Ist der Magyar Vizsla ein „Anfängerhund“?

Noch vor einigen Jahren wusste ich selbst nicht, was ein Vizsla ist. Und heute sehe ich sie immer häufiger. Beim Spaziergang. Auf dem Cover von Hundemagazinen. Oder als „Werbegesicht“ für Futter und Accessoires. Vizslas soweit das Auge reicht! Zugegeben, das mag damit zusammenhängen, dass ich nun selbst stolze Vischel-Mama bin und ich die semmelgelben Gefährten schon von Weitem erkenne. Aber auch anderen Menschen scheint es so zu gehen. Denn wenn Bayard und ich unterwegs sind, werde ich oft auf die Rasse angesprochen und habe schon die ein oder andere „Vizsla-Anekdote“ zu hören bekommen. Kurzum: Mein Eindruck ist, die Rasse mausert sich zum Modehund.

Warum auch nicht? Im Internet liest man regelmäßig über die Leichtführigkeit des Vizslas, die ihn zum perfekten Anfängerhund mache. Gehorsam sei bei dieser Rasse leicht trainierbar, denn die Hunde hätten eben den angeborenen „will to please“. Und durch die Sensibilität und die enge Beziehung zum Menschen füge sich der Vizsla perfekt in die Familie.

Klingt erstmal toll. Und auch ich hätte gerne einen Hund gehabt, der – wie in solchen Texten angepriesen – von Anfang an leichtführig, gehorsam und immer folgsam gewesen wäre. Doch die Realität sah und sieht anders aus! Der Vizsla ist ein Jagdhund. Mit angeborenen Bedürfnissen, die man nicht unterschätzen sollte. Auch die Hundetrainer, mit denen wir bislang zusammenarbeiten, versichern uns immer wieder: „Die Erziehung eines Vizslas dauert sicher zwei bis drei Jahre. Erst danach beginnt der Spaß.“

Diesen Satz kann ich nicht gänzlich unterschreiben, da ich natürlich auch jetzt schon Freude an meinem durchgeknallten Vischel habe. Aber ich kann jedem versichern: Die Erziehung ist harte Arbeit. Jeden Tag. Und sie fordert mir einiges ab. Nerven, Zeit und so manche Träne. Und ja, ich meine Träne. Denn davon sind schon einige geflossen. Wenn der Vizsla mal wieder vor lauter Freude etwas umreißt, einen Spaziergänger unkontrolliert anspringt, die Gassirunde wegen der schwer anzutrainierenden Leinenführigkeit nur aus Korrekturen besteht, oder einfach wieder einer dieser Tage ist, an denen kein Rückruf, kein Apportieren oder sonst irgendein Kommando so richtig klappen will.

Fairerweise muss ich sagen: Es wird besser! Mit viel Konsequenz und Übung spielt sich der Gehorsam auch bei uns langsam ein. Regelmäßige Besuche in der Hundeschule oder Einzelstunden mit dem Hundetrainer helfen außerdem, dass ich die Rasse besser verstehe. Und das Zusammenleben harmonischer wird. Für den Hund und für mich.

Aber leichtführiger Anfängerhund? Aus meiner Sicht ist der Vizsla das nicht. Denn was man neben all den erzieherischen Herausforderungen nicht außer Acht lassen darf, ist sein Bedürfnis nach körperlicher und geistiger Auslastung. Da reicht es eben nicht, wenn man den Hund am Wochenende mal mit zum Joggen nimmt oder neben dem Fahrrad laufen lässt. Der Vizsla will arbeiten. Mit den Fähigkeiten, die diese Rasse nun einmal auszeichnen. Daher gehören regelmäßige Nasenarbeit oder das Apportiertraining zu meinem Standard-Repertoire, um meinen Vischel rassetypisch auszulasten.

Und die Mühe wird durchaus belohnt. Bayard zeigt mir sehr deutlich, wie ausgeglichen er ist, weil er Jagdhund sein durfte. Dann kann er nämlich wirklich verschmust, ruhig und entspannt sein. Und ich werde mit Kuscheleinheiten auf dem Sofa überschüttet.

Solltet auch Ihr darüber nachdenken, Euch einen Vizsla anzuschaffen, sprecht am besten mit anderen Besitzern und prüft kritisch, ob Ihr ausreichend Kapazitäten mitbringt, um dieser Rasse dauerhaft gerecht zu werden. Denn entgegen jeder Schilderung: Kein Jagdhund ist ein Anfängerhund. Sondern bedeutet eine Menge Arbeit und Verantwortung – (s)ein Leben lang. Und der Vizsla vielleicht sogar noch ein Stückchen mehr!

Wie seht Ihr das? Ist der Vizsla ein Anfängerhund? Welche Erfahrungen habt Ihr mit der Rasse und der Erziehung Eurer Hunde gemacht?