren Nasenschwamm aufweisen.

Der Magyar Vizsla mit hellem Nasenschwamm
Der Magyar Vizsla mit dem charakteristischen, hellen Nasenschwamm.

Vermutlich wurden anfängliche Einkreuzungen mit anderen Rassen über die Jahrhunderte bewusst zurückgezüchtet. Ob dies aus ästhetischen oder anderen Gründen geschah, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Als bewiesen gilt jedoch, dass der Vizsla seine bis heute typische Fellfarbe durch die sogenannten türkischen gelben Jagdhunde erhielt. Eine Rasse, die heute als ausgestorben gilt. Sie gelangten mit der Invasion der Osmanen im Jahr 1526 in die Pannonische Tiefebene Ungarns.

Sloughis – die zweiten Ur-Ahnen des Vizslas

Gleichzeitig führten die osmanischen Heerscharen so genannte Sloughis mit sich – eine Windhundrasse, die sich durch einen langbeinigen, muskulösen und gleichzeitig filigranen Körperbau auszeichnet.

Das Wesen der Sloughis wird als sanft, extrem menschenbezogen und intelligent bezeichnet. Eigenschaften, die dem Magyar Vizsla bis heute zu eigen sind und die er nicht zuletzt durch die Einkreuzung mit den Sloughis erhalten haben dürfte.

Der Magyar Vizsla ähnelt der Windhundrasse Sloghi
Bis heute ist die genetische Verbindung zu den Sloughis beim Magyar Vizsla zu erkennen

Die Verpaarung mit den osmanischen Windhunden wurde aber sicher nicht nur wegen der charakterlichen Merkmale vorgenommen, die den Gehorsam und die Leichtführigkeit bei der Jagd der Sloughis Rasse war, von denen die Vizslas im Jagdeinsatz profitieren sollten. 

Wußtet Ihr, dass der Magyar Vizsla noch heute zu den schnellsten Hunderassen der Welt gehört? Mich wundert es nicht, wenn ich manchmal den rasanten Antritt bei meinem Vischel beobachte, wenn er einem Wurfspielzeug hinterherjagdt.

Vizslas im Jagdeinsatz ungarischer Aristokraten

Ab circa 1860 ging der Wildbesatz der ungarischen Puszta wegen zunehmender Besiedlung merklich zurück. Die ungarischen Aristokraten reagierten mit einem gezielten Einsetzen von Damwild und Fasanen, um den damals beliebten „Jagdsport“ weiter betreiben zu können. Im Einsatz auch hier: Der Magyar Vizsla.

Zur etwa selben Zeit siedelten sich in Ungarn unter anderem englische und mährische Jagdherren ein, die ihre eigenen Jagdhundrassen mitbrachten und mit dem Magyar Vizsla kreuzten, um die Vorsteheigenschaften zu verbessern.

Zur Erinnerung: Durch das Vorstehen signalisieren Hunde ihrem Jäger, dass sie Wild gefunden haben. Dabei verharren sie lautlos im Stand und heben meist angewinkelt einen der Vorderläufe. Der Blick ist starr auf das Wild gerichtet. Diese Position habt ihr bestimmt auch schon an Eurem Vizsla beobachten können – auch wenn er nicht jagdlich geführt wird. Die Gene setzen sich halt immer durch 😉

Magyar Vizsla steht vor als Vorstehhund

Das erste Zuchtbuch der Vizslas

Im Jahre 1880 kreuzte der Ungar Zoltan Hamvay den damaligen Vizsla mit Pointern und verkaufte die Welpen. Ebenso züchtete sein Landsmann Julius Barczy de Barczyhaza mit Vizslas und Irischen Settern. Die beiden Männer gelten nicht nur als die ersten offiziellen Vizsla-Züchter. Sie führten außerdem das erste, nahezu vollständige Zuchtbuch der Rasse. Ihre Hunde dürfen daher als die offiziellen Urahnen des Vizslas bezeichnet werden, wie wir ihn heute kennen.

Die typischen Eigenschaften des Vizslas: Alles eine Frage der Gene

Ihr seht: Der Genpool ist zwar unglaublich breit gefächert, der Einfluss verschiedener Jagdhundrassen aber dominant. Das erklärt, wieso unsere Vischels am liebsten mit der Nase auf dem Boden voran laufen. Ja voran, und nicht etwa „bei Fuß“ an der Leine. Schließlich wurden sie dafür gezüchtet, vor ihren Jägern zu laufen und Wildfunde durch das charakteristische Vorstehen anzuzeigen.

Es überrascht daher nicht, dass viele von uns jahrelang intensiv am Thema Leinenführigkeit arbeiten müssen.

Und auch die für den Vizsla typische Ruhelosigkeit und leichte Erregbarkeit lassen sich durch die vielfältigen Jaghund-Einkreuzungen erklären: Jedes noch so kleine Geräusch im Unterholz könnte immerhin eine potenzielle Beute sein. Die Vizsla-Sinne sind also bis aufs Äußerste geschärft und sensibilisiert.

Stirbt der Magyar Vizsla aus?

Während der Vizsla also für viele Jahrhunderte als treuer Begleiter bei der Jagd fungierte, nahm das Interesse an jagdlichen Aktivitäten in der Bevölkerung immer weiter ab. Insbesondere das zunehmende Aussterben der Aristokraten sorgte dafür, dass gleichzeitig weniger Vizslas gezüchtet wurden.

Als im November 1916 der österreichische Kaiser Karl I. von Habsburg zum letzten ungarischen König gekrönt wurde, erschien im Jagdmagazin „Nimrod“ ein offizieller Hilferuf zur Erhaltung des Vizslas: Der offizielle Vizsla-Registrator – also eine Art Archivar – namens Tubo Thuroczy forderte dazu auf, den reinblütigen Vizsla vor dem Aussterben zu retten. Er erinnerte an die lange Tradition der Rasse und bemängelte, dass der Magyar Vizsla wegen einer „Vorliebe für fremdartige Dinge“ mit zu vielen fremden Blutlinien gekreuzt worden sei.

Dieser emotionale Artikel bewirkte bei vielen ungarischen Jägern ein Umdenken – auch vor dem Hintergrund, dass man mit den jagdlichen Eigenschaften der vornehmlich deutschen und englischen Rassen, die man damals zur Jagd einsetzte, nicht vollständig zufrieden war.

Im Gegenteil: Viele Leser des Magazins erinnerten sich durch den Artikel wieder an die Lobreden ihrer Väter, was den Magyar Vizsla betraf; seine Leichtführigkeit und den sicheren Gehorsam, gerade bei der damals so beliebten Beizjagd mit dem Falken auf Wachteln und Hühner.

Rettungsaktion für den Magyar Vizsla zur Zeit des Ersten Weltkriegs

Schnell fanden sich daher motivierte Jäger zusammen, die eine Vereinigung zum Erhalt des Magyar Vizsla gründeten. Die erste Maßnahme: Man führte ein vorläufiges Stammbuch ein, in dem anhand alter Zeichnungen und Schilderungen die ur-typischen Merkmale der Rasse festgehalten wurden, bevor andere Jagdhunde eingekreuzt wurden. Mithilfe dieses Stammbuchs suchte – man kann fast sagen fahndete – die Organisation landesweit nach Hunden, die dem Ur-Vizsla am ähnlichsten sahen.

Macht man sich klar, dass sich Östrreich-Ungarn zu dieser Zeit im Ersten Weltkrieg an der Seite des deutschen Kaisers befand, wird deutlich, wie groß der Wunsch der organisierten Jägerschaft war, „ihre“ Jagdhundrasse vor dem Aussterben zu bewahren.

Ein erster Rückschlag: Der Vertrag von Trianon

Der 29. Mai 1920 darf als das Gründungsdatum der modernen Magyar-Vizsla-Zucht gelten. An diesem Tag wurde die Vereinigung der ungarischen Magyar-Vizsla-Züchter von Dr. Kalman Polgar, Graf Laszlo Esterhazy, Elmar Petocz und ihren Freunden ins Leben gerufen. Und man freute sich, dass die Bemühungen zur Rettung der Rasse nun endlich professionelle Züge bekamen.

Doch nur knappe drei Wochen später erhielt die junge Vereinigung einen spürbaren Dämpfer in Form des Friedensvertrags von Trianon. Dieser beendete am 20. Juni 1920 formal die Wirren des Ersten Weltkriegs und zwang Ungarn, zwei Drittel des Territoriums des historischen Königreichs an verschiedene Nachbar- und Nachfolgestaaten abzutreten, was eine Dezimierung der ungarischen Bevölkerung um etwa drei Millionen Bürger zur Folge hatte.

Der Magyar Vizsla wird offiziell anerkannt

Die Vereinigung der ungarischen Magyar-Vizsla-Züchter machte unbeirrt weiter und erstellte noch im selben Jahr einen ersten verbindlichen Zuchtstandard, der 1935 ergänzt wurde. Bereits ein Jahr später erkannte der kynologischen Weltverband (FCI) den Ungarischen Vorstehhund (Kurzhaar) offiziell als Rasse an. Bis zur Machtübernahme der Deutschen im Jahre 1944 waren in Ungarn rund 5.000 kurzhaarige Vizslas registriert.

Heute dürfte die Zahl um ein Vielfaches höher sein. Und auch weltweit erfreut sich der Magyar Vizsla wachsender Beliebtheit – und das nicht nur als Jagdhund, wo er durch die angezüchtete Schnelligkeit, seine guten Reflexe und das feste Vorstehen überzeugt.

Eigenschaften wie seine Sensibilität, Leichtführigkeit und starke Menschenbezogenheit machen ihn aber auch zum perfekten Familienhund, der allerdings entsprechend seiner Veranlagung gefördert und gefordert werden muss.

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Ich denke, Ihr als Vizsla-Besitzer werdet mir zustimmen, dass ein sportliches Programm allein nicht ausreicht, um einen ausgeglichenen Begleiter zu erziehen. Auch die Intelligenz des Magyar Vizslas muss gefördert werden. Nasenarbeit, das Einüben von Tricks oder auch ein Sportprogramm wie Agility, bei dem zusätzlich der Kopf eingesetzt werden muss, sind ideal geeignet, um unsere Vischels rassetypisch auszulasten.

Mich würde interessieren: Erkennt Ihr Euren Hund in den genannten Eigenschaften der Ur-Vizslas wieder? Gibt es andere Merkmale, die für Euch auf die DNA zurückzuführen sind? Lasst mir gerne einen Kommentar da! 😊